Für Edgar Pichler aus Grödig war der tägliche Stau auf dem Weg zur Arbeit nie ein Problem. 23 Jahre lang legte der heute 62-jährige Pensionist die 32 Kilometer lange Strecke zu seinem Arbeitsplatz in Salzburg-Liefering mit dem Fahrrad zurück. Eine Entscheidung, die ihm nicht nur körperliche Fitness, sondern auch eine tiefe Verbundenheit zur Natur schenkte.
Das Wichtigste in Kürze
- Edgar Pichler, ein 62-jähriger Pensionist aus Grödig, fuhr 23 Jahre lang täglich 32 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit.
- Insgesamt legte er dabei eine Strecke zurück, die viermal dem Erdumfang entspricht.
- Er besitzt sieben Fahrräder und ist auch in der Pension noch täglich aktiv.
- Pichler betont die Vorteile des Radfahrens für die Gesundheit und das Erleben der Jahreszeiten.
Ein Leben auf zwei Rädern
Während sich viele Pendler täglich über verstopfte Straßen ärgern, hat Edgar Pichler diese Situationen stets aus einer anderen Perspektive erlebt. Von seinem Zuhause in Grödig bis zu seinem Arbeitsplatz bei der Firma Teekanne in Salzburg-Liefering waren es genau 32 Kilometer – eine Strecke, die er bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad bewältigte.
„Ich bin einfach ein leidenschaftlicher Radfahrer“, erklärt Pichler seine Motivation. Diese Leidenschaft war stärker als jede Ausrede. Regen, Schnee oder Gegenwind konnten ihn nicht davon abhalten, in die Pedale zu treten. Für ihn war es eine bewusste Entscheidung gegen das Auto und für die Bewegung an der frischen Luft.
Eine beeindruckende Bilanz
In 23 Berufsjahren legte Edgar Pichler mit dem Fahrrad eine geschätzte Distanz von über 160.000 Kilometern zurück. Das entspricht ungefähr einer viermaligen Umrundung der Erde entlang des Äquators.
Wenn er an den im Stau stehenden Autos vorbeifuhr, empfand er oft Mitleid mit den Fahrern. „Ich dachte mir immer, eigentlich sind die arm dran“, erinnert er sich. „Viele von ihnen könnten wahrscheinlich auch mit dem Rad fahren und würden sich dabei viel besser fühlen.“
Mehr als nur ein Weg zur Arbeit
Für Pichler war die tägliche Radfahrt weit mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Sie war ein fester Bestandteil seines Alltags, der ihm half, den Kopf freizubekommen und die Natur intensiv zu erleben. Er beschreibt, wie er durch das Radfahren die Jahreszeiten viel bewusster wahrnahm.
„Am Fahrrad erlebst du die Jahreszeiten ganz intensiv. Im Frühjahr zwitschern die Vögel, dann siehst du wieder ein Reh und du spürst die Luft. Das ist eine Bereicherung, die man im Auto so nicht hat.“
Diese Erlebnisse waren für ihn ein Ausgleich zum Arbeitsalltag. Die körperliche Anstrengung wurde durch die mentalen Vorteile und die unmittelbare Naturerfahrung mehr als aufgewogen. Er sah Rehe am Wegesrand, hörte das Vogelgezwitscher am Morgen und spürte die Veränderungen der Lufttemperatur im Laufe des Jahres.
Die richtige Ausrüstung für jede Jahreszeit
Um das ganze Jahr über sicher und komfortabel unterwegs zu sein, ist die richtige Vorbereitung entscheidend. Edgar Pichler besitzt insgesamt sieben Fahrräder, die er je nach Wetter und Jahreszeit einsetzt. Für den Winter hat er spezielle Tipps für alle, die sich ebenfalls auf den Sattel wagen wollen.
Seine Empfehlungen für das Winterradeln:
- Spikereifen: Bei Glatteis und Schnee bieten sie den notwendigen Halt und verhindern Stürze.
- Gute Beleuchtung: In den dunklen Monaten ist Sichtbarkeit überlebenswichtig. Ein starkes Vorder- und Rücklicht ist unerlässlich.
- Warme Kleidung: Das Zwiebelprinzip hat sich bewährt. Mehrere dünne Schichten isolieren besser als eine dicke.
- Schutzbleche: Sie halten Nässe und Schmutz vom Körper fern und sorgen für eine angenehmere Fahrt.
Er betont, dass es keine schlechtes Wetter gibt, sondern nur unpassende Kleidung. Mit der richtigen Ausrüstung sei das Radfahren auch im Winter ein Genuss.
Auch in der Pension aktiv
Seit seiner Pensionierung hat sich an seiner Leidenschaft für das Radfahren nichts geändert. Der tägliche Weg zur Arbeit fällt zwar weg, doch die Fahrräder stehen nicht still. Edgar Pichler nutzt die gewonnene Zeit für ausgedehnte Touren durch Salzburg und Umgebung.
Radfahren als Gesundheitsfaktor
Regelmäßige Bewegung wie Radfahren hat nachweislich positive Effekte auf die Gesundheit. Studien zeigen, dass tägliches Radeln das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 50 Prozent senken kann. Zudem stärkt es das Immunsystem, baut Stress ab und fördert das allgemeine Wohlbefinden.
Seine Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie man durch einfache Gewohnheiten einen aktiven und gesunden Lebensstil pflegen kann. Er ist der lebende Beweis, dass das Fahrrad nicht nur ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel ist, sondern auch ein Schlüssel zu mehr Lebensqualität.
Für viele Menschen in der Region könnte seine Geschichte eine Inspiration sein, das Auto öfter stehen zu lassen. Denn wie Edgar Pichler zeigt, gewinnt man auf zwei Rädern oft mehr, als man auf vier Rädern im Stau verliert: Gesundheit, Naturerlebnisse und ein Gefühl von Freiheit.



