Das Arbeitsmarktservice (AMS) Salzburg hat nach einer monatelangen Übergangsphase eine neue Führung. Die 37-jährige Julia Kröll wurde zur neuen Landesgeschäftsführerin ernannt. Die Bestellung erfolgte jedoch nicht ohne politische Diskussionen und wirft ein Licht auf die internen Entscheidungsprozesse der wichtigen Landeseinrichtung.
Kröll, die seit September 2023 die Geschäfte interimistisch führte, tritt die Nachfolge von Jacqueline Beyer an, die das AMS nach 28 Jahren überraschend verlassen hatte. Die neue Chefin übernimmt die Leitung in einer Zeit, in der der Salzburger Arbeitsmarkt mit steigenden Arbeitslosenzahlen und einem wachsenden Fachkräftemangel konfrontiert ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Julia Kröll (37) ist die neue Landesgeschäftsführerin des AMS Salzburg.
- Ihre Bestellung erfolgte durch Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) direkt, da es im AMS-Verwaltungsrat keine Einigung gab.
- Die FPÖ Salzburg kritisiert den Vorgang als parteipolitisch motiviert und kündigt parlamentarische Anfragen an.
- Kröll übernimmt die Leitung in einer Phase steigender Arbeitslosigkeit in Salzburg, insbesondere bei Frauen.
Eine umstrittene Entscheidung an der Spitze
Die Ernennung von Julia Kröll zur neuen Leiterin des AMS Salzburg wurde nach einem mehrmonatigen Auswahlverfahren abgeschlossen. Doch der Weg an die Spitze war von politischen Meinungsverschiedenheiten geprägt. Nachdem die Anhörungen der insgesamt acht Bewerberinnen und Bewerber im Dezember zu keinem einstimmigen Ergebnis im AMS-Verwaltungsrat führten, griff Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) zu einem seltenen Mittel.
Die Ministerin machte von ihrem gesetzlichen Recht der „Ersatzvornahme“ Gebrauch und bestellte Kröll direkt. In einer offiziellen Mitteilung erklärte Schumann, sie sei zu diesem Schritt verpflichtet gewesen, um die Handlungsfähigkeit der Landesgeschäftsstelle sicherzustellen.
Kritik aus der Landespolitik
Diese Vorgehensweise stieß in Salzburg auf scharfe Kritik. Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ), die im Land für Arbeitsmarktangelegenheiten zuständig ist, äußerte ihr Unverständnis über die Entscheidung. „Parteipolitik hat bei der Arbeitsplatzvermittlung nichts verloren“, betonte Svazek in einer ersten Reaktion.
Sie kündigte an, den Vorgang mittels parlamentarischer Anfragen im Nationalrat aufzuklären. Die Kritik zielt darauf ab, die Hintergründe für die fehlende Einigung im Verwaltungsrat und die anschließende direkte Intervention durch die SPÖ-geführte Ministerin zu beleuchten.
„Ich will das Verbindende vor das Trennende stellen. Die Herausforderungen am Arbeitsmarkt ändern sich nicht, je nachdem, wer gerade Landesgeschäftsführerin ist.“ – Julia Kröll, neue AMS-Landesgeschäftsführerin
Trotz der politischen Debatte um ihre Bestellung blickt Julia Kröll nach vorne. Sie betonte am Montag, dass sie sich auf die Zusammenarbeit mit allen Partnern am Arbeitsmarkt freue und einen kooperativen Stil pflegen wolle.
Die neue Chefin und ihre Pläne
Julia Kröll ist keine Unbekannte im AMS Salzburg. Die 37-jährige Juristin begann ihre Karriere bei der Organisation bereits im Jahr 2010. Vor ihrer interimistischen Leitung war sie als stellvertretende Landesgeschäftsführerin tätig und kennt die internen Abläufe und die regionalen Besonderheiten des Arbeitsmarktes genau.
Ihre Amtszeit beginnt in einer bereits laufenden Periode, weshalb ihr Vertrag bis zum Sommer 2030 befristet ist. Dies sieht sie jedoch nicht als Hindernis. „Ich kenne die Herausforderungen und Strukturen am Salzburger Arbeitsmarkt sehr genau“, erklärte Kröll. Ihre Priorität sei es, die anstehenden Aufgaben pragmatisch zu lösen.
Der überraschende Abgang der Vorgängerin
Die Neubesetzung wurde notwendig, nachdem die langjährige Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer im Herbst 2023 ihre Position überraschend zur Verfügung stellte. Beyer war insgesamt 28 Jahre für das AMS tätig, davon sieben Jahre an der Spitze in Salzburg. Über die genauen Gründe für ihren Rückzug wurde Stillschweigen bewahrt. Offiziell hieß es lediglich, sie habe sich entschieden, „neue berufliche Wege einzuschlagen“.
Kröll übernimmt die Leitung in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Ihre Expertise wird nun gefordert sein, um innovative Lösungen für die Vermittlung von Arbeitskräften zu finden und die Servicequalität für Arbeitssuchende und Unternehmen weiter zu verbessern.
Herausforderungen am Salzburger Arbeitsmarkt
Die neue AMS-Chefin steht vor erheblichen Aufgaben. Die jüngsten Zahlen vom Jänner zeigen einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Bundesland Salzburg. Die Situation bleibt angespannt und erfordert gezielte Maßnahmen.
Arbeitsmarktdaten Salzburg – Jänner 2024
- Arbeitslose insgesamt: Mehr als 15.000 Personen
- Veränderung zum Vorjahr: Anstieg um 3 Prozent
- Besonders betroffen: Frauen verzeichnen einen überdurchschnittlich hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen betrifft verschiedene Branchen, wobei insbesondere der Dienstleistungssektor und saisonabhängige Bereiche wie der Tourismus vor Herausforderungen stehen. Gleichzeitig klagen viele Unternehmen über einen Mangel an qualifizierten Fachkräften, was die Situation zusätzlich verkompliziert.
Fokus auf Qualifizierung und Vermittlung
Eine der zentralen Aufgaben für Julia Kröll und ihr Team wird es sein, die Lücke zwischen dem Angebot an offenen Stellen und den Qualifikationen der Arbeitssuchenden zu schließen. Programme zur Weiterbildung und Umschulung sollen dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Besonderes Augenmerk wird auch auf die steigende Arbeitslosigkeit bei Frauen gelegt werden müssen. Hier gilt es, die Ursachen zu analysieren und maßgeschneiderte Unterstützungsangebote zu entwickeln, um Frauen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern und ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern.
Angesichts der politischen Diskussionen um ihre Bestellung wird Kröll nicht nur ihre fachliche Kompetenz, sondern auch ihr diplomatisches Geschick unter Beweis stellen müssen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Landesregierung, den Sozialpartnern und den Unternehmen wird entscheidend sein, um den Salzburger Arbeitsmarkt für die Zukunft zu rüsten.





