In Salzburg wird die Forderung nach einer Verlängerung des Wehr- und Zivildienstes lauter. Führende Vertreter des Bundesheeres und des Roten Kreuzes befürworten die Pläne des Verteidigungsministeriums und verweisen auf die veränderte Sicherheitslage sowie auf personelle Engpässe. Die aktuelle Dauer von sechs Monaten sei nicht mehr ausreichend, um die notwendigen Fähigkeiten zu vermitteln und die Einsatzbereitschaft sicherzustellen.
Besonders das Bundesheer sieht dringenden Handlungsbedarf. Der Salzburger Militärkommandant Brigadier Peter Schinnerl warnt, dass die derzeitige Mobilmachungszeit von mindestens zwei Monaten angesichts der geopolitischen Spannungen in Europa nicht mehr tragbar sei. Eine Verlängerung des Grundwehrdienstes wird als entscheidender Schritt zur Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit gesehen.
Die wichtigsten Punkte
- Das Bundesheer und das Rote Kreuz in Salzburg unterstützen eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst.
- Die aktuelle Mobilmachungszeit von zwei Monaten wird als zu lang und als Sicherheitsrisiko eingestuft.
- Eine vom Verteidigungsministerium eingesetzte Kommission hat bereits eine Verlängerung empfohlen.
- Ziel ist die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Österreichs und die Sicherstellung sozialer Dienstleistungen.
Heer warnt vor mangelnder Einsatzbereitschaft
Die Diskussion um die Zukunft des österreichischen Wehrdienstes wird von ernsten sicherheitspolitischen Bedenken angetrieben. Im Zentrum der Argumentation des Bundesheeres steht die Zeit, die benötigt wird, um im Ernstfall von einem Friedens- auf einen Kriegszustand umzustellen. Dieser Prozess, bekannt als Mobilmachung, dauert nach aktuellen Schätzungen mindestens zwei Monate.
Brigadier Peter Schinnerl, Militärkommandant von Salzburg, bezeichnete diesen Zeitraum als „nicht verantwortbar“. Seine Aussage unterstreicht die Sorge, dass Österreich im Falle einer plötzlichen Krise nicht schnell genug reagieren könnte.
„Bei der aktuellen Sicherheitslage ist ein Zeitraum von mindestens zwei Monaten für eine Mobilmachung nicht verantwortbar.“ – Brigadier Peter Schinnerl, Militärkommandant von Salzburg
Die lange Dauer resultiert aus der Notwendigkeit, Milizsoldaten einzuberufen, Ausrüstung zu aktivieren und die Truppen auf ihre spezifischen Aufgaben vorzubereiten. Ein längerer Grundwehrdienst würde es ermöglichen, Rekruten umfassender auszubilden und sie besser auf ihre Rolle in der Miliz vorzubereiten. Dadurch könnte die Zeit bis zur vollen Einsatzbereitschaft erheblich verkürzt werden.
Was bedeutet eine längere Ausbildung?
Aktuell dauert der Grundwehrdienst sechs Monate. Experten argumentieren, dass diese Zeit kaum ausreicht, um die Grundlagen zu vermitteln. Eine Verlängerung auf acht oder gar zwölf Monate würde eine tiefere Spezialisierung erlauben. Soldaten könnten intensiver an Waffensystemen geschult, in taktischen Verfahren trainiert und auf komplexere Szenarien vorbereitet werden. Dies würde nicht nur die Qualität der Ausbildung verbessern, sondern auch die Bindung der Soldaten an das Bundesheer stärken.
Hintergrund: Die Wehrdienstkommission
Die Debatte wurde durch die Empfehlungen einer vom Verteidigungsministerium eingesetzten Wehrdienstkommission neu entfacht. Nach eingehender Analyse kam das Gremium zu dem eindeutigen Schluss, dass der Wehrdienst verlängert werden muss, um die Verteidigungsfähigkeit des Landes wiederherzustellen. Die Kommission legte der Regierung drei konkrete Modelle zur Umsetzung vor, die nun politisch diskutiert werden.
Auch das Rote Kreuz sieht Vorteile
Nicht nur das Militär, auch zivile Organisationen wie das Rote Kreuz versprechen sich positive Effekte von einer Neuregelung. Der Zivildienst, der derzeit neun Monate dauert, ist eine tragende Säule im österreichischen Sozial- und Rettungswesen. Zivildiener übernehmen wichtige Aufgaben in der Betreuung älterer Menschen, im Rettungsdienst und in der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen.
Eine Verlängerung des Wehrdienstes würde wahrscheinlich auch eine Anpassung des Zivildienstes nach sich ziehen. Vertreter des Roten Kreuzes in Salzburg begrüßen diese Aussicht. Ein längerer Dienst würde es ermöglichen, Zivildiener intensiver auszubilden und sie über einen längeren Zeitraum effektiv einzusetzen. Dies würde die Personalplanung erleichtern und die Kontinuität in der Betreuung verbessern.
Zahlen zum Zivildienst
Jedes Jahr leisten tausende junge Männer in Österreich ihren Zivildienst. Sie sind eine unverzichtbare Stütze für viele soziale Einrichtungen. Allein im Rettungsdienst würde ohne Zivildiener vielerorts der Betrieb nur schwer aufrechtzuerhalten sein. Eine stabile Personaldecke ist entscheidend für die Versorgungssicherheit.
Herausforderungen im Rettungsdienst
Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist zeitintensiv. Bei einer Dienstdauer von neun Monaten bleibt nach Abschluss der Ausbildung oft nur eine relativ kurze Zeit für den praktischen Einsatz. Eine Verlängerung auf beispielsweise zwölf Monate würde die investierte Ausbildungszeit rentabler machen. Die Organisationen hätten länger qualifiziertes Personal zur Verfügung, was die Dienstpläne stabilisieren und die erfahrenen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter entlasten würde.
Folgende Bereiche würden profitieren:
- Rettungsdienst: Längere Einsatzzeit nach der Sanitäterausbildung.
- Pflege und Betreuung: Mehr Kontinuität für die zu betreuenden Personen.
- Katastrophenhilfe: Besser ausgebildete und erfahrenere Helfer im Ernstfall.
Die politische Debatte steht am Anfang
Obwohl die fachliche Notwendigkeit von Militär- und Rettungsorganisationen klar formuliert wird, steht die politische Umsetzung noch am Anfang. Die von der Wehrdienstkommission vorgelegten Modelle müssen nun von der Regierung geprüft und im Parlament diskutiert werden. Eine Änderung der Wehrpflicht ist ein tiefgreifender Schritt, der eine breite gesellschaftliche und politische Debatte erfordert.
Die Vorschläge reichen von einer moderaten Verlängerung des Grundwehrdienstes auf acht Monate („6+2“-Modell mit sechs Monaten Ausbildung und zwei Monaten Milizübungen) bis hin zu längeren Varianten. Jedes Modell hat unterschiedliche Auswirkungen auf das Bundesheer, den Zivildienst und die jungen Männer, die den Dienst leisten müssen.
Die Befürworter hoffen, dass die aktuelle Sicherheitslage in Europa den nötigen Anstoß für eine Reform gibt. Sie argumentieren, dass Investitionen in die nationale Sicherheit und den sozialen Zusammenhalt wichtiger sind denn je. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik den Empfehlungen der Experten folgen wird und Österreichs Wehr- und Zivildienst eine neue Ausrichtung erhält.





