In Salzburg-Gnigl sorgt der Neubau einer Kirche für Diskussionen unter den Anwohnern. Im Mittelpunkt der Debatte steht der 21 Meter hohe Glockenturm der zukünftigen Kirche „Maria Schnee“ und die Frage, wie oft und wann die Glocken läuten sollen. Ein für Freitagabend anberaumtes Bürgerforum soll nun eine gemeinsame Lösung für die Priesterbruderschaft St. Pius X. und die Nachbarschaft bringen.
Der Bau an der Schillinghofstraße ist bereits fortgeschritten, doch die Sorge vor Lärmbelästigung durch das Geläut und den Stundenschlag der Kirchturmuhr beschäftigt die Anrainer. Die Situation verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen religiöser Tradition und dem Ruhebedürfnis in einem dicht besiedelten Wohngebiet.
Das Wichtigste in Kürze
- In Salzburg-Gnigl errichtet die Priesterbruderschaft St. Pius X. die Kirche „Maria Schnee“.
- Anwohner äußern Bedenken wegen des Lärms durch den 21 Meter hohen Glockenturm.
- Ein Bürgerforum am Freitag soll einen Kompromiss zum Glockenläuten und Stundenschlag finden.
- Die Kosten für den Kirchenbau belaufen sich auf 2,1 Millionen Euro.
- Ein Gutachten zum Stundenschlag liegt bereits vor und dient als Diskussionsgrundlage.
Ein Neubau spaltet die Meinungen
An der Schillinghofstraße in Salzburg-Gnigl entsteht ein neues Gotteshaus. Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. errichtet hier die Kirche „Maria Schnee“, die Platz für etwa 70 Gläubige bieten soll. Das Projekt, das mit einem Budget von 2,1 Millionen Euro veranschlagt ist, wird maßgeblich durch den Förderverein „Salzburg und Tradition“ finanziert.
Während der Bau selbst reibungslos voranschreitet, hat ein zentrales Element des Entwurfs zu Unruhe in der Nachbarschaft geführt: der geplante 21 Meter hohe Glockenturm. Anwohner befürchten eine erhebliche Lärmbelästigung durch das regelmäßige Glockenläuten und den Stundenschlag.
Die Sorgen der Anrainer
Die Hauptsorge der Anwohner ist die potenzielle Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. In einem etablierten Wohngebiet, in dem viele Menschen seit Jahren oder Jahrzehnten leben, wird die Einführung einer neuen, regelmäßigen Lärmquelle kritisch gesehen. „Wir haben nichts gegen die Kirche an sich“, erklärt ein Anwohner, der anonym bleiben möchte, „aber ein stündlicher Glockenschlag, auch in der Nacht, wäre eine massive Belastung.“
Diese Bedenken sind nicht unbegründet. Lärmemissionen sind in städtischen Gebieten ein sensibles Thema, das oft zu Konflikten zwischen verschiedenen Interessengruppen führt. Die Frage ist, wie die traditionelle Funktion einer Kirchenglocke mit den modernen Ansprüchen an Ruhe und Erholung in Einklang gebracht werden kann.
Wer ist die Priesterbruderschaft St. Pius X.?
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) ist eine traditionalistische katholische Gemeinschaft, die 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet wurde. Sie hält an der Liturgie und Lehre der katholischen Kirche fest, wie sie vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) praktiziert wurden. Ihr kirchenrechtlicher Status innerhalb der römisch-katholischen Kirche ist komplex und war Gegenstand langer Verhandlungen mit dem Vatikan.
Suche nach einem Kompromiss
Um die Wogen zu glätten und eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden, wurde ein Bürgerforum einberufen. Dieses Treffen, das am Freitagabend stattfinden soll, bietet Anwohnern, Vertretern der Priesterbruderschaft und der Stadtverwaltung die Möglichkeit, ihre Standpunkte darzulegen und gemeinsam nach einem Kompromiss zu suchen.
Die zentrale Frage wird sein: Wann und wie oft sollen die Glocken läuten? Die Diskussionen werden sich voraussichtlich auf folgende Punkte konzentrieren:
- Der Stundenschlag: Soll die Uhrzeit rund um die Uhr geschlagen werden oder gibt es eine nächtliche Ruhephase?
- Das liturgische Läuten: Wie oft wird zu Gottesdiensten oder anderen kirchlichen Anlässen geläutet?
- Die Lautstärke: Kann die Lautstärke der Glocken angepasst werden, um die Belastung für die direkte Nachbarschaft zu minimieren?
Die Bereitschaft beider Seiten, aufeinander zuzugehen, wird entscheidend für den Erfolg des Forums sein.
Zahlen und Fakten zum Projekt
- Projektname: Kirche Maria Schnee
- Bauherr: Priesterbruderschaft St. Pius X.
- Standort: Schillinghofstraße, Salzburg-Gnigl
- Turmhöhe: 21 Meter
- Kapazität: ca. 70 Gläubige
- Baukosten: 2,1 Millionen Euro
Ein Gutachten als Grundlage
Die Debatte wird nicht ohne faktenbasierte Grundlage geführt. Bereits im Vorfeld wurde ein Gutachten zum Thema Stundenschlag eingeholt. Dieses Lärmgutachten analysiert die zu erwartende Schallimmission in der Umgebung des Kirchturms und bewertet sie anhand gesetzlicher Grenzwerte.
Die Ergebnisse dieses Gutachtens werden eine zentrale Rolle in der Diskussion spielen. Es liefert objektive Daten, die helfen können, die emotionale Debatte zu versachlichen. Es wird erwartet, dass die Expertenempfehlungen als Basis für eine mögliche Einigung dienen, beispielsweise durch die Festlegung von Sperrzeiten für den Stundenschlag während der Nachtstunden.
Ein Präzedenzfall für Salzburg?
Der Konflikt in Gnigl ist kein Einzelfall. In vielen Städten und Gemeinden in Österreich und Europa kommt es immer wieder zu ähnlichen Auseinandersetzungen, wenn es um Kirchenglocken geht. Einerseits sind sie ein tief verwurzelter Teil des kulturellen und religiösen Erbes, andererseits hat sich das gesellschaftliche Bewusstsein für Lärmschutz stark verändert.
„Es geht darum, eine Balance zu finden zwischen dem Recht auf freie Religionsausübung und dem Recht der Anwohner auf Ruhe. Wir sind zuversichtlich, dass wir im Dialog eine gute Lösung für Gnigl erarbeiten können“, so ein Sprecher der Stadtplanung.
Die Ergebnisse des Bürgerforums in Gnigl könnten daher auch für zukünftige Bauprojekte in Salzburg von Bedeutung sein. Sie zeigen, wie wichtig eine frühzeitige und transparente Kommunikation mit den Anwohnern ist, um Konflikte zu vermeiden oder konstruktiv zu lösen.
Alle Augen sind nun auf den Freitagabend gerichtet. Die Hoffnung ist groß, dass das direkte Gespräch zwischen den Beteiligten zu einem Kompromiss führt, der das neue Gotteshaus zu einem harmonischen Teil der Nachbarschaft werden lässt – mit Glocken, die rufen, ohne zu stören.





