Für Giti Omidi und Matindokht Emamy ist Salzburg mehr als nur ein Wohnort. Es ist ein sicherer Hafen, tausende Kilometer entfernt von ihrer Heimat Iran. Doch trotz der geografischen Distanz sind ihre Gedanken und Herzen fest in dem Land verwurzelt, in dem ihre Familien leben und in dem eine ganze Generation für ihre Zukunft kämpft.
Ihr Alltag in Österreich ist geprägt von einer ständigen emotionalen Zerrissenheit – zwischen der Dankbarkeit für die Sicherheit hier und der tiefen Sorge um die Menschen dort. Es ist ein Leben, das von Hoffnung, Erinnerungen und dem unerschütterlichen Traum von Freiheit bestimmt wird.
Die wichtigsten Punkte
- Zwei in Salzburg lebende Frauen mit iranischen Wurzeln teilen ihre Geschichte.
- Der Alltag ist geprägt von der emotionalen Verbindung zur Heimat und der Sorge um Familie und Freunde.
- Kleine Alltagsbeobachtungen, wie der Anblick eines Baumes, wecken starke Erinnerungen an den Iran.
- Die Frauen verkörpern die Hoffnung auf eine freiere Zukunft für ihr Herkunftsland.
Ein Leben in zwei Welten
Wer Giti Omidi in Salzburg trifft, begegnet einer Frau, die hier ihr Leben aufgebaut hat. Doch hinter der Fassade des Alltags verbirgt sich eine tiefe Verbundenheit mit dem Iran. Jeder Tag ist eine Gratwanderung zwischen zwei Realitäten. „Man ist körperlich hier, aber geistig und emotional oft im Iran“, beschreibt sie das Gefühl, das viele Exil-Iraner kennen.
Ähnlich ergeht es Matindokht Emamy. Auch sie hat in Salzburg ein neues Zuhause gefunden, doch die Nachrichten aus der Heimat lassen sie nicht los. Die Gespräche mit der Familie, die Sorge um Freunde und die Verfolgung der politischen Ereignisse sind ein fester Bestandteil ihres Lebens. Es ist ein ständiges Pendeln zwischen der Ruhe Salzburgs und dem inneren Aufruhr, den die Situation im Iran auslöst.
Die Macht der Erinnerung
Oft sind es unscheinbare Dinge, die die Brücke in die Vergangenheit und in die ferne Heimat schlagen. Für Giti Omidi ist es der Anblick einer Trauerweide. „Wenn ich an einer Trauerweide vorbeigehe, sehe ich sofort das Haus meiner Kindheit im Süden des Iran vor mir“, erzählt sie. Neben diesem Haus stand ein ebenso großer, majestätischer Baum, der zum Symbol für eine unbeschwerte Zeit geworden ist.
„Man lebt hier in Sicherheit, aber ein Teil des Herzens ist immer dort, bei der Familie, bei den Menschen, die für ihre Freiheit kämpfen. Diese Verbindung reißt nie ab.“
Diese Momente sind bittersüß. Einerseits spenden die Erinnerungen Trost und schaffen eine Verbindung zu den eigenen Wurzeln. Andererseits machen sie den Schmerz der Trennung und die Sorge um die Zukunft des Landes umso präsenter. Jede Erinnerung ist zugleich eine Mahnung an das, was auf dem Spiel steht.
Hintergrund: Die Sehnsucht nach Freiheit
Seit Jahrzehnten, und verstärkt in den letzten Jahren, gehen im Iran Menschen für grundlegende Menschenrechte, Frauenrechte und demokratische Freiheiten auf die Straße. Die Proteste werden oft von Frauen angeführt und von der iranischen Diaspora weltweit mit großer Anteilnahme und Unterstützung verfolgt. Für viele im Ausland lebende Iranerinnen und Iraner ist der Kampf ihrer Landsleute ein täglicher Quell von Hoffnung und Angst zugleich.
Hoffnung und Sorge aus der Ferne
Die Distanz macht die Situation nicht einfacher. Die Hilflosigkeit, das Geschehen nur aus der Ferne beobachten zu können, ist für Giti Omidi und Matindokht Emamy eine schwere Last. Moderne Kommunikationstechnologien ermöglichen zwar den Kontakt zur Familie, doch die Angst schwingt bei jedem Anruf und jeder Nachricht mit.
Trotzdem überwiegt die Hoffnung. „Wir sehen den Mut der jungen Generation, insbesondere der jungen Frauen. Sie riskieren alles für eine bessere Zukunft“, sagt Matindokht Emamy. Dieser Mut ist ansteckend und gibt auch den im Ausland Lebenden die Kraft, nicht aufzugeben und die Stimme für jene zu erheben, die im Iran unterdrückt werden.
Sie engagieren sich, so gut es geht, klären in ihrem Umfeld auf und versuchen, das Bewusstsein für die Lage in ihrem Heimatland zu schärfen. Jede kleine Geste der Solidarität aus dem Ausland ist ein wichtiges Signal an die Menschen im Iran, dass sie nicht vergessen sind.
Salzburg als sicherer Hafen und neue Heimat
Inmitten dieser emotionalen Turbulenzen bietet Salzburg den beiden Frauen einen stabilen Anker. Die Stadt ist für sie mehr als nur ein Exil; sie ist zu einer neuen Heimat geworden. Hier können sie in Freiheit leben, ihre Meinung äußern und ein selbstbestimmtes Leben führen – Privilegien, die im Iran für viele unerreichbar sind.
Die Sicherheit und die Freiheit, die sie in Österreich erfahren, verstärken jedoch auch ihren Wunsch, dass ihre Familien und Freunde im Iran eines Tages dasselbe erleben können. Ihr Leben in Salzburg ist somit nicht nur ein persönliches Schicksal, sondern auch ein stetiger Antrieb für ihren Traum von einem freien Iran.
Ihre Geschichte ist stellvertretend für viele Menschen, die zwischen zwei Kulturen und zwei Welten leben. Sie zeigt, dass Heimat nicht nur ein Ort auf der Landkarte ist, sondern vor allem ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit, das auch über tausende Kilometer hinweg Bestand hat.





