Reisende aus Nicht-EU-Staaten müssen sich am Flughafen Salzburg auf deutlich längere Wartezeiten bei der Einreise einstellen. Grund dafür ist die schrittweise Einführung des neuen europäischen Entry-Exit-Systems (EES), das die Erfassung biometrischer Daten vorschreibt. Die Umstellung führt bereits jetzt zu Verzögerungen und stößt bei Passagieren auf Kritik.
Das neue System, das die Sicherheit an den EU-Außengrenzen erhöhen soll, verlängert den Kontrollprozess pro Passagier um mehrere Minuten. Am Salzburger Flughafen wird bis zur Fertigstellung eines neuen Terminals eine Übergangslösung genutzt, die den Andrang nur bedingt bewältigen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Am Flughafen Salzburg wird das neue EU-Entry-Exit-System (EES) für Nicht-EU-Bürger eingeführt.
- Die Einreise dauert pro Passagier etwa zwei Minuten länger, was zu Gesamtverzögerungen von 15 bis 20 Minuten führen kann.
- Reisende müssen biometrische Daten wie Fingerabdrücke abgeben und ein Foto machen lassen.
- Eine provisorische Abfertigungshalle wird genutzt, bis der neue Terminal voraussichtlich 2033 fertiggestellt ist.
- Besonders Reisende aus Großbritannien werden von den längeren Wartezeiten betroffen sein.
Was hinter dem neuen Einreisesystem steckt
Das Entry-Exit-System, kurz EES, ist eine Initiative der Europäischen Union zur Modernisierung der Grenzkontrollen an den Außengrenzen des Schengen-Raums. Ziel ist es, die Sicherheit zu erhöhen und die Ein- und Ausreise von Bürgern aus Drittstaaten systematisch zu erfassen.
Für Reisende bedeutet dies einen neuen, mehrstufigen Prozess. Bei der ersten Einreise in den Schengen-Raum müssen sie ihre biometrischen Daten abgeben. Dazu gehören Gesichtsbilder und Fingerabdrücke. Diese Daten werden zusammen mit den Passinformationen in einer zentralen europäischen Datenbank gespeichert.
Dieser Vorgang ersetzt das bisherige manuelle Abstempeln der Pässe. Das System berechnet automatisch die erlaubte Aufenthaltsdauer und kann Behörden alarmieren, wenn eine Person die zulässigen 90 Tage innerhalb eines 180-Tage-Zeitraums überschreitet.
Hintergrund: Ein EU-weites Projekt
Das EES ist Teil eines umfassenderen Pakets zur Stärkung der EU-Außengrenzen. Es soll zusammen mit dem Europäischen Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) die Kontrolle über die Reisebewegungen von Drittstaatsangehörigen verbessern und die Identifizierung von Personen mit überschrittener Aufenthaltsdauer erleichtern.
Die Situation am Flughafen Salzburg
Am Flughafen Salzburg wird das neue System bereits angewendet. Derzeit durchläuft etwa jeder dritte ankommende Nicht-EU-Bürger den neuen Prozess. Bis April soll die Umstellung vollständig abgeschlossen sein, sodass alle betroffenen Passagiere über das EES erfasst werden.
Flughafensprecher Alexander Klaus erklärt, dass die neuen Abläufe unweigerlich zu Verzögerungen führen. „Der EES-Prozess dauert bei den Passagieren etwa zwei Minuten länger als die Systeme davor“, so Klaus. In der Praxis summiert sich dieser Zeitaufwand.
„Wenn ich heute eine Einreise habe durch EES, wird der Prozess etwa 15 Minuten bis maximal 20 Minuten verlängert.“
- Alexander Klaus, Flughafensprecher
Die größte Herausforderung für den Salzburger Flughafen ist die räumliche Infrastruktur. Da das Hauptgebäude nicht für die neuen Kontrollstationen ausgelegt ist, wurde eine temporäre Lösung in einer separaten Halle geschaffen, die als „EES-Satellit“ bezeichnet wird.
Eine Übergangslösung bis 2033
Die derzeitige Abfertigung in einer provisorischen Halle ist eine Notwendigkeit, bis der Flughafen umfassend umgebaut ist. Geschäftsführerin Bettina Ganghofer bestätigte, dass das neue Einreisesystem erst mit der Fertigstellung des neuen Hauptterminals vollständig integriert werden kann.
Zahlen und Fakten zum Umbau
- Geplante Fertigstellung: Spätestens 2033
- Ziel: Integration der EES-Kontrollen in den neuen Hauptterminal
- Aktueller Zustand: Nutzung einer separaten Halle als Übergangslösung
Diese Langzeitperspektive bedeutet, dass Passagiere noch für fast ein Jahrzehnt mit den Gegebenheiten der Übergangslösung und den damit verbundenen längeren Wegen und Wartezeiten leben müssen.
Auswirkungen auf Passagiere und Tourismus
Die verlängerten Kontrollzeiten betreffen nicht nur die Reisenden aus Drittstaaten, sondern haben auch Auswirkungen auf den gesamten Flughafenbetrieb. Wenn ein Flugzeug mit vielen Nicht-EU-Bürgern landet, kann es zu Rückstaus bei der Passkontrolle kommen.
Besonders im Fokus stehen die Wintermonate, wenn zahlreiche Touristen aus Großbritannien anreisen. „Wenn im Februar der große Ansturm aus Großbritannien kommt, müssen alle Urlauber aus Drittstaaten wohl mit einem längeren Einreiseprozess rechnen“, bestätigt Flughafensprecher Klaus. Für eine wichtige Tourismusregion wie Salzburg sind reibungslose Abläufe am Flughafen ein entscheidender Faktor.
Auch EU-Bürger, die gemeinsam mit Nicht-EU-Angehörigen reisen oder im selben Flugzeug aus einem Drittstaat ankommen, spüren die Auswirkungen. Obwohl sie sich nicht biometrisch registrieren müssen und direkt zur Passkontrolle gehen können, sind sie von den allgemeinen Verzögerungen im Abfertigungsbereich betroffen.
Kritik von Reisenden
Erste Reaktionen von Passagieren fallen gemischt aus. Während einige Verständnis für die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen zeigen, äußern andere Kritik an der Organisation und den langen Wartezeiten. Vor allem die räumliche Trennung der Kontrollpunkte und die damit verbundenen längeren Wege werden bemängelt.
Die Verantwortlichen des Flughafens betonen, dass die aktuelle Situation unter den gegebenen Umständen „nicht anders lösbar“ sei. Man arbeite daran, die Prozesse so effizient wie möglich zu gestalten, sei aber durch die baulichen Gegebenheiten limitiert.
Reisenden aus Nicht-EU-Ländern wird empfohlen, bei der Planung ihrer An- und Abreise zusätzliche Zeit einzuplanen und sich auf die neuen Prozeduren einzustellen. Die vollständige Implementierung des EES an allen EU-Außengrenzen wird die Reiseerfahrung in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.





