Ein Bericht über das Comeback der einst berühmten Motorradmarke HMW weckte bei Egbert Kainzbauer aus Salzburg lebhafte Erinnerungen. Der 82-Jährige bekam zu seinem 16. Geburtstag ein Moped aus der Halleiner Produktion geschenkt – ein Ereignis, das sein Leben in der Nachkriegszeit prägte und bis heute unvergessen ist.
Seine Geschichte ist mehr als nur eine persönliche Anekdote; sie ist ein Fenster in eine Zeit, in der ein kleines Motorrad Freiheit, Stolz und den Aufbruch in eine neue Ära symbolisierte.
Das Wichtigste in Kürze
- Der 82-jährige Salzburger Egbert Kainzbauer teilt seine persönlichen Erinnerungen an sein HMW-Moped, das er als Jugendlicher besaß.
- Das Moped der Halleiner Motorenwerke war ein Statussymbol und Zeichen der aufkeimenden Mobilität in der Nachkriegszeit.
- Kainzbauer erinnert sich an technische Details und die Herausforderungen, die das Fahren in einer bergigen Region mit sich brachte.
- Die Geschichte beleuchtet die emotionale Bedeutung, die solche Fahrzeuge für eine ganze Generation hatten.
Der Beginn einer Leidenschaft
Für viele Menschen sind es bestimmte Geräusche oder Gerüche, die Erinnerungen an die Jugend wachrufen. Für Egbert Kainzbauer ist es das Bild eines kleinen Motors, der an einem Fahrrad befestigt ist. „Jahre nach dem Krieg wohnte ich mit meinen Eltern in einem Haus, in dem auch ein Mann wohnte, der ein gewöhnliches Fahrrad mit einem Fuchs-Hilfsmotor hatte“, erzählt der heute 82-jährige Salzburger.
Dieses Bild prägte sich tief in sein Gedächtnis ein. Der kleine, knatternde Motor war ein Symbol des Fortschritts und der beginnenden Motorisierung in einer Zeit, in der Autos noch ein seltener Luxus waren. Es war der Funke, der in dem jungen Egbert die Faszination für motorisierte Zweiräder entzündete.
Die Halleiner Motorenwerke (HMW)
Die Halleiner Motorenwerke, gegründet 1948, waren ein bedeutender österreichischer Hersteller von Mopeds, Motorrädern und Hilfsmotoren. In der Nachkriegszeit spielten sie eine zentrale Rolle bei der Motorisierung der Bevölkerung. Die robusten und erschwinglichen Fahrzeuge machten HMW zu einer der bekanntesten Marken des Landes, bevor das Unternehmen in den 1960er Jahren die Produktion einstellte.
Ein Traum in Chrom zum 16. Geburtstag
Die Faszination für Motoren mündete in einem unvergesslichen Moment. Zum 16. Geburtstag erfüllten ihm seine Eltern einen lang gehegten Wunsch: Er bekam sein eigenes Moped, eine nagelneue HMW.
Ein Foto aus dieser Zeit zeigt einen stolzen jungen Mann neben seinem glänzenden Zweirad. „Das war mein Geburtstagsgeschenk“, sagt Kainzbauer und die Freude von damals ist ihm auch heute noch anzumerken. Für einen Jugendlichen in den 1950er-Jahren war ein solches Fahrzeug weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Es war ein Ticket in die Freiheit, ein Statussymbol und ein Versprechen für Unabhängigkeit.
Plötzlich war der Weg zur Schule oder zu Freunden kein mühsamer Marsch mehr. Die Welt wurde größer, neue Orte rückten in greifbare Nähe. Das Gefühl, den Fahrtwind zu spüren und selbstständig unterwegs zu sein, prägte eine ganze Generation.
Die Technik und ihre Tücken
Als technisch interessierter junger Mann kannte Egbert Kainzbauer sein Moped bis ins kleinste Detail. Er erinnert sich noch heute an die Besonderheiten der HMW-Modelle. Diese Mopeds waren für ihre Zuverlässigkeit im Flachland bekannt, doch die Salzburger Geografie stellte sie vor besondere Herausforderungen.
„Bergtauglich war eine HMW nur bedingt“, merkt Kainzbauer an. Steilere Anstiege, wie sie in und um Salzburg häufig vorkommen, brachten den kleinen Motor an seine Grenzen. Oft war kräftiges Mittreten erforderlich, um den Gipfel zu erreichen.
Diese kleinen Kämpfe mit der Technik schufen jedoch auch eine besondere Bindung zum Fahrzeug. Man lernte, auf die Geräusche des Motors zu hören, kleine Reparaturen selbst durchzuführen und die Grenzen der Maschine zu respektieren. Es war eine Zeit, in der man sein Fahrzeug noch wirklich „kannte“.
Mobilität im Wandel
In den 1950er-Jahren erlebte Österreich einen Moped-Boom. Fahrzeuge mit 50 Kubikzentimetern Hubraum waren steuerfrei und durften ohne Führerschein gefahren werden. Marken wie HMW, Puch oder Lohner machten Mobilität für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und wurden zum Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Ein Stück Salzburger Industriegeschichte
Die Erinnerungen von Egbert Kainzbauer sind nicht nur eine persönliche Geschichte, sondern auch ein Zeugnis der regionalen Wirtschaftsgeschichte. Die Halleiner Motorenwerke waren ein wichtiger Arbeitgeber und ein Aushängeschild für technische Innovation aus Salzburg.
Die Marke HMW steht für eine Ära, in der Produkte „Made in Austria“ einen exzellenten Ruf genossen. Die Mopeds aus Hallein waren auf den Straßen im ganzen Land präsent und prägten das Alltagsbild. Das Ende der Produktion in den 1960er-Jahren markierte das Ende eines wichtigen Kapitels der Salzburger Industriegeschichte.
Dass die Marke nun ein Comeback erleben könnte, weckt nicht nur bei Sammlern und Technik-Enthusiasten Interesse. Es berührt auch Menschen wie Egbert Kainzbauer, für die der Name HMW untrennbar mit den prägendsten Jahren ihres Lebens verbunden ist. Seine Geschichte zeigt, dass hinter technischen Produkten immer auch menschliche Schicksale und unvergessliche Emotionen stehen.





