Der Salzburger Arbeitsmarkt ist dynamisch und von hoher Nachfrage geprägt. Doch was suchen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute wirklich bei einem Job? Laut Julia Kröll, der Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice (AMS) Salzburg, hat sich das Anforderungsprofil deutlich verschoben. Neben einem fairen Gehalt rücken Aspekte wie Wertschätzung, Flexibilität und eine sinnstiftende Tätigkeit immer stärker in den Vordergrund.
Unternehmen, die im Wettbewerb um die besten Fachkräfte bestehen wollen, müssen mehr bieten als traditionelle Anreize. Ein gutes Betriebsklima und die Möglichkeit, die eigene Arbeit mit dem Privatleben in Einklang zu bringen, sind entscheidende Faktoren für die Mitarbeiterbindung geworden.
Das Wichtigste in Kürze
- Mehr als nur Gehalt: Sinnhaftigkeit, gutes Betriebsklima und Work-Life-Balance sind für Salzburger Arbeitnehmer entscheidend.
- Generationenübergreifender Wunsch: Die Suche nach einer sinnstiftenden Tätigkeit ist nicht auf junge Generationen beschränkt, sondern zieht sich durch alle Altersgruppen.
- Praktische Faktoren zählen: Die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes, insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln, und darauf abgestimmte Arbeitszeiten sind wichtige Kriterien.
- Unternehmenskultur als Magnet: Ein wertschätzendes Umfeld und ein professioneller Bewerbungsprozess sind entscheidend für die Arbeitgeberattraktivität.
Die neuen Prioritäten der Arbeitnehmer
Die Zeiten, in denen ein hohes Gehalt der alleinige ausschlaggebende Punkt für einen Job war, sind vorbei. Arbeitssuchende in Salzburg legen heute Wert auf ein Gesamtpaket, das zu ihrer Lebenssituation passt. „Zentral ist, dass der Job zu ihnen und ihrer Vorerfahrung passt, sodass ihre Ausbildung und ihre Kompetenzen einfließen können“, erklärt Julia Kröll vom AMS Salzburg.
Ein entscheidender praktischer Aspekt ist die Mobilität. Viele Arbeitnehmer sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Ein Unternehmen muss daher nicht nur gut erreichbar sein, sondern auch Arbeitszeiten anbieten, die mit den Fahrplänen von Bus und Bahn vereinbar sind. Dies ist eine grundlegende Voraussetzung, die oft übersehen wird.
Darüber hinaus haben sich im Angestelltenbereich Wünsche wie Homeoffice-Tage und Telearbeit fest etabliert. Diese Flexibilität ist für viele zu einem wichtigen Bestandteil einer gesunden Work-Life-Balance geworden.
Der Wunsch nach Sinnhaftigkeit verbindet Generationen
Oft wird der Wunsch nach einer sinnstiftenden Arbeit den jüngeren Generationen „Y“ und „Z“ zugeschrieben. Diese jungen Fachkräfte möchten mit ihrer Tätigkeit einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten und achten darauf, dass Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden.
„Die Arbeit muss für die Generationen ‚Y‘ und ‚Z‘ einen Sinn ergeben. Diese Generationen wollen mit ihrem Tun einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.“
Julia Kröll betont jedoch, dass dieser Anspruch längst nicht mehr auf eine Altersgruppe beschränkt ist. „Wir merken aber auch, dass der Wunsch nach einer sinnstiftenden Tätigkeit auch den sogenannten ‚Baby-Boomern‘ und der ‚Gen X‘ nicht fremd ist.“ Diese Entwicklung zeigt einen breiten gesellschaftlichen Wandel in der Wahrnehmung von Arbeit.
Salzburgs dynamischer Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt in Salzburg ist im Vergleich zum Rest Österreichs besonders dynamisch. Dies liegt stark an der Prägung durch die Saisonarbeit im Tourismus. Einerseits sorgt dies für eine ständige Verfügbarkeit von offenen Stellen, andererseits führt es auch zu regelmäßigen Abgängen und einer höheren Fluktuation in bestimmten Branchen.
Was macht einen Top-Arbeitgeber aus?
Wie können Unternehmen in diesem umkämpften Markt Fachkräfte nicht nur gewinnen, sondern auch langfristig halten? Laut der AMS-Chefin reicht der oft zitierte Gratis-Obstkorb bei weitem nicht mehr aus. Es geht um eine tief verankerte Unternehmenskultur.
Authentizität und Wertschätzung
„Wer ein wertschätzendes Umfeld und einen lebensphasenorientierten Arbeitsplatz bieten kann, wird Mitarbeitende lange halten können“, so Kröll. Ein Arbeitsplatz, der sich an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter in verschiedenen Lebensphasen anpasst – sei es bei der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen – schafft eine starke Bindung.
Gerade in den ländlichen Regionen Salzburgs spielt die Mundpropaganda eine entscheidende Rolle. Wenn die eigenen Mitarbeiter authentisch und positiv über ihr Unternehmen sprechen, ist das die beste Werbung. Ein guter Ruf als Arbeitgeber verbreitet sich schnell.
Der erste Eindruck zählt
Ein oft unterschätzter Faktor ist der Bewerbungs- und Onboarding-Prozess. Ein professioneller, transparenter und wertschätzender Ablauf von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Einarbeitung prägt das Bild eines Unternehmens nachhaltig. Negative Erfahrungen in dieser Phase können potenzielle Mitarbeiter abschrecken und dem Ruf des Unternehmens schaden.
Potenzial bei Lehrlingen nutzen
Ein wichtiger Hinweis für Unternehmen ist die Bindung von Auszubildenden. Mehr als ein Drittel der Lehrlinge möchte nach Abschluss ihrer Ausbildung im Lehrbetrieb bleiben. Hier liegt ein enormes Potenzial, um qualifizierte und bereits eingearbeitete Fachkräfte zu halten.
Strategien für die Fachkräftesuche
Das AMS Salzburg berät Unternehmen aktiv dabei, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Eine zentrale Botschaft lautet, den Kreis potenzieller Kandidaten zu erweitern.
Den gesamten Teich befischen
„Unsere klare Botschaft an Arbeitgeber lautet, im gesamten Teich zu fischen, sonst gibt es nur eine sehr kleine Gruppe an potenziellen Arbeitnehmerinnen und -nehmern“, erklärt Kröll. Das bedeutet, auch Bewerber in Betracht zu ziehen, die nicht zu 100 % auf das ursprüngliche Anforderungsprofil passen. Dazu gehört die Bereitschaft zur Umqualifizierung oder die Berücksichtigung von älteren Arbeitnehmern.
Das AMS informiert Betriebe gezielt über die Vorteile von alterns- und altersgerechtem Arbeiten, um das Potenzial erfahrener Mitarbeiter besser zu nutzen.
Herausforderung Saisonarbeit
Eine besondere Herausforderung stellt die Saisonalität dar. Viele Fachkräfte, die in der Tourismusbranche ausgebildet wurden, suchen nach einiger Zeit nach Ganzjahresstellen. Hier unterstützt das AMS dabei, entweder durch Umschulungen neue Wege zu eröffnen oder in einem größeren geografischen Umkreis nach passenden Stellen zu suchen.
Hohe Fluktuation bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass ein Unternehmen ein schlechter Arbeitgeber ist. Gerade in saisonal geprägten Branchen kann dies strukturelle Gründe haben. Dennoch bleibt die Aufgabe für alle Unternehmen gleich: Ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, das den modernen Anforderungen der Arbeitnehmer gerecht wird.





