In seiner gemütlichen Küche in Adnet, bei Kaffee und Lebkuchen, teilt eine Salzburger Volksmusik-Legende ihre Lebensweisheit: Leopold „Poidl“ Breinlinger ist überzeugt, dass gemeinsames Singen nicht nur eine schöne Tradition ist, sondern auch eine tiefgreifende, friedensstiftende Kraft besitzt. Für ihn ist die Sache klar: Wer singt, streitet nicht.
Gerade in der Weihnachtszeit, wenn Familien zusammenkommen, zeigt sich die besondere Magie der Musik. Doch die positive Wirkung des Singens reicht weit über die Feiertage hinaus und ist ein wichtiger Teil des sozialen Miteinanders, wie der erfahrene Musiker erklärt.
Das Wichtigste in Kürze
- Leopold „Poidl“ Breinlinger, eine Ikone der Salzburger Volksmusik, sieht im Singen ein Mittel zur Konfliktlösung und zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls.
- Singen wird oft in der Familie erlernt und weitergegeben, was die besondere Harmonie, etwa bei Geschwistern, erklärt.
- Gemeinsames Musizieren fördert laut Breinlinger Nähe und Verständnis und kann Spannungen abbauen.
- Als Teil des „Almbach-Dreigesangs“ lebt er diese Tradition aktiv mit seiner Familie und Freunden.
Die friedensstiftende Kraft der Musik
„Wenn man miteinander singt, kann man nicht miteinander streiten“, sagt Leopold Breinlinger mit einem Lächeln. Dieser einfache Satz fasst seine jahrzehntelange Erfahrung mit der Volksmusik zusammen. Für ihn ist das gemeinsame Musizieren mehr als nur Unterhaltung; es ist ein Akt der Gemeinschaft, der Menschen auf einer emotionalen Ebene verbindet.
Wenn Stimmen zu einer Harmonie verschmelzen, erfordert das Zuhören, Anpassung und ein gemeinsames Ziel. Diese Elemente, so Breinlinger, lassen für Konflikte kaum Platz. Man konzentriert sich auf den gemeinsamen Klang und die Melodie, nicht auf Meinungsverschiedenheiten.
Besonders in einer Zeit, in der die Gesellschaft oft als gespalten wahrgenommen wird, sieht der Adneter Musiker im Singen ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug, um Brücken zu bauen und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen.
Singen beginnt in der Familie
Die Vorstellung von der Familie, die am Weihnachtsabend unter dem Christbaum Lieder anstimmt, ist für viele ein Inbegriff von Geborgenheit. Laut Breinlinger ist das kein Zufall. „Das Singen lernt man in der Familie“, erklärt er. Hier werden die ersten Melodien gehört, die ersten Texte gelernt und die Freude an der Musik entdeckt.
Diese frühe Prägung hat einen besonderen Effekt, der sich oft im Klangbild zeigt. Es ist kein Geheimnis, dass die Stimmen von Geschwistern oft außergewöhnlich gut harmonieren. Breinlinger hat dafür eine einfache Erklärung.
„Geschwister wachsen mit den gleichen Klangfarben in den Stimmen ihrer Eltern auf. Ihre Stimmen sind sich von Natur aus ähnlich, und sie lernen unbewusst, sich aneinander anzupassen. Das schafft eine ganz besondere, fast intuitive Harmonie.“
Er selbst lebt diese Tradition aktiv. Als Teil des bekannten „Almbach-Dreigesangs“ musiziert er gemeinsam mit seiner Tochter, der „Hoagascht“-Moderatorin Christina Ömmer, und Magdalena Gschwandtner. Die Gruppe ist ein Paradebeispiel dafür, wie Musik Generationen und Freundschaften verbindet.
Was ist ein „Dreigesang“?
Der Dreigesang ist eine traditionelle Form des mehrstimmigen Gesangs im alpenländischen Raum. Typischerweise besteht er aus drei Stimmen, die sich harmonisch ergänzen. Oft handelt es sich um eine Melodiestimme, die von einer Ober- und einer Unterstimme begleitet wird. Diese Gesangsform ist ein zentraler Bestandteil der authentischen Volksmusik und wird häufig bei geselligen Anlässen und Feiern gepflegt.
Eine Lebensaufgabe für die Volkskultur
Leopold Breinlinger, von allen nur „Poidl“ genannt, ist mehr als nur ein Musiker. Er ist ein Bewahrer und Vermittler von Kulturgut. Seit Jahrzehnten sammelt, lehrt und lebt er die Volkslieder seiner Heimat. Sein Wissen und seine Leidenschaft haben unzählige Menschen inspiriert und dazu beigetragen, dass alte Weisen nicht in Vergessenheit geraten.
Für ihn ist die Volksmusik ein lebendiger Ausdruck der regionalen Identität. Jedes Lied erzählt eine Geschichte über das Leben, die Liebe, die Arbeit und die Natur in der Region. Diese Geschichten durch Gesang weiterzugeben, ist für ihn eine Herzensangelegenheit.
Wissenschaftliche Studien bestätigen, was Leopold Breinlinger aus Erfahrung weiß: Gemeinsames Singen hat positive Auswirkungen auf die Psyche. Dabei werden Hormone wie Oxytocin freigesetzt, das als „Kuschelhormon“ bekannt ist und soziale Bindungen stärkt. Gleichzeitig wird das Stresshormon Cortisol reduziert, was zu Entspannung und einem Gefühl des Wohlbefindens führt.
Ein Appell für mehr gemeinsames Musizieren
In einer Welt, die immer digitaler und oft auch anonymer wird, plädiert Breinlinger dafür, sich wieder auf die einfachen Dinge zu besinnen. Das gemeinsame Singen sei eine dieser einfachen, aber ungemein wertvollen Aktivitäten.
Er ermutigt Familien, wieder öfter zusammen zu singen – nicht nur an Weihnachten. Es gehe nicht um Perfektion, sondern um die Freude am gemeinsamen Tun. „Jeder kann singen“, ist er überzeugt. Man müsse sich nur trauen und den ersten Schritt machen.
Die Botschaft aus der kleinen Küche in Adnet ist klar und universell: Musik verbindet, schafft Nähe und macht das Leben reicher. Ein Gedanke, der gerade in der heutigen Zeit von unschätzbarem Wert ist.





