Die Salzburger Industrie sieht den aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung auf unsicherem Fundament und fordert von der Politik dringend Reformen zur Senkung der Kosten. Bei einem Besuch von Bundeskanzler Christian Stocker in Salzburg wurden die Forderungen nach niedrigeren Energiepreisen und Lohnnebenkosten deutlich gemacht, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Salzburger Industrie fordert eine Senkung der Lohnnebenkosten und Energiepreise.
- Unternehmer warnen vor einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Nordamerika und China.
- Bundeskanzler Christian Stocker zeigt Verständnis, verweist aber auf Budgetverhandlungen.
- Das Land Salzburg arbeitet mit einer Taskforce an der Entbürokratisierung für Unternehmen.
Wirtschaftlicher Druck trotz Aufschwung
Obwohl die Konjunktur Anzeichen einer Erholung zeigt, blicken viele Salzburger Industriebetriebe mit Sorge in die Zukunft. Die Stimmung wird durch hohe Betriebskosten getrübt, die den Standort im internationalen Vergleich belasten. Vor allem exportorientierte Unternehmen spüren den Druck durch Konkurrenten aus Regionen mit günstigeren Rahmenbedingungen.
Die zentralen Forderungen der Wirtschaft sind klar formuliert: eine spürbare Entlastung bei den Lohnnebenkosten und eine nachhaltige Senkung der Energiepreise. Diese beiden Faktoren werden als entscheidend angesehen, um die Produktionskosten in Österreich wettbewerbsfähig zu halten und den Wirtschaftsstandort langfristig zu stärken.
Ein Weltmarktführer schlägt Alarm
Die Dringlichkeit der Lage wurde bei einem Besuch von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) beim Maschinenbauunternehmen Geislinger in Hallwang deutlich. Das Unternehmen ist ein Paradebeispiel für den Salzburger Erfolg, aber auch für die aktuellen Herausforderungen.
Geislinger ist in seinem Segment Weltmarktführer und stellt Kupplungen her, die in Windrädern, Schiffen und Lokomotiven zum Einsatz kommen. Mit weltweit knapp 900 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt rund 140 Millionen Euro ist das Unternehmen ein wichtiger globaler Akteur.
„Nachdem wir viel exportieren, sind wir einem internationalen Kostendruck ausgesetzt. Das heißt, Lohnnebenkosten senken, Energiekosten senken, das ist für uns ganz wichtig“, erklärte Adrian Geislinger, Geschäftsführer des Unternehmens.
Er betonte den direkten Wettbewerb mit Konkurrenten aus Nordamerika und China, wo die Kostenentwicklung deutlich moderater sei. „Wenn wir die Industrie und den Standort Österreich stärken wollen, brauchen wir einfach eine Kostensenkung“, so Geislinger.
Fakten zu Geislinger GmbH
- Standort: Hallwang (Flachgau), Salzburg
- Produkt: Kupplungen und Dämpfer für Großmotoren
- Mitarbeiter: Knapp 900 weltweit
- Umsatz: Rund 140 Millionen Euro
- Marktposition: Weltmarktführer im Segment
Politik zwischen Verständnis und Haushaltszwängen
Bundeskanzler Stocker zeigte bei seinem Besuch Verständnis für die Anliegen der Wirtschaft. Konkrete und schnelle Zusagen blieben jedoch aus. Er verwies auf die laufenden Verhandlungen für das Doppelbudget 2027/2028 und die finanzpolitischen Realitäten.
„Im Regierungsprogramm steht die Senkung der Lohnnebenkosten unter Budgetvorbehalt drinnen“, so Stocker. Er stellte in Aussicht, dass vorhandene Spielräume für die Wirtschaft genutzt werden sollen, betonte aber auch: „Aber die muss man sich auch erarbeiten.“
Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise
Um die hohen Energiepreise in den Griff zu bekommen, setzt die Bundesregierung auf eine mehrgleisige Strategie. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll weiter forciert werden, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Gleichzeitig wird die strategische Gasreserve verlängert, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die geplante Reform der Strompreisbildung. Das sogenannte „Merit-Order-Prinzip“, bei dem das teuerste Kraftwerk den Preis für alle bestimmt, steht schon länger in der Kritik und soll überarbeitet werden.
Das Merit-Order-Prinzip
Das Merit-Order-Prinzip regelt die Preisbildung an der Strombörse. Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten aufsteigend zugeschaltet, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das letzte, teuerste Kraftwerk (oft ein Gaskraftwerk) bestimmt den Preis für den gesamten gehandelten Strom. Dies führt dazu, dass bei hohen Gaspreisen auch der Strom aus günstigeren Quellen wie Wind oder Wasser teuer wird.
Land Salzburg setzt auf Entbürokratisierung
Neben den bundespolitischen Themen arbeitet auch die Salzburger Landesregierung an Maßnahmen zur Entlastung der heimischen Betriebe. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler verwies auf eine eingerichtete Taskforce, die sich dem Thema Entbürokratisierung widmet.
Ziel ist es, administrative Hürden abzubauen und Verfahren für Unternehmen zu vereinfachen. Edtstadler dämpfte jedoch die Erwartungen an eine schnelle, umfassende Lösung.
„Das werden viele kleine Schritte werden, die ich, sobald sie legistisch fertig sind, auch in den Landtag bringen möchte“, erklärte die Landeshauptfrau. Sie zeigte sich aber zuversichtlich: „In Summe können auch kleine Schritte zu einer großen Entlastung für die Wirtschaft werden.“ Die Salzburger Unternehmen hoffen, dass diese Schritte schnell folgen, um den wirtschaftlichen Aufschwung auf eine stabilere Basis zu stellen.





