Im Salzburger Stadtteil Gnigl sorgt der Neubau einer Kirche für Diskussionen. Bauherr ist ein Verein von Freunden der Priesterbruderschaft St. Pius X., einer traditionalistischen Gruppierung, die kirchenrechtlich nicht von der Erzdiözese Salzburg anerkannt ist. Während das Bauprojekt von der Stadt genehmigt wurde, äußern sich die offizielle katholische Kirche zurückhaltend und Anrainer besorgt.
Das Wichtigste in Kürze
- In Salzburg-Gnigl errichtet die Piusbruderschaft eine neue Kirche, ihre dritte in Österreich.
- Die Erzdiözese Salzburg wurde nicht um Zustimmung ersucht, was kirchenrechtlich vorgesehen wäre.
- Der Gemeinderat der Stadt Salzburg hat den Bau, inklusive eines Glockenturms, einstimmig genehmigt.
- Anrainer befürchten Lärmbelästigung durch Glockengeläut und kritisieren die Informationspolitik der Stadt.
Ein Bauprojekt spaltet die Meinungen
Ein neues Kirchengebäude im Stadtteil Gnigl ist zum Gegenstand lokaler Debatten geworden. Der Bauherr, ein Verein, der der Priesterbruderschaft St. Pius X. nahesteht, realisiert das Projekt auf einem Grundstück, das sich seit 35 Jahren im Besitz des Vereins befindet. Bisher befand sich dort eine kleine Kapelle in einem Privathaus.
Der Neubau stellt eine deutliche Vergrößerung dar und umfasst auch einen Glockenturm. Die Finanzierung erfolgt größtenteils durch Spenden. Für die Gemeinschaft der Piusbrüder in Salzburg, die laut eigenen Angaben rund 70 Mitglieder zählt, soll hier ein neues geistliches Zentrum entstehen.
Wer ist die Piusbruderschaft?
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) ist eine traditionalistische katholische Gemeinschaft. Sie wurde 1970 gegründet und lehnt wesentliche Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ab. Dazu gehören die Liturgiereform, der Dialog mit anderen Religionen und die Kollegialität der Bischöfe. Ihre Messen werden weiterhin in lateinischer Sprache gefeiert. Aus Sicht des Vatikans befindet sich die Bruderschaft in einer kirchenrechtlich irregulären Situation.
Offizielle Kirche distanziert sich
Die Erzdiözese Salzburg zeigt sich von dem Bauvorhaben unberührt, aber distanziert. Ein Sprecher betonte, dass für den Bau einer katholischen Kirche laut Kirchenrecht die Zustimmung des zuständigen Bischofs erforderlich sei. Diese wurde im Fall des Projekts in Gnigl jedoch nicht eingeholt.
Dieser Umstand unterstreicht die Trennung zwischen der Piusbruderschaft und der offiziellen römisch-katholischen Kirche. Obwohl sich die Bruderschaft selbst als Teil der Kirche sieht, agiert sie unabhängig von der diözesanen Hierarchie.
Baurecht und Kirchenrecht
Die städtische Baubehörde prüft Projekte ausschließlich nach baurechtlichen Vorschriften. Kirchliche Genehmigungen spielen dabei keine Rolle. Der Gemeinderat der Stadt Salzburg hat den Bauantrag daher einstimmig bewilligt, da alle gesetzlichen Auflagen erfüllt wurden.
Sorgen in der Nachbarschaft
Während die politischen und kirchlichen Diskussionen auf einer Ebene stattfinden, haben die direkten Anrainer ganz praktische Sorgen. Im Mittelpunkt der Kritik steht der geplante Glockenturm. Anrainer Horst Schafhauser kritisiert, dass nur die unmittelbaren Hauseigentümer über das Bauvorhaben informiert wurden, nicht aber die zahlreichen Mieter in der Umgebung.
„Viele waren überrascht, als hier plötzlich eine Kirche gebaut wurde“, so Schafhauser. Die größte Befürchtung ist die mögliche Lärmbelästigung durch Glockengeläut. „Man hat eine Wertminderung, wenn hier oft ein Geläut ist“, argumentiert er. Einige Nachbarn haben bereits juristischen Rat eingeholt und schließen eine Klage nicht aus, sollte es zu regelmäßigem Glockenläuten kommen.
„Es geht darum, dass wir für den lieben Gott ein schönes Zuhause machen.“
Bauherren wollen beschwichtigen
Markus Buchmaier, Priester der Piusbruderschaft und Bauherr des Projekts, versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Er betont, man sei den Nachbarn bereits entgegengekommen. Sollten in zwei bis drei Jahren tatsächlich Glocken installiert werden, sei kein stündliches Läuten geplant.
Vorgesehen sei lediglich ein Geläut zu Mittag, am Abend und zu den Messen an Sonntagen. Auch Parkplatzprobleme durch Kirchenbesucher seien nicht zu erwarten, da die Gemeinde relativ klein sei. „Ich vermute nicht, dass uns alle hier die Türen einlaufen“, erklärt Buchmaier. Das primäre Ziel sei es, „für den lieben Gott ein schönes Zuhause“ zu schaffen.
Ein Dialog steht noch aus
Die Situation in Gnigl zeigt ein Spannungsfeld zwischen Baurecht, Religionsfreiheit, kirchlichen Strukturen und den Interessen der Anwohner. Ob die Glocken im neuen Turm jemals läuten werden und wie sich das Verhältnis zur Nachbarschaft entwickelt, bleibt abzuwarten. Die Baubehörde erklärte, dass die Genehmigung für das Läuten von Glocken nicht in ihre Zuständigkeit falle; dies wäre eine separate Angelegenheit, die bei Lärmbeschwerden relevant werden könnte.





