Angesichts des demografischen Wandels und eines spürbaren Fachkräftemangels in Salzburg setzt die Salzburg AG auf eine neue Unternehmensstrategie. Anstatt Vielfalt nur als kulturellen Wert zu betrachten, wird sie nun als zentraler wirtschaftlicher Erfolgsfaktor im Kerngeschäft verankert. Das Unternehmen will so seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.
Bei einer Veranstaltung zur „Charta der Vielfalt“ in Salzburg erläuterten Führungskräfte und Experten, wie dieser Wandel konkret umgesetzt wird. Der Fokus liegt dabei auf altersgemischten Teams und einer an die Lebensphasen der Mitarbeiter angepassten Arbeitsorganisation.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Salzburg AG integriert Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Inklusion (DE&I) als strategisches Ziel in ihre Geschäftsprozesse.
- Hauptgrund ist die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels.
- Anstelle von Generationenmanagement setzt das Unternehmen auf lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle.
- Führungskräfte werden gezielt geschult, um altersdiverse Teams effektiv zu leiten und ein inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen.
Vom Kulturprojekt zur Unternehmensstrategie
Die Salzburger Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Die Belegschaften werden älter, qualifizierte Arbeitskräfte sind schwer zu finden und die Lebensrealitäten der Mitarbeiter werden immer unterschiedlicher. Die Salzburg AG reagiert auf diese Entwicklung mit einem strategischen Umdenken.
Im Rahmen des Jahresauftakts der „Charta der Vielfalt Österreich“, der erstmals in Salzburg stattfand, machte das Unternehmen seine neue Ausrichtung deutlich. „Diversity, Equity und Inklusion müssen in unseren Prozessen, Führungsgrundsätzen und Arbeitsbedingungen spürbar verankert sein“, erklärte Vorstand Herwig Struber vor rund 80 Gästen aus Wirtschaft und Medien.
„Wenn wir unterschiedliche Perspektiven aktiv einbinden und Barrieren konsequent abbauen, stärken wir nicht nur unsere Unternehmenskultur, sondern auch unsere Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und Wirtschaftlichkeit.“
– Herwig Struber, Vorstand der Salzburg AG
Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt im Jahr 2024 hat die Salzburg AG diesen Kurs auch nach außen sichtbar gemacht. Intern ist der Wandel bereits in vollem Gange.
Strukturelle Verankerung statt isolierter Maßnahmen
Daniela Kinz, die als DE&I-Botschafterin für die Umsetzung verantwortlich ist, betont den unternehmerischen Charakter der Initiative. „Wir haben keinen gesellschaftlichen Auftrag, sondern einen klaren unternehmerischen: unsere Betriebs- und Wettbewerbssicherheit langfristig zu gewährleisten“, so Kinz.
Früher wurde Vielfalt oft als separates Kulturprojekt behandelt. Heute wird es systematisch in die Verantwortung der Führungskräfte und Abteilungen überführt. Das bedeutet, dass Inklusion nicht mehr die Aufgabe einer einzelnen Stabsstelle ist, sondern Teil des täglichen Managements wird.
Was ist die Charta der Vielfalt?
Die „Charta der Vielfalt“ ist eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Unterzeichner verpflichten sich, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeitenden sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion, sexueller Orientierung und Behinderung.
„Es braucht Rahmenbedingungen, aber es braucht auch Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden“, ergänzt Kinz. Die Verantwortung wird somit auf alle Ebenen des Unternehmens verteilt.
Fokus auf Altersdiversität und Lebensphasen
Ein zentrales Handlungsfeld für die Salzburg AG ist der Umgang mit dem Alter. Da die Menschen länger im Berufsleben bleiben, treffen in den Teams immer mehr Generationen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander. Statt jedoch starre „Generationen-Schubladen“ zu verwenden, wählt das Unternehmen einen flexibleren Ansatz.
Prof. Dr. Stephan Alexander Böhm von der Universität St. Gallen, der seit Jahren zu diesem Thema forscht, warnt vor Vereinfachungen. „Wissenschaftlich ist an vielen Generationenstereotypen wenig dran“, erklärte der Experte bei der Veranstaltung. Viel wichtiger sei es, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die für alle Altersgruppen funktionieren.
Leistungsfaktor Altersmix
Studien der Universität St. Gallen zeigen, dass altersdiverse Teams besonders leistungsfähig sein können. Eine entscheidende Voraussetzung ist jedoch eine bewusst inklusive Führung, die sicherstellt, dass die Potenziale aller Mitarbeiter genutzt werden.
Die Salzburg AG setzt dies durch eine lebensphasenorientierte Arbeitsorganisation um. Das Ziel ist es, Mitarbeiter in verschiedenen Lebenssituationen gezielt zu unterstützen. Konkrete Maßnahmen umfassen:
- Berufseinstieg: Strukturierte Einarbeitungsprogramme für neue Mitarbeiter.
- Elternschaft: Standardisierte Prozesse für Karenz und Wiedereinstieg.
- Pflege von Angehörigen: Kooperationen für Pflegeberatung und flexible Arbeitszeitmodelle.
- Erfahrene Mitarbeiter: Gezielte Weiterbildungsangebote, um Wissen aktuell zu halten.
Damit wird anerkannt, dass die Bedürfnisse eines Mitarbeiters weniger vom Geburtsjahr als von der aktuellen Lebenssituation abhängen.
Die Schlüsselrolle der Führungskräfte
Alle Experten sind sich einig: Der Erfolg einer solchen Strategie hängt maßgeblich vom Verhalten der Führungskräfte ab. Sie sind es, die im Alltag für ein inklusives Klima sorgen müssen.
„DE&I kann keine einzelne Stabsstelle lösen. Es muss ins tägliche Führungsverhalten kaskadieren“, betonte Professor Böhm. Aus diesem Grund hat die Salzburg AG Inhalte zu inklusiver Führung als verpflichtenden Bestandteil ihrer Führungskräfteentwicklung verankert.
Forschungsergebnisse belegen diesen Ansatz. Studien zeigen, dass eine gesundheitsorientierte Führung die Krankenstände in Teams signifikant senken kann. Wenn Führungskräfte auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen, steigert das nicht nur die Motivation, sondern auch die allgemeine Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Mit Initiativen wie dem angestrebten NESTORGOLD-Zertifizierungsprozess für altersgerechtes Arbeiten will die Salzburg AG ihren Anspruch untermauern, zu den besten Arbeitgebern Österreichs zu gehören. Die Botschaft ist klar: Vielfalt ist im 21. Jahrhundert kein „Soft Topic“ mehr, sondern ein harter betriebswirtschaftlicher Faktor für die Zukunftssicherung.





