In den Laboren der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) in Salzburg-Itzling wurde über 18 Monate lang an einem streng geheimen Projekt gearbeitet. Rund 25 Schülerinnen und Schüler haben eine entscheidende Software für eine europäische Weltraummission entwickelt. Ihr Code wird an Bord der Spectrum-Rakete des deutschen Unternehmens Isar Aerospace zum Einsatz kommen, um wichtige Daten aus dem All zu sammeln.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 25 Schüler der HTL Salzburg-Itzling entwickelten Software für die Spectrum-Rakete von Isar Aerospace.
- Das Projekt lief über 18 Monate unter strenger Geheimhaltung.
- Die Software liest Daten von Sensoren aus und speichert Fotos von einem Satelliten.
- Beteiligt waren die Abteilungen für Technische Informatik sowie Biomedizin- und Gesundheitstechnik.
Ein geheimes Projekt mit großer Tragweite
Während viele ihrer Mitschüler an alltäglichen Schulprojekten arbeiteten, widmeten sich rund 25 Jugendliche aus Salzburg einer Aufgabe von galaktischem Ausmaß. In kleinen, fokussierten Teams schrieben sie an einem Softwareprogramm, das für den Erfolg einer kommerziellen Raumfahrtmission von entscheidender Bedeutung ist. Das Projekt war so sensibel, dass es über eineinhalb Jahre lang unter Verschluss gehalten wurde.
Professor Karl Heinz Steiner, der das Projekt an der HTL leitete, erklärt die Notwendigkeit der Diskretion. „Wir mussten Stillschweigen bewahren, um die Integrität der Mission nicht zu gefährden“, so Steiner. Die Zusammenarbeit mit einem aufstrebenden Unternehmen in der Luft- und Raumfahrtbranche erforderte ein hohes Maß an Professionalität und Vertraulichkeit von allen Beteiligten.
Die Studierenden stammten aus zwei spezialisierten Abteilungen: der Technischen Informatik und der Biomedizin- und Gesundheitstechnik. Diese Kombination ermöglichte es, komplexe technische Anforderungen mit präzisen Mess- und Datenerfassungsprinzipien zu verbinden.
Wer ist Isar Aerospace?
Isar Aerospace ist ein deutsches Raumfahrtunternehmen mit Sitz in Ottobrunn bei München. Das Unternehmen entwickelt die Trägerrakete Spectrum, die kleine und mittlere Satelliten kostengünstig in den Erdorbit bringen soll. Damit will sich Isar Aerospace als wichtiger europäischer Akteur im wachsenden Markt für kommerzielle Satellitenstarts etablieren und eine Alternative zu großen Anbietern wie SpaceX bieten.
Die Aufgabe: Daten aus dem All empfangen
Die von den Salzburger Schülern entwickelte Software hat eine klar definierte und kritische Funktion. Sie ist das digitale Gehirn, das die von einem Satelliten an Bord der Spectrum-Rakete gesammelten Informationen verarbeitet. Ohne diesen Code wären die wertvollen Daten aus dem Orbit nutzlos.
Konkret ist das Programm dafür verantwortlich, Messwerte von verschiedenen Sensoren auszulesen und sicher zu speichern. Zu den erfassten Daten gehören:
- Temperatur: Überwachung der thermischen Bedingungen im Weltraum.
- Magnetfeld: Messung des Erdmagnetfeldes in verschiedenen Höhen.
- Beschleunigung: Erfassung der Kräfte, die auf den Satelliten während des Fluges wirken.
- Lagesensoren: Bestimmung der genauen Ausrichtung des Satelliten im Raum.
Zusätzlich zur Sensorik verwaltet die Software auch die Speicherung von hochauflösenden Fotos, die der Satellit auf seiner Reise aufnimmt. „Es geht darum, die Daten zuverlässig zu erfassen und für die spätere Analyse auf der Erde zu sichern“, erläutert Professor Steiner die Kernaufgabe.
Herausforderung Raumfahrt: Kein Platz für Fehler
Die Entwicklung von Software für die Raumfahrt unterscheidet sich grundlegend von herkömmlicher Programmierung. Jeder Fehler im Code kann katastrophale Folgen haben und eine millionenschwere Mission scheitern lassen. Die Schüler mussten daher unter Bedingungen arbeiten, die denen in der professionellen Luft- und Raumfahrtindustrie ähneln.
Der Druck ist hoch
Die Raumfahrt ist ein unbarmherziges Geschäft. Selbst etablierte Pioniere wie Elon Musk benötigten mit SpaceX mehrere Versuche, bevor der erste erfolgreiche Start einer Falcon-1-Rakete gelang. Isar Aerospace selbst musste bei einem früheren Testflug im März 2025 den Start abbrechen und die Rakete kontrolliert ins Meer stürzen lassen. Dies unterstreicht, wie wichtig fehlerfreie Systeme sind.
Die Teams mussten sicherstellen, dass ihre Software extrem robust und ausfallsicher ist. Sie muss extremen Temperaturschwankungen, Vibrationen und der kosmischen Strahlung standhalten, ohne abzustürzen. Jeder einzelne Befehl wurde mehrfach getestet und validiert, um potenzielle Schwachstellen auszuschließen.
„Bei diesem Projekt haben wir gelernt, wie wichtig Präzision und Teamarbeit sind. Ein kleiner Fehler von einem Einzelnen kann das gesamte Projekt gefährden.“
Ein Sprungbrett für junge Talente
Für die beteiligten Schüler war das Projekt weit mehr als nur eine anspruchsvolle Aufgabe. Es war eine einzigartige Gelegenheit, praktische Erfahrungen in einem der innovativsten Technologiefelder der Welt zu sammeln. Die Zusammenarbeit mit einem echten Raumfahrtunternehmen bot Einblicke, die im normalen Schulalltag nicht möglich sind.
Die Jugendlichen konnten ihre im Unterricht erlernten theoretischen Kenntnisse direkt anwenden und erweitern. Sie lernten, unter Druck zu arbeiten, komplexe Probleme im Team zu lösen und professionelle Entwicklungsstandards einzuhalten. Diese Fähigkeiten sind auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere in der Hightech-Branche, äußerst gefragt.
Professor Steiner betont den Wert solcher Kooperationen. „Projekte wie dieses zeigen, welches Potenzial in unseren Schülern steckt. Sie sind nicht nur Konsumenten von Technologie, sondern auch deren Gestalter.“ Für viele der Teilnehmer könnte diese Erfahrung der erste Schritt in eine Karriere in der Luft- und Raumfahrt, der Informatik oder der Ingenieurwissenschaften sein.
Während der Start der Spectrum-Rakete, der ursprünglich für einen Mittwochabend geplant war, verschoben wurde, bleibt die Spannung groß. Wenn die Rakete schließlich abhebt, wird ein Stück Salzburger Innovationsgeist mit ins All fliegen – entwickelt von der nächsten Generation an Technik-Pionieren.



