Die Imker in Salzburg schlagen Alarm. Bei der Saisoneröffnung am Imkerhof wurde eine düstere Bilanz gezogen: Der Klimawandel und die intensive Landwirtschaft führen zu einem dramatischen Rückgang der Nahrungsquellen für Bienen und andere bestäubende Insekten. Nun wird der Ruf nach politischem Handeln lauter, um dem stillen Verschwinden entgegenzuwirken.
Das Wichtigste in Kürze
- Salzburger Imker warnen vor einem zunehmenden Nahrungsmangel für Bienen, der die Völker schwächt.
- Als Hauptursachen gelten der Klimawandel mit seinen Wetterextremen und die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen.
- Naturschützer und Imker fordern von der Landesregierung ein stärkeres Engagement für den Artenschutz und die Umsetzung von EU-Renaturierungszielen.
- Konkrete Maßnahmen wie die Anlage von Blühstreifen und eine Reduktion des Pestizideinsatzes werden als notwendig erachtet.
Ein stiller Kampf ums Überleben
Die Stimmung bei der Saisoneröffnung des Imkerhofs Salzburg war nachdenklich. Während die ersten Bienen des Jahres aus ihren Stöcken flogen, sprachen die anwesenden Imker wie Reinhard Mayrhofer, Hans Eisl und Thomas Renner über eine wachsende Sorge: Ihre Bienenvölker finden immer weniger zu fressen. Was auf den ersten Blick wie ein Problem für Honigliebhaber wirkt, ist in Wahrheit ein Alarmsignal für das gesamte Ökosystem.
„Wir beobachten seit Jahren, dass die Vielfalt der Blütenpflanzen zurückgeht“, erklärte ein erfahrener Imker am Rande der Veranstaltung. „Früher gab es über den gesamten Sommer ein durchgehendes Angebot an Nektar und Pollen. Heute gibt es kurze Phasen des Überflusses, wie während der Rapsblüte, gefolgt von wochenlangen Durststrecken.“
Diese sogenannten „Trachtlücken“ schwächen die Bienenvölker erheblich. Die Königin legt weniger Eier, die Population schrumpft, und die Völker werden anfälliger für Krankheiten und Schädlinge wie die Varroamilbe. Die Folge sind nicht nur geringere Honigerträge, sondern auch höhere Verluste der Völker im Winter.
Bestäubung in Gefahr
Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten wie die Honigbiene angewiesen. Ihr Rückgang bedroht somit direkt die Erträge in der Landwirtschaft und die Vielfalt in der Natur.
Die zwei Hauptursachen des Problems
Die Gründe für die prekäre Lage der Bienen sind vielschichtig, doch zwei Faktoren werden von Experten immer wieder in den Vordergrund gerückt: der Klimawandel und die moderne Landwirtschaft.
Klimawandel verändert den Rhythmus der Natur
Die steigenden Temperaturen bringen den natürlichen Kalender durcheinander. Pflanzen blühen oft früher im Jahr, was die Synchronisation mit dem Lebenszyklus der Bienen stört. Wenn die Obstbäume bereits verblüht sind, bevor die Bienenvölker ihre volle Stärke erreicht haben, fehlt eine entscheidende Nahrungsquelle im Frühling.
Zusätzlich belasten Wetterextreme die Insekten. Lange Dürreperioden im Sommer lassen viele Pflanzen vertrocknen und die Nektarproduktion versiegen. Plötzliche Kälteeinbrüche oder Starkregenereignisse wiederum hindern die Bienen am Ausfliegen und können ganze Blütenperioden zunichtemachen.
Die Landschaft wird eintöniger
Gleichzeitig hat die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten die Landschaft verändert. Große, zusammenhängende Flächen mit Monokulturen wie Mais oder Getreide bieten für Bienen kaum Nahrung. Wichtige Lebensräume wie artenreiche Wiesen, Hecken und Feldränder sind vielerorts verschwunden.
„Eine perfekt gepflegte Agrarlandschaft ohne Wildkräuter ist für eine Biene wie eine Wüste. Sie mag für das menschliche Auge ordentlich aussehen, für die Natur ist sie jedoch ein Verlust.“
Dieser Verlust an Vielfalt führt dazu, dass das Nahrungsangebot für Bestäuber nicht nur knapp, sondern auch einseitig wird. Eine ausgewogene Ernährung ist jedoch für die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Bienenvölker von entscheidender Bedeutung.
Der Ruf nach politischem Handeln wird lauter
Angesichts der ernsten Lage richten sich die Blicke von Imkern und Naturschützern zunehmend an die Politik. Die Kritik lautet, dass die Salzburger Landesregierung zu wenig Engagement zeige, um die Biodiversität aktiv zu schützen und die von der EU vorgegebenen Ziele zur Renaturierung zu erreichen.
Was bedeutet Renaturierung?
Das EU-Renaturierungsgesetz zielt darauf ab, geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen. Dazu gehören die Wiedervernässung von Mooren, die Umwandlung von Ackerland in artenreiches Grünland oder das Anlegen von Landschaftselementen wie Hecken. Ziel ist es, die biologische Vielfalt zu fördern und die Natur widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen.
Die Forderungen sind konkret und zielen auf eine nachhaltigere Landnutzung ab. Zu den wichtigsten Vorschlägen gehören:
- Förderung von Blühflächen: Landwirte sollen finanzielle Anreize erhalten, um Blühstreifen an Feldrändern anzulegen und Wiesen erst nach der Blüte zu mähen.
- Reduzierung des Pestizideinsatzes: Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die nachweislich Bienen und andere Nützlinge schädigen, soll weiter eingeschränkt werden.
- Schutz von Landschaftselementen: Hecken, Streuobstwiesen und kleine Wälder müssen als wertvolle Lebensräume erhalten und neu geschaffen werden.
- Beratung und Aufklärung: Sowohl Landwirte als auch Privatpersonen in ihren Gärten sollen besser darüber informiert werden, wie sie bienenfreundliche Umgebungen schaffen können.
Jeder kann einen Beitrag leisten
Während die Politik gefordert ist, die Rahmenbedingungen zu schaffen, betonen die Imker, dass auch jeder Einzelne helfen kann. Schon kleine Veränderungen im eigenen Garten oder auf dem Balkon können für Bienen und andere Insekten einen großen Unterschied machen.
Das Pflanzen von heimischen, nektarreichen Blumen anstelle von pflegeleichten Rasenflächen oder Schottergärten schafft wertvolle Nahrungsinseln. Ein Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel schützt nicht nur die Bestäuber, sondern auch die gesamte Umwelt. Ein kleines Insektenhotel bietet Wildbienen einen Nistplatz.
Letztendlich hängt die Zukunft der Bienen von einem gemeinsamen Kraftakt ab. Es geht darum, die Landschaft wieder vielfältiger und lebendiger zu gestalten – ein Ziel, von dem nicht nur die Bienen, sondern auch der Mensch profitiert.





