Wenn die Polizei zu einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt gerufen wird, zählt jede Sekunde. Hinter verschlossenen Türen finden die Beamten oft komplexe und hoch emotionale Situationen vor. Für die Salzburger Polizistin Susanne Paar und ihre Kollegen bedeutet das, unter enormem Druck schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen, um die Gewaltspirale zu durchbrechen und die Opfer zu schützen.
Die Einsätze sind für die Beamten eine tägliche Herausforderung. Sie erfordern nicht nur rechtliches Wissen, sondern auch ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und psychologischer Kompetenz. Oft sind auch Kinder anwesend, deren Schutz oberste Priorität hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Polizei in Salzburg rückt regelmäßig zu Einsätzen wegen häuslicher Gewalt aus, bei denen schnelle Entscheidungen erforderlich sind.
- Beamte müssen in hoch emotionalen Lagen deeskalieren und rechtliche Maßnahmen wie Wegweisungen und Betretungsverbote durchsetzen.
- Der Schutz von Kindern hat bei diesen Einsätzen höchste Priorität.
- Gewalttaten in Beziehungen sind oft das Ergebnis einer langen Eskalation und keine einmaligen Vorfälle.
Entscheidungen unter Hochdruck
Die Tür öffnet sich nur einen Spalt. Dahinter eine angespannte Stille, die lauter wirkt als jeder Schrei. Für Polizisten wie Susanne Paar beginnt in diesem Moment ein Einsatz, der höchste Konzentration erfordert. Die Situation muss innerhalb von Sekunden eingeschätzt werden: Wer ist das Opfer? Wer ist der Täter? Besteht eine unmittelbare Gefahr?
„Als Polizistin muss ich in so einem Fall sehr schnell entscheiden“, erklärt eine Beamtin aus der Praxis. Die erste Aufgabe ist es, die Situation zu beruhigen und die beteiligten Personen zu trennen, um weitere Eskalationen zu verhindern. Oft sind die Fronten nicht sofort klar, und die Aussagen widersprechen sich.
Die Rolle der Kinder
Besonders belastend sind Einsätze, bei denen Kinder anwesend sind. Ihr Weinen ist oft das erste Geräusch, das die Beamten hören. Die Kinder sind Zeugen und oft auch Opfer der Gewalt. Ihr Schutz und ihre Betreuung stehen im Mittelpunkt des polizeilichen Handelns. Die Beamten müssen sicherstellen, dass die Kinder aus der Gefahrenzone gebracht und, falls nötig, dem Jugendamt übergeben werden.
Hintergrund: Die Gewaltspirale
Häusliche Gewalt ist selten ein einmaliger Vorfall. Experten sprechen von einer Gewaltspirale, die sich über Monate oder sogar Jahre zuspitzt. Sie beginnt oft mit verbalen Angriffen, entwickelt sich zu psychischem Druck und mündet schließlich in körperlicher Gewalt. Tötungsdelikte an Frauen, sogenannte Femizide, sind häufig der tragische Endpunkt einer langen Leidensgeschichte.
Die rechtlichen Instrumente der Polizei
Um die Opfer wirksam zu schützen, verfügt die Polizei über klar definierte rechtliche Mittel. Diese Instrumente ermöglichen ein sofortiges Eingreifen, noch bevor ein Gericht eingeschaltet wird.
Die wichtigste Maßnahme vor Ort ist die Wegweisung des Gefährders aus der gemeinsamen Wohnung. Gleichzeitig wird ein Betretungsverbot für die Wohnung und deren unmittelbare Umgebung ausgesprochen. Dieses Verbot gilt zunächst für zwei Wochen und gibt dem Opfer Zeit, weitere Schritte einzuleiten.
„Die Wegweisung ist ein starkes Signal an den Täter, dass sein Verhalten nicht toleriert wird. Gleichzeitig verschafft sie dem Opfer eine dringend benötigte Atempause.“
Die Polizei überprüft die Einhaltung des Betretungsverbots. Verstöße werden konsequent geahndet und können zu einer Festnahme führen. Zudem werden die Daten an die Gewaltschutzzentren weitergeleitet, die den Opfern kostenlose Beratung und Unterstützung anbieten.
Die Arbeit nach dem Einsatz
Mit dem Verlassen der Wohnung ist die Arbeit für die Polizei nicht beendet. Der Einsatz wird detailliert dokumentiert. Dieser Bericht dient als Grundlage für mögliche Strafverfahren und für weitere Schutzmaßnahmen, wie etwa eine einstweilige Verfügung, die das Betretungsverbot verlängern kann.
Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ist entscheidend. Dazu gehören:
- Gewaltschutzzentren: Sie bieten Opfern rechtliche und psychosoziale Unterstützung.
- Jugendämter: Sie kümmern sich um das Wohl der beteiligten Kinder.
- Gerichte und Staatsanwaltschaften: Sie leiten die notwendigen rechtlichen Verfahren ein.
Prävention als Schlüssel
Neben dem direkten Eingreifen setzt die Polizei auch auf Prävention. Durch Aufklärungskampagnen soll die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden. Ziel ist es, dass Betroffene und auch das soziale Umfeld frühzeitig Hilfe suchen und Gewalt gar nicht erst eskaliert.
Eine psychische Belastung für alle
Einsätze wegen häuslicher Gewalt gehören zu den psychisch belastendsten Aufgaben im Polizeidienst. Die Beamten werden mit menschlichen Tragödien, Leid und Aggression konfrontiert. Eine professionelle Distanz ist notwendig, aber nicht immer leicht zu wahren, besonders wenn Kinder involviert sind.
Für die Opfer ist der Moment, in dem sie die Polizei rufen, oft ein Wendepunkt nach langem Leiden. Es erfordert Mut, diesen Schritt zu gehen. Die Aufgabe der Beamten ist es, diesen Mut zu unterstützen und den Weg aus der Gewalt zu ebnen. Jeder erfolgreiche Einsatz kann dazu beitragen, eine weitere Eskalation zu verhindern und im Extremfall sogar ein Leben zu retten.





