Die Klassikwelt betrauert den Tod von José van Dam. Der belgische Bassbariton, der über Jahrzehnte die Bühnen der Welt prägte, verstarb im Alter von 85 Jahren im Kreise seiner Familie. Auch die Salzburger Festspiele hissten am Donnerstagabend die schwarze Fahne, um an den Ausnahmekünstler zu erinnern, der die Festspiele über einen Zeitraum von 30 Jahren maßgeblich mitgestaltete.
Wichtige Punkte
- José van Dam, belgischer Bassbariton, ist im Alter von 85 Jahren verstorben.
- Er prägte die Salzburger Festspiele über 30 Jahre lang mit 186 Auftritten.
- Van Dam arbeitete eng mit Herbert von Karajan zusammen.
- Seine Rolle in Messiaens „Saint François d’Assise“ gilt als legendär.
- Belgien und die Opernwelt verlieren einen ihrer größten Künstler.
Ein Leben für die Oper
José van Dam wurde in Brüssel geboren und begann seine beeindruckende Karriere bereits in den frühen 1960er-Jahren. Er übernahm wichtige Rollen in bekannten Opern wie „Der Barbier von Sevilla“, „Carmen“ und „Faust“. Seine Stimme und sein schauspielerisches Talent führten ihn schnell an die renommiertesten Opernhäuser Europas. Van Dam galt als einer der vielseitigsten Bassbaritone seiner Generation.
Seine Präsenz auf der Bühne war stets bemerkenswert. Er konnte sowohl dramatische als auch komische Rollen mit großer Tiefe und Authentizität ausfüllen. Viele Kritiker lobten seine Fähigkeit, Charaktere nicht nur zu singen, sondern sie vollständig zu verkörpern.
Zahlen und Fakten
- 85 Jahre: Das Alter, in dem José van Dam verstarb.
- 186 Auftritte: Anzahl seiner Darbietungen bei den Salzburger Festspielen.
- 30 Jahre: Zeitraum seiner Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen.
- 1968: Sein Debüt bei den Salzburger Festspielen.
- 1988: Rolle im oscarnominierten Film „Maestro“.
Die Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan
Ein prägender Abschnitt in van Dams Karriere war die enge Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Herbert von Karajan. Karajan erkannte das außergewöhnliche Talent des Sängers frühzeitig. Er holte José van Dam nicht nur an die Wiener Staatsoper, sondern auch zu den Salzburger Festspielen. Diese Partnerschaft führte zu vielen unvergesslichen Aufführungen und Aufnahmen, die bis heute als Referenz gelten.
Die beiden Künstler teilten eine ähnliche Vision von Musik und Interpretation. Dies ermöglichte eine tiefe künstlerische Verbindung, die sich in ihren gemeinsamen Produktionen widerspiegelte. Karajans Vertrauen in van Dams Fähigkeiten war ein wichtiger Faktor für dessen internationale Karriere.
Salzburger Festspiele gedenken einer Legende
Die Salzburger Festspiele haben José van Dam in einem Nachruf gewürdigt. Er prägte die Festspiele über drei Jahrzehnte hinweg. Sein Debüt gab er 1968 in Emilio de’ Cavalieris „Rappresentatione di anima e di corpo“. Insgesamt war er in 186 Aufführungen zu erleben. Diese beeindruckende Zahl unterstreicht seine Bedeutung für das Festival.
Besonders hervorzuheben ist seine Titelrolle in Olivier Messiaens Oper „Saint François d’Assise“. Diese Produktion wurde 1992 und 1998 von Peter Sellars inszeniert. Viele betrachten diese Rolle als einen Höhepunkt in van Dams künstlerischem Schaffen.
„Diese Aufführung hat in gewisser Weise mein Leben verändert“, erinnert sich Intendant Markus Hinterhäuser. „José van Dam war in dieser Rolle nicht einfach Sänger, sondern Verkörperung. Er hatte eine stille Autorität, eine Mischung aus Demut und Stärke, die genau dem entspricht, was Messiaen mit seinem Franziskus meinte.“
Hinterhäusers Worte verdeutlichen die tiefe Wirkung, die van Dams Darstellung auf das Publikum und seine Kollegen hatte. Er war mehr als ein Interpret; er wurde zum Franziskus selbst.
Hintergrund: Die Königin-Elisabeth-Musikkapelle
Die Königin-Elisabeth-Musikkapelle in Belgien ist eine renommierte Institution zur Förderung junger Musiker. José van Dam war dort zwei Jahrzehnte lang als „Maître en résidence“ tätig. In dieser Funktion gab er sein Wissen und seine Erfahrung an die nächste Generation weiter. Sein Engagement für die musikalische Ausbildung war ein weiterer wichtiger Aspekt seines Lebenswerks.
Ein Botschafter der lyrischen Kunst
Über seine Opernauftritte hinaus wirkte José van Dam auch im Film. Im Jahr 1988 spielte er im oscarnominierten Film „Maestro“ die Rolle des Opernstars Dallayrac. Dies zeigte seine Vielseitigkeit und sein Talent auch jenseits der Opernbühne.
Die Königin-Elisabeth-Musikkapelle würdigte van Dam als Belgiens größten Botschafter der lyrischen Kunst. Sie bezeichnete ihn als eine Legende, die mit ihrem Genie die Geschichte der Oper im 20. und 21. Jahrhundert prägte. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in der Welt der klassischen Musik.
José van Dam wird nicht nur als herausragender Sänger, sondern auch als Künstler in Erinnerung bleiben, der seine Rollen mit tiefer Menschlichkeit und intellektueller Durchdringung ausfüllte. Sein Erbe wird in seinen zahlreichen Aufnahmen und den Erinnerungen seiner Zuhörer und Kollegen weiterleben.





