Das traditionsreiche Gasthaus „Salzburgblick“ am Ulrichshögl bei Ainring hat seinen Betrieb dauerhaft eingestellt. Inhaber Johann Berger traf die Entscheidung nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern aufgrund wiederholter Konflikte mit Anwohnern, die bei Feierlichkeiten regelmäßig die Polizei alarmierten. Anstelle des Restaurants entstehen nun Apartments.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Gasthaus „Salzburgblick“ wurde nach zahlreichen Beschwerden von Anwohnern geschlossen.
- Bei 16 Hochzeitsfeiern wurde 13 Mal die Polizei wegen angeblicher Ruhestörung gerufen.
- Inhaber Johann Berger investierte 2022 in eine komplette Renovierung des Betriebs.
- Das ehemalige Gasthaus wird nun in Apartments für Gäste und Mitarbeiter umgebaut.
Das Ende einer gastronomischen Ära
Für viele Einheimische und Gäste war es eine feste Institution mit einer der schönsten Aussichten der Region: das Gasthaus „Salzburgblick“ am Ulrichshögl. Doch seit Herbst 2024 sind die Türen geschlossen. Der Inhaber, Johann Berger, ein Gastwirt in dritter Generation, sah sich zu diesem Schritt gezwungen.
„Ich hätte gerne weitergemacht, denn es gibt nichts Schöneres, als Gastwirt zu sein“, erklärt Berger. Der Betrieb sei gut gelaufen, besonders als Veranstaltungsort für Hochzeiten. Die Schließung sei keine wirtschaftliche Notwendigkeit gewesen, sondern das Ergebnis einer zermürbenden Situation.
Eine Familie mit langer Tradition
Die Familie Berger ist tief in der regionalen Gastronomie verwurzelt. Johann Bergers Großvater war der erste Wirt in Ainring. Seine Eltern erwarben den „Salzburgblick“ im Jahr 1996. Bereits 2010 stieß sein Vater auf Widerstand, als er das beliebte Panoramarestaurant anbauen ließ – ein Vorzeichen der späteren Konflikte.
Konflikte eskalierten bei Feierlichkeiten
Nachdem Berger den Betrieb 2020 übernommen und 2022 umfassend renoviert hatte, positionierte er das Gasthaus erfolgreich als Ort für Feiern, insbesondere für Hochzeiten. „Wir waren fast jeden Samstag ausgebucht“, berichtet er. Doch mit dem Erfolg kamen die Probleme.
Immer wieder riefen Anwohner die Polizei wegen Lärmbelästigung. Laut Berger geschah dies oft schon vor der gesetzlichen Nachtruhe um 22 Uhr. „Selbst als nur Gitarre gespielt wurde, stand die Polizei wieder da. Das fühlte sich wie Schikane an“, so der Gastwirt.
Statistik der Störungen
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems: Bei insgesamt 16 Hochzeitsfeiern wurde 13 Mal die Polizei zum „Salzburgblick“ gerufen. Dieser Umstand belastete nicht nur den Betrieb, sondern auch die feiernden Gäste.
Berger und sein Team unternahmen zahlreiche Versuche, die Situation zu deeskalieren. Sie forderten die Gäste auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten, brachten Hinweisschilder an und überprüften die Lautstärke sogar mit einem Dezibelmessgerät. „Meine Mitarbeiter haben wie Sheriffs darauf geachtet, dass ab 22 Uhr Ruhe ist“, beschreibt er die Maßnahmen.
„Da habe ich gemerkt: Wir sind hier nicht erwünscht, egal was wir tun.“
- Johann Berger, Inhaber
Trotz aller Bemühungen ließen sich die Polizeieinsätze nicht verhindern. Für Berger war dies der ausschlaggebende Punkt, den Betrieb aufzugeben. „Ich habe fünf Betriebe und über 100 Mitarbeiter. Ich habe nicht die Kraft, mich jeden Samstagabend mit der Polizei zu beschäftigen.“
Umbau statt Restaurantbetrieb
Die Entscheidung, das Gasthaus zu schließen, fiel Berger sichtlich schwer. Besonders der Gedanke an die Arbeit seines Vaters, der viel Energie in den Standort investiert hatte, schmerzt ihn. „Das tut mir im Herzen weh, dass es hier keine Gastronomie mehr gibt“, sagt der 33-Jährige.
Die hohen Investitionen aus der Renovierung im Jahr 2022 sind verloren. „Das Geld ist weg, aber wenn man keine Zukunft hat, muss man gehen.“ Der Bauausschuss in Ainring hat einer Bauvoranfrage zur Umnutzung bereits zugestimmt. Anstelle des Restaurants und der Gaststube sollen nun Apartments für Gäste und Mitarbeiter entstehen. Der Baubeginn ist für Mai 2026 geplant.
Blick in die Zukunft
Berger kritisiert, dass er von der örtlichen Politik keine Unterstützung erfahren habe. Ihm sei stattdessen nahegelegt worden, den Betrieb einzustellen, um das „Problem mit der Polizei loszuwerden“. Er merkt an, dass das Gasthaus schon lange vor den heutigen Anwohnern existierte.
Trotz des Rückschlags blickt der Unternehmer optimistisch nach vorne. Er konzentriert sich nun auf seine anderen vier Betriebe, darunter der Rupertihof in Ainring und der Klosterwirt am Höglwörther See. Die fünf Mitarbeiter des „Salzburgblick“ konnten in den anderen Häusern weiterbeschäftigt werden.
Sorgen vor neuen Problemen mit den Anwohnern hat er nicht. „Sie haben erreicht, was sie wollten“, meint er. „Eigentlich habe ich ihnen das größte Geschenk gemacht: So viel Ruhe gab es dort oben schon lange nicht mehr.“





