Nach der Lockerung der strengen Kreditvergaberichtlinien vor rund einem halben Jahr verzeichnet der Salzburger Finanz- und Bausektor eine spürbare Belebung. Banken berichten von einer Verdopplung der Kreditanfragen, was auch der Bauwirtschaft Hoffnung auf eine Trendwende nach einer schwierigen Phase gibt.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Kreditanfragen in Salzburg haben sich seit der Lockerung der KIM-Verordnung verdoppelt.
- Die strenge Verordnung hatte den Wohnbau und die Kreditvergabe seit 2022 stark gebremst.
- Experten erwarten eine zeitverzögerte Erholung auf den Baustellen, voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte 2026.
- Der massive Anstieg der Zinsen bleibt weiterhin eine Herausforderung für Kreditnehmer.
Kreditnachfrage verdoppelt sich in wenigen Monaten
Die Salzburger Banken erleben derzeit einen Ansturm, der noch vor einem Jahr undenkbar schien. Seit dem Wegfall der strengen Kreditvergaberichtlinien, bekannt als KIM-Verordnung, ist die Nachfrage nach Finanzierungen regelrecht in die Höhe geschnellt. Diese Entwicklung markiert eine deutliche Wende nach einer langen Durststrecke für den regionalen Kreditmarkt.
Manfred Quehenberger vom Raiffeisenverband Salzburg bestätigt diesen Trend mit konkreten Zahlen. „Wir sehen jetzt wirklich einen deutlichen Anstieg an Anfragen“, erklärt er. Ein Vergleich der zweiten Jahreshälfte 2024 mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zeigt eine Verdopplung des Geschäftes. Dieser Zuwachs signalisiert, dass viele potenzielle Kreditnehmer ihre Pläne nur aufgeschoben hatten und nun die verbesserten Rahmenbedingungen nutzen.
Hintergrund: Die KIM-Verordnung
Die Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung (KIM-V) wurde eingeführt, um eine Überhitzung des Immobilienmarktes zu verhindern und die Stabilität des Finanzsystems zu sichern. Sie legte strenge Kriterien für die Vergabe von Immobilienkrediten fest, darunter eine maximale Beleihungsquote von 90 %, eine maximale Schuldendienstquote von 40 % des Nettoeinkommens und eine maximale Laufzeit von 35 Jahren. Diese Maßnahmen machten es für viele, insbesondere junge Familien, schwierig, eine Finanzierung zu erhalten.
Auswirkungen auf den Wohnbau
Die Krise im Kreditgeschäft hatte direkte und gravierende Folgen für die Salzburger Bauwirtschaft. Der Markt für Wohnbau war im Jahr 2022 massiv eingebrochen. Die Kombination aus der KIM-Verordnung und dem gleichzeitigen starken Anstieg der Zinsen führte dazu, dass viele Bauprojekte nicht mehr finanzierbar waren. In der Folge gingen die Baubewilligungen drastisch zurück.
Die Baubranche verzeichnete einen Rückgang der Genehmigungen um fast 40 Prozent. Diese Zahl verdeutlicht das Ausmaß der Krise, die nicht nur Bauträger, sondern auch zahlreiche Handwerksbetriebe und Zulieferer traf. Viele Unternehmen waren gut ausgelastet mit bestehenden Projekten, doch der Mangel an neuen Aufträgen sorgte für große Unsicherheit.
„Man spürt das auf den Baustellen ja noch nicht. Es ist meistens zeitversetzt ein Jahr später.“
Hoffnung auf zeitverzögerte Erholung
Günther Leitgöb, Branchensprecher der gewerblichen Bauträger, blickt nun vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Er erklärt den zeitlichen Verzug zwischen der Belebung am Kreditmarkt und der Aktivität auf den Baustellen. „So wie damals, als die Bauwirtschaft gut ausgelastet war, die Immobilienwirtschaft aber schon einen massiven Einbruch gehabt hat, wird sich das jetzt zeitversetzt in die andere Richtung in den nächsten zwei Jahren zeigen“, so Leitgöb.
Diese Einschätzung bedeutet, dass die positiven Effekte der gelockerten Kreditvergabe erst mit einer Verzögerung von etwa einem Jahr auf den Baustellen sichtbar werden. Die Branche hofft auf einen spürbaren Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte 2026. Dann könnten die jetzt bewilligten Kredite in konkrete Bauprojekte umgesetzt werden.
Zahlen und Fakten zur Marktentwicklung
- Verdopplung der Kreditanfragen: Seit Lockerung der KIM-Verordnung.
- Rückgang der Baubewilligungen: Fast 40 % im Jahr 2022.
- Erwartete Erholung im Wohnbau: Ab der zweiten Jahreshälfte 2026.
Die Herausforderungen bleiben bestehen
Obwohl die Lockerung der KIM-Verordnung ein wichtiges positives Signal ist, sind nicht alle Hürden für angehende Immobilienkäufer beseitigt. Die Zinsen für Kredite sind nach wie vor auf einem deutlich höheren Niveau als noch vor einigen Jahren. Der massive Anstieg hat Finanzierungen nachhaltig verteuert und bleibt ein entscheidender Faktor bei der Kreditentscheidung.
Banken und Finanzberater weisen darauf hin, dass eine sorgfältige Planung und eine solide finanzielle Basis weiterhin unerlässlich sind. Die gelockerten Richtlinien eröffnen zwar wieder mehr Menschen den Zugang zu Krediten, doch die monatliche Belastung durch höhere Zinsen muss tragbar sein. Für viele Salzburgerinnen und Salzburger bleibt der Traum vom Eigenheim daher eine große finanzielle Herausforderung, die eine genaue Kalkulation erfordert.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie nachhaltig die aktuelle Belebung ist und ob die erhoffte Erholung im Bausektor tatsächlich eintritt. Die Branche bleibt wachsam, aber die jüngsten Entwicklungen geben Anlass zu begründetem Optimismus für die Salzburger Wirtschaft.





