Die jüngsten Diskussionen um das Schloss Goldenstein werfen ein Licht auf eine oft übersehene Frage: Wie sorgen Salzburgs Klöster für ihre älteren Mitglieder? Während einige Orden auf moderne Pflegemodelle setzen, pflegen andere ihre Brüder und Schwestern bis zum Lebensende in den eigenen Mauern – eine Tradition, die vor neuen Herausforderungen steht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Versorgung älterer Ordensmitglieder wird in den Salzburger Klöstern unterschiedlich gehandhabt.
- Viele Orden betrachten die Pflege als gemeinschaftliche Aufgabe und Verpflichtung bis zum Tod.
- Externe Hilfe und professionelle Pflegedienste werden zunehmend integriert, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden.
- Die Pallottiner am Mönchsberg zeigen beispielhaft, wie die letzte Ruhestätte innerhalb der Klostergemeinschaft einen zentralen Stellenwert einnimmt.
Ein Bund für das Leben
In den stillen Gärten und alten Mauern der Salzburger Klöster findet ein Versprechen seine Erfüllung, das weit über das aktive Arbeitsleben hinausgeht. Wer in eine Ordensgemeinschaft eintritt, tut dies auf Lebenszeit. Das bedeutet auch, dass die Gemeinschaft die Verantwortung für ihre Mitglieder im Alter und bei Krankheit übernimmt. Diese lebenslange Fürsorge ist ein zentraler Pfeiler des Ordenslebens.
Die Debatte um die Augustiner-Chorfrauen auf Schloss Goldenstein hat dieses Thema unerwartet in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Sie hat eine breitere Diskussion darüber angestoßen, wie die verschiedenen Orden in der Region mit den Herausforderungen der Altenpflege umgehen. Die Ansätze sind dabei so vielfältig wie die Gemeinschaften selbst.
Tradition trifft auf moderne Pflege
Viele Klöster halten an der Tradition fest, ihre älteren und pflegebedürftigen Mitglieder innerhalb der eigenen Gemeinschaft zu versorgen. Jüngere Brüder oder Schwestern übernehmen oft die Pflegeaufgaben, unterstützt von externen Fachkräften, wenn der Bedarf die internen Möglichkeiten übersteigt. Dieser Ansatz stärkt den Zusammenhalt, stößt aber angesichts des demografischen Wandels und des Mangels an Nachwuchs auch an seine Grenzen.
Andere Gemeinschaften haben eigene Kranken- oder Pflegestationen eingerichtet, die professionell geführt werden. Sie gewährleisten eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau, während die spirituelle und soziale Einbindung in die Gemeinschaft erhalten bleibt. Dies erfordert jedoch erhebliche finanzielle und organisatorische Ressourcen.
Hintergrund: Das Ordensleben
Das Leben in einem Kloster ist durch die drei evangelischen Räte geprägt: Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Die Mitglieder verpflichten sich zu einem Leben in der Gemeinschaft, das von Gebet und Arbeit bestimmt ist. Die Sorge füreinander, besonders für die Alten und Kranken, ist ein fundamentaler Ausdruck dieses Gemeinschaftslebens.
Das Beispiel der Pallottiner am Mönchsberg
Ein eindrückliches Beispiel für die tiefe Verbundenheit über den Tod hinaus findet sich im Johannesschlössl auf dem Salzburger Mönchsberg. Hier leben und wirken die Pallottiner. Im hinteren Teil des malerischen Gartens, etwas versteckt hinter Sträuchern, liegt die letzte Ruhestätte der Gemeinschaft.
Die Gruft wurde bereits 1947 errichtet und ist seither der Ort, an dem die verstorbenen Brüder beigesetzt werden. Pater Alois Schwarzfischer und seine Mitbrüder pflegen diesen Ort mit großer Sorgfalt. Bunte Blumen schmücken die Grabstätte, die ein stilles Zeugnis der ewigen Gemeinschaft ablegt. Für die Pallottiner ist es selbstverständlich, dass ihre Mitglieder auch nach dem Tod Teil der Gemeinschaft bleiben und ihren Platz auf dem Klostergelände finden.
Zahlen und Fakten
- 13 Gräber: Die Gruft der Pallottiner auf dem Mönchsberg ist die letzte Ruhestätte für insgesamt 13 verstorbene Mitglieder der Gemeinschaft.
- Gründung 1947: Die Grabstätte wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt und symbolisiert die Kontinuität der Gemeinschaft.
Herausforderungen der Zukunft
Die Pflege im Alter stellt alle Ordensgemeinschaften vor große Herausforderungen. Die steigende Lebenserwartung und die Zunahme komplexer Krankheitsbilder erfordern ein hohes Maß an pflegerischer Kompetenz. Gleichzeitig sinkt in vielen Orden die Zahl der Mitglieder, was die interne Versorgung erschwert.
Folgende Punkte sind dabei zentral:
- Fachkräftemangel: Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Pflegepersonal zu finden, das bereit ist, in einem klösterlichen Umfeld zu arbeiten.
- Finanzierung: Die Kosten für professionelle Pflege, medizinische Hilfsmittel und barrierefreie Umbauten sind eine erhebliche finanzielle Belastung.
- Nachwuchsmangel: Weniger junge Menschen treten in die Orden ein, wodurch die Zahl derer, die Pflegeaufgaben übernehmen könnten, abnimmt.
„Die Sorge für unsere alten und kranken Mitbrüder und Mitschwestern ist kein Dienst, sondern ein Ausdruck unserer Berufung und unserer Gemeinschaft. Es ist die letzte und vielleicht wichtigste Aufgabe, die wir füreinander haben.“
Unterschiedliche Lösungswege
Angesichts dieser Herausforderungen entwickeln die Klöster kreative und pragmatische Lösungen. Einige kooperieren eng mit kirchlichen oder weltlichen Pflegediensten. Andere gründen Kooperationen zwischen verschiedenen Orden, um Ressourcen zu bündeln und gemeinsame Pflegeeinrichtungen zu betreiben.
In manchen Fällen ist auch die Unterbringung in einem externen Pflegeheim die einzige Möglichkeit, eine adäquate Versorgung sicherzustellen. Dies ist oft ein schwerer Schritt, sowohl für das betroffene Ordensmitglied als auch für die Gemeinschaft. Der Kontakt wird jedoch intensiv aufrechterhalten, um die spirituelle Anbindung nicht abreißen zu lassen.
Die Diskussionen, die durch die Causa Goldenstein angestoßen wurden, sind daher von großer Bedeutung. Sie zwingen die Ordensgemeinschaften und die Gesellschaft, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie ein würdevolles Altern in einer sich wandelnden Welt gewährleistet werden kann – ein Thema, das weit über die Klostermauern hinaus Relevanz besitzt.





