Die Auseinandersetzung um den geplanten Umbau des Salzburger Festspielbezirks verschärft sich. Eine neue Initiative, das „Komitee Neuer Festspielbezirk“, fordert eine deutliche Verkleinerung des Projekts und wirft den Verantwortlichen Größenwahn vor. Der Fall wurde nun an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) weitergeleitet.
Die Salzburger Festspiele weisen die Kritik entschieden zurück und betonen die Notwendigkeit des Ausbaus für die Zukunftsfähigkeit der Institution. Sie verweisen auf bereits erfolgte Einsparungen und externe Prüfungen.
Die wichtigsten Punkte
- Eine Bürgerinitiative kritisiert die Umbaupläne als überdimensioniert und zu teuer.
- Gemeinderat Christoph Ferch hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zur Prüfung des Falls eingeschaltet.
- Die Festspielleitung verteidigt das Projekt als essenziell für die Zukunft und verweist auf Einsparungen von 55 Millionen Euro.
- Die Kritiker fordern einen kompletten Neustart der Planung.
Heftige Vorwürfe gegen das Projekt „Festspielbezirk 2030“
Im Zentrum der Kritik steht das „Komitee Neuer Festspielbezirk“, eine Gruppe von rund 20 Personen, die sich gegen die aktuellen Pläne formiert hat. Einer der prominentesten Kritiker ist Josef Reschen, ehemaliger SPÖ-Bürgermeister von Salzburg (1980–1990) und früherer Spitzenbeamter der Bauabteilung des Landes.
Reschen bezeichnete die Pläne am Donnerstag als „großmannssüchtig“. Er kritisiert insbesondere den geplanten unterirdischen Ausbau. „Unter dem Titel, dass man die Werkstätten vergrößert – wofür man ein paar hundert Quadratmeter braucht – werden jetzt 10.000 Quadratmeter in den Berg hinein verlegt. Das sind eineinhalb Fußballfelder“, erklärte Reschen. Er ist überzeugt, dass eine deutlich kostengünstigere Lösung ohne Nachteile für den künstlerischen Betrieb möglich wäre.
Wurde eine günstigere Variante ignoriert?
Unterstützung erhält Reschen vom Salzburger Gemeinderat Christoph Ferch. Dieser moniert, dass bereits im Jahr 2023 eine sogenannte Minimalvariante der Planung ohne detaillierte Prüfung und ohne schlüssige Begründung ausgeschieden worden sei. Diese Vorgehensweise hat Ferch nun veranlasst, die Angelegenheit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien zur Prüfung vorzulegen.
„Es geht mir nicht darum, dass wir Mitarbeiter der Stadt oder woanders anschwärzen, sondern ich brauche eine unabhängige Prüfung. Wenn jemand an mich so etwas heranträgt, kann ich in meinem Amt nicht schweigen“, betonte Ferch seine Beweggründe.
Angesichts der angespannten Lage der öffentlichen Finanzen fordert das Komitee einen vollständigen Neustart des Projekts unter dem Motto „zurück an den Start“.
Hintergrund: Das Projekt „Festspielbezirk 2030“
Das Projekt „Festspielbezirk 2030“ ist ein umfassendes Modernisierungs- und Erweiterungsvorhaben für die Spielstätten der Salzburger Festspiele. Es zielt darauf ab, die technischen und logistischen Kapazitäten, insbesondere der Werkstätten und Proberäume, an die Anforderungen eines modernen Kulturbetriebs anzupassen. Die Finanzierung erfolgt durch Bund, Land Salzburg, Stadt Salzburg und die Festspiele selbst.
Festspielleitung verteidigt Notwendigkeit des Ausbaus
Die Leitung der Salzburger Festspiele reagierte umgehend auf die Vorwürfe. Lukas Crepaz, kaufmännischer Leiter und Projektverantwortlicher für den „Festspielbezirk 2030“, wies die Kritik entschieden zurück. „Es geht um das kulturelle Herz des Landes und seine Zukunftsfähigkeit“, so Crepaz. Genau diese Zukunftsfähigkeit erfordere zusätzlichen Raum.
Er betonte, dass der Raumbedarf nicht willkürlich festgelegt, sondern im Auftrag des Kuratoriums von unabhängigen Experten geprüft und bestätigt worden sei. Die Entscheidung des Gemeinderats im Jahr 2024, die erste Phase des Projekts mit einem Anteil von 30 Prozent zu fördern, sei auf einer soliden Grundlage getroffen worden.
- Geplante Erweiterung: 10.000 Quadratmeter sollen unterirdisch in den Mönchsberg gebaut werden.
- Bereits erzielte Einsparungen: Laut Festspielen wurden durch Umplanungen rund 55 Millionen Euro eingespart, um im Kostenrahmen zu bleiben.
- Finanzierungsanteil der Stadt: Der Gemeinderat hat 2024 einer Förderung von 30 Prozent für die erste Projektphase zugestimmt.
Crepaz stellte klar, dass es nicht die Aufgabe des Gemeinderates gewesen sei, verschiedene bauliche Alternativen zu prüfen. Diese Aufgabe sei im Vorfeld vom Kontrollamt der Stadt Salzburg übernommen worden, das das Projekt „auf Herz und Nieren“ geprüft habe.
Dialogangebot an die Kritiker
Als Reaktion auf die anhaltende Kritik und die Einschaltung der Staatsanwaltschaft signalisiert die Festspielleitung Gesprächsbereitschaft. Crepaz lud die Vertreter des Komitees ein, sich persönlich über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren.
„Unsere Türen stehen offen“, erklärte der kaufmännische Leiter. Man wolle die Entwicklungen transparent darlegen und Missverständnisse ausräumen. Ob die Kritiker dieses Angebot annehmen werden, ist derzeit noch unklar. Die Einschaltung der WKStA deutet jedoch darauf hin, dass die Auseinandersetzung um die Zukunft des Festspielbezirks noch weitergehen wird.





