Ein Forschungsteam aus Salzburg hat eine innovative Lösung entwickelt, die Läufern helfen soll, ihre Leistung durch optimierte Atmung zu steigern. Ein intelligentes Brustband misst die Atemmuster und gibt in Echtzeit Feedback, um die Effizienz zu verbessern und vorzeitige Erschöpfung zu vermeiden.
Für viele Laufanfänger, aber auch für erfahrene Athleten, ist die richtige Atemtechnik eine große Herausforderung. Falsches Atmen führt schnell zu Seitenstechen, Kurzatmigkeit und einem Gefühl der Überanstrengung. Dies kann die Freude am Sport erheblich mindern. Forscher von Salzburg Research haben dieses Problem erkannt und nach einer mehrjährigen Entwicklungsphase eine technologische Antwort darauf gefunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Salzburg Research hat ein intelligentes Brustband zur Analyse der Atemtechnik beim Laufen entwickelt.
- Das Gerät gibt Läufern akustisches Echtzeit-Feedback, um die Atmung zu optimieren.
- Ziel ist es, die Leistung zu steigern, Erschöpfung zu reduzieren und die Motivation, besonders bei Anfängern, zu erhöhen.
- Die Technologie basiert auf der Analyse von Bewegungsdaten und Atemfrequenzen.
Das Problem der falschen Atmung beim Sport
Jeder, der schon einmal die Laufschuhe geschnürt hat, kennt das Gefühl: Nach wenigen Minuten wird die Luft knapp, die Beine fühlen sich schwer an und der Gedanke ans Aufgeben wird immer lauter. Oft liegt die Ursache nicht an mangelnder Fitness, sondern an einer ineffizienten Atemtechnik. Besonders Anfänger neigen dazu, zu flach und zu schnell zu atmen, was den Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
Severin Bernhart, Datentechniker in der Abteilung Human Motion Analytics bei Salzburg Research, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Phänomen. Er erklärt, dass eine suboptimale Atmung die Hauptursache dafür ist, dass viele Menschen die Motivation am Laufen verlieren.
"Besonders Anfängerinnen und Anfänger verlören so die Lust an der Bewegung", sagt Severin Bernhart. Eine falsche Atmung führt dazu, dass man schnell aus der Puste gerät.
Wenn der Körper unter Anstrengung nicht genügend Sauerstoff erhält, übersäuern die Muskeln schneller, was zu einem raschen Leistungsabfall führt. Die Folge ist, dass eine entspannte Joggingrunde sich wie ein anstrengender Marathon anfühlt.
Warum ist die richtige Atmung so wichtig?
Beim Laufen steigt der Sauerstoffbedarf des Körpers erheblich. Eine tiefe und rhythmische Bauchatmung sorgt dafür, dass die Lunge optimal belüftet wird und mehr Sauerstoff ins Blut gelangt. Dies versorgt die Muskulatur effizient mit Energie, verzögert die Ermüdung und kann sogar die mentale Ausdauer verbessern.
Eine technologische Lösung aus Salzburg
Um Läufern zu helfen, ihre Atmung zu kontrollieren und zu verbessern, hat das Team von Salzburg Research ein spezielles Brustband entwickelt. Dieses Gerät ist mehr als nur ein einfacher Pulsmesser. Es ist mit Sensoren ausgestattet, die kontinuierlich die Atemfrequenz, die Tiefe der Atemzüge und die Bewegungsmuster des Brustkorbs erfassen.
Die gesammelten Daten werden in Echtzeit von einem kleinen, am Gurt befestigten Modul analysiert. Ein intelligenter Algorithmus vergleicht die aktuellen Werte mit einem optimalen Atemmuster, das auf die Geschwindigkeit und Intensität des Laufs abgestimmt ist. Weicht die Atmung vom Ideal ab, erhält der Nutzer ein diskretes, akustisches Signal über Kopfhörer.
Wie das Feedback-System funktioniert
Das Ziel des Systems ist es nicht, den Läufer zu stören, sondern ihn sanft zu korrigieren. Anstatt komplexer Anweisungen gibt das Gerät einfache rhythmische Töne aus, die dem Nutzer helfen, seinen Atemrhythmus anzupassen. Atmet man beispielsweise zu hektisch, könnte ein langsamerer Ton dazu anleiten, die Ausatmung zu verlängern und die Frequenz zu senken.
Diese Form des Biofeedbacks ermöglicht es dem Sportler, ein besseres Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln und die richtige Technik zu verinnerlichen. Mit der Zeit soll die korrekte Atmung zur Gewohnheit werden, sodass das Gerät nicht mehr dauerhaft benötigt wird.
Forschung im Fokus: Human Motion Analytics
Die Abteilung Human Motion Analytics bei Salzburg Research ist auf die Analyse menschlicher Bewegungen spezialisiert. Mithilfe von Sensortechnologie, Datenanalyse und künstlicher Intelligenz entwickeln die Forscher Anwendungen für Sport, Gesundheit und Rehabilitation. Das Atem-Brustband ist ein Ergebnis dieser interdisziplinären Arbeit.
Vom Prototyp zur Marktreife
Die Idee zu diesem Projekt entstand bereits vor rund fünf Jahren. Seitdem hat das Team um Severin Bernhart intensiv geforscht, Prototypen entwickelt und umfangreiche Tests mit Läufern unterschiedlicher Leistungsniveaus durchgeführt. Die Herausforderung bestand darin, die Sensoren präzise genug zu machen, um die feinen Nuancen der Atmung von anderen Körperbewegungen zu unterscheiden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Benutzerfreundlichkeit. Das Brustband musste leicht, bequem und unauffällig sein, um beim Laufen nicht zu stören. Auch die Software und die akustischen Signale wurden so gestaltet, dass sie intuitiv verständlich sind und den Fokus nicht vom Laufen ablenken.
Aktuell befindet sich das Projekt in einer fortgeschrittenen Phase. Die Forscher sind zuversichtlich, dass ihre Entwicklung bald nicht nur Hobbysportlern, sondern auch Profi-Athleten zur Verfügung stehen könnte, die ihre Leistung bis ins kleinste Detail optimieren wollen.
Potenzial für die Zukunft des Sports
Die Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie gehen über das Laufen hinaus. Prinzipiell könnte das System für jede Sportart angepasst werden, bei der die Atmung eine entscheidende Rolle für die Leistung spielt, wie zum Beispiel beim Radfahren, Rudern oder Skilanglauf.
Darüber hinaus eröffnet die präzise Erfassung von Atemdaten neue Möglichkeiten für die sportwissenschaftliche Forschung. Trainer und Wissenschaftler könnten detaillierte Analysen durchführen, um Trainingspläne noch individueller zu gestalten und das Potenzial von Athleten voll auszuschöpfen.
Diese Innovation aus Salzburg zeigt eindrucksvoll, wie moderne Technologie den Sport zugänglicher und effektiver machen kann. Indem sie ein grundlegendes, aber oft vernachlässigtes Element – die Atmung – in den Mittelpunkt rückt, könnte sie vielen Menschen helfen, ihre sportlichen Ziele zu erreichen und langfristig Freude an der Bewegung zu finden.





