Der aus dem Lungau stammende Bariton Rafael Fingerlos kehrt für eine besondere Aufführung nach Salzburg zurück. Gemeinsam mit dem Mozarteumorchester Salzburg präsentiert der 39-jährige Sänger im Großen Festspielhaus eine seltene Orchesterfassung von Johannes Brahms' „Vier ernsten Gesängen“. Diese Sonntagsmatinee markiert für ihn eine persönliche Heimkehr und unterstreicht seine tiefe Verbindung zur Salzburger Musikszene.
Neben seinen internationalen Auftritten übernimmt Fingerlos in diesem Sommer eine neue, gestaltende Rolle. Als musikalischer Leiter der Salzkammergut Festwochen Gmunden plant er, traditionelle Genregrenzen aufzubrechen und das klassische Kunstlied mit modernen Liedermachern zu verbinden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Salzburger Bariton Rafael Fingerlos tritt im Großen Festspielhaus mit dem Mozarteumorchester auf.
- Auf dem Programm steht die Orchesterfassung von Johannes Brahms' „Vier ernsten Gesängen“, arrangiert von Detlev Glanert.
- Fingerlos beschreibt Auftritte mit dem Mozarteumorchester als eine „Heimkehr“.
- Als neuer Musikchef der Salzkammergut Festwochen Gmunden will er das Kunstlied neu positionieren und für ein breiteres Publikum öffnen.
Ein Heimspiel mit ernsten Tönen
Im Großen Festspielhaus in Salzburg fanden die Proben für eine musikalische Darbietung statt, die sich intensiv mit dem Thema Tod auseinandersetzt. Im Zentrum steht Rafael Fingerlos, ein Bariton, dessen Karriere ihn auf die großen Bühnen der Welt geführt hat, der aber seine Wurzeln im Salzburger Lungau hat. Für die Sonntagsmatinee hat er sich ein anspruchsvolles Werk ausgesucht: die „Vier ernsten Gesänge“ von Johannes Brahms.
Normalerweise werden diese Lieder nur mit Klavierbegleitung aufgeführt. In Salzburg erklingt jedoch eine Fassung für großes Orchester, die der Komponist Detlev Glanert geschaffen hat. Diese Version verleiht der Musik eine neue Dimension und stellt hohe Anforderungen an alle Beteiligten. „Es ist typisch Brahms“, erklärt Fingerlos. „Er schreibt den Solopart über zwei Oktaven, bis hinab zum tiefen F.“
Die musikalische Leitung hat der lettische Dirigent Andris Poga inne, der präzise und einfühlsam mit dem Mozarteumorchester arbeitet. Er fordert von den Musikern spezielle Klangfarben und Stimmungen ein, um die emotionale Tiefe der Komposition voll zur Geltung zu bringen. Die Zusammenarbeit zwischen Poga und Fingerlos wirkt vertraut und eingespielt. „Andris und ich haben diese Fassung bereits in Riga aufgeführt“, bestätigt der Sänger.
Eine langjährige Verbindung zu Salzburg
Für Rafael Fingerlos ist die Zusammenarbeit mit dem Mozarteumorchester mehr als nur ein weiterer Auftritt. Es ist eine Rückkehr zu seinen musikalischen Anfängen und ein Wiedersehen mit Wegbegleitern. Seine Beziehung zum Orchester begann bereits 2015 im Rahmen des „Young Singers Project“ der Salzburger Festspiele, einem Programm, das jungen Talenten den Weg in die internationale Musikwelt ebnet.
Das Young Singers Project
Das Young Singers Project ist eine renommierte Initiative der Salzburger Festspiele, die 2008 ins Leben gerufen wurde. Es bietet hochbegabten jungen Sängerinnen und Sängern die Möglichkeit, mit Festspielkünstlern zu arbeiten, Meisterkurse zu besuchen und in Produktionen der Festspiele aufzutreten. Für viele, wie auch für Rafael Fingerlos, dient es als entscheidendes Karrieresprungbrett.
Seitdem hat Fingerlos immer wieder mit dem Orchester zusammengearbeitet, sei es bei der Mozartwoche oder für CD-Aufnahmen. Erst Anfang Februar stand er mit den Musikerinnen und Musikern für eine Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ auf der Bühne. Diese kontinuierliche Zusammenarbeit hat eine starke Bindung geschaffen.
„Das Mozarteumorchester bedeutet für mich immer eine Heimkehr.“
Diese Aussage unterstreicht die besondere emotionale Bedeutung, die solche Konzerte in seiner Heimatstadt für den international gefragten Künstler haben. Es ist die Verbindung von professioneller Exzellenz und persönlicher Geschichte, die diese Auftritte auszeichnet.
Neue Wege als musikalischer Leiter in Gmunden
Neben seiner Karriere als Sänger stellt sich Rafael Fingerlos einer neuen Herausforderung. Im Sommer übernimmt er die musikalische Leitung der Salzkammergut Festwochen Gmunden. Hier möchte er seine Vision von einer lebendigen und zugänglichen Musikkultur verwirklichen und insbesondere dem Liedgesang einen besonderen Stellenwert einräumen.
Sein Ziel ist es, veraltete Trennungen zwischen verschiedenen Musikstilen zu überwinden. „Ich will Genregrenzen aufbrechen“, kündigt Fingerlos an. In seinem Programmkonzept sollen das Kunstlied von Komponisten wie Franz Schubert und Hugo Wolf gleichberechtigt neben den Werken heutiger Liedermacher stehen. Geplant sind Auftritte von Künstlern wie Ernst Molden und der ebenfalls aus Salzburg stammenden Sängerin Anna Buchegger.
Geplante Formate in Gmunden
- Dreitägiges Liedfest: Eine konzentrierte Veranstaltung im Stadttheater Gmunden, die dem Lied in all seinen Facetten gewidmet ist.
- Open-Air „Her Stage“: Ein Format unter freiem Himmel, das ausschließlich schöpferischen Frauen eine Bühne bietet und ihre künstlerische Arbeit in den Fokus rückt.
Mit diesen Initiativen knüpft Fingerlos an frühere Projekte an, mit denen er bereits erfolgreich Musik zu den Menschen gebracht hat, wie etwa „Oper im Lungau“ oder „Schubert und die Volksmusik“. Sein zentrales Anliegen bleibt dasselbe: „Es geht darum, Musik zu den Menschen zu bringen.“ Er möchte zeigen, dass das Lied eine relevante und berührende Kunstform ist, die ein breites Publikum ansprechen kann, wenn sie modern und offen präsentiert wird.
Brahms' Gesänge als Brücke ins Heute
Die Orchesterfassung von Detlev Glanert, die in Salzburg zur Aufführung kommt, ist mehr als nur eine klangliche Erweiterung. Glanert fügt eigene Übermalungen und Zwischenspiele hinzu, die eine musikalische Brücke vom 19. Jahrhundert in die Gegenwart schlagen. Diese moderne Interpretation eines romantischen Meisterwerks passt gut zu Fingerlos' künstlerischem Ansatz, Tradition und Innovation zu verbinden.
Die „Vier ernsten Gesänge“ selbst, komponiert im Angesicht des nahenden Todes von Clara Schumann, sind ein tiefgründiges Werk. Brahms vertont darin Bibeltexte, die sich mit der Vergänglichkeit des Lebens und der Hoffnung auf Erlösung beschäftigen. Besonders im dritten Lied, „O Tod, wie bitter bist du“, wird die Ambivalenz des Todes – sein Schrecken und seine tröstliche Seite – eindrücklich in Musik gefasst.
Die Aufführung im Großen Festspielhaus bietet dem Publikum die seltene Gelegenheit, dieses intime Werk in einem symphonischen Gewand zu erleben. Die Kombination aus Fingerlos' lyrisch fundierter Baritonstimme, der differenzierten Orchesterarbeit unter Andris Poga und der klanglichen Weite des Festspielhauses verspricht ein Konzerterlebnis von besonderer Intensität.





