Die Salzburg AG hat eine neue, langfristige Lösung für den Hochwasserschutz am Kraftwerk Urstein in Puch umgesetzt. Sieben speziell konstruierte Steindämme, sogenannte Buhnen, sollen künftig die teuren und regelmäßigen Baggerarbeiten im Flussbett der Salzach überflüssig machen. Die Investition von 700.000 Euro reagiert auf die zunehmende Verlandung des Flusses, die durch den Klimawandel verstärkt wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Salzburg AG investierte 700.000 Euro in sieben Steindämme am Kraftwerk Urstein.
- Die Maßnahme soll wiederkehrende Baggerkosten von 600.000 Euro alle drei bis fünf Jahre einsparen.
- Grund für die zunehmenden Ablagerungen ist der Klimawandel, der mehr Gestein in die Flüsse spült.
- Die neuen Dämme verändern die Strömung, um Ablagerungen in der Flussmitte zu verhindern.
Ein wiederkehrendes Problem mit hohen Kosten
Für die Betreiber des Salzach-Kraftwerks in Puch-Urstein war es ein teures und sich ständig wiederholendes Problem. Um die Sicherheit bei Hochwasser zu gewährleisten, musste das Staubecken vor der Anlage regelmäßig von Tonnen an Gestein und Schotter befreit werden. Diese Ablagerungen, in der Fachsprache Geschiebe genannt, heben das Flussbett an und erhöhen die Gefahr, dass die Salzach bei starkem Wasserandrang über die Ufer tritt.
Jede dieser Baggerungen schlug mit rund 600.000 Euro zu Buche. Angesichts der sich ändernden klimatischen Bedingungen wäre diese Maßnahme in immer kürzeren Abständen notwendig geworden. Die Salzburg AG stand vor der Entscheidung, entweder weiterhin hohe Summen für die Instandhaltung auszugeben oder in eine nachhaltige Lösung zu investieren.
Klimawandel als Ursache für mehr Gestein
Die Zunahme des Geschiebes in der Salzach ist eine direkte Folge des Klimawandels. Schmelzende Gletscher und der Rückgang des Permafrosts in den Alpen setzen große Mengen an Gestein und Geröll frei, die von den Flüssen talabwärts transportiert werden.
Was ist Geschiebe?
Als Geschiebe bezeichnet man Feststoffe wie Sand, Kies und Steine, die von einem fließenden Gewässer am Grund transportiert werden. Wenn die Fließgeschwindigkeit abnimmt, wie etwa in einem Stausee, lagert sich dieses Material ab. Dieser Prozess wird als Verlandung bezeichnet und kann die Hochwassersicherheit beeinträchtigen.
Markus Matschl, Leiter des Bereichs Erneuerbare Energien bei der Salzburg AG, erklärt die Herausforderung. „Durch die veränderten Wetter- und Klimabedingungen wird der Geschiebetrieb weit mehr. Das führt dazu, dass sich die Flüsse ‚auflanden‘ und die Hochwassersicherheit nicht mehr gegeben ist“, so Matschl. Er schätzt, dass ohne Gegenmaßnahmen alle drei bis fünf Jahre gebaggert werden müsste.
Eine clevere Lösung aus Stein
Anstatt weiterhin auf teure Baggerarbeiten zu setzen, entschied sich die Salzburg AG für einen Eingriff in die Flussdynamik. Für insgesamt 700.000 Euro wurden sieben massive Steindämme, sogenannte Buhnen, errichtet. Diese ragen von beiden Uferseiten in die Salzach hinein und wirken wie Leitwerke für das Wasser.
Das Prinzip dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Die Buhnen verengen das Flussbett an bestimmten Stellen. Dadurch wird die Strömungsgeschwindigkeit in der Mitte des Flusses gezielt erhöht. Das schnellere Wasser hat mehr Kraft und kann das Geschiebe mittragen, anstatt es im Staubecken abzulagern. Der Schotter wird so auf natürliche Weise durch das Kraftwerk weitertransportiert.
„Wir gehen davon aus, dass wir hier alle drei bis fünf Jahre baggern würden. Mit den neuen Buhnen wollen wir diesen Kreislauf durchbrechen und eine langfristige Sicherheit gewährleisten.“
- Markus Matschl, Salzburg AG
Die Vorteile der neuen Methode
Die Investition in die Steinbuhnen soll sich langfristig auszahlen. Statt wiederkehrender Kosten von 600.000 Euro wurde einmalig eine etwas höhere Summe investiert, die das Problem an der Wurzel packt.
- Kosteneinsparung: Die teuren Baggerarbeiten entfallen oder werden zumindest deutlich seltener notwendig.
- Langfristige Sicherheit: Die Hochwassersicherheit wird dauerhaft verbessert, ohne ständige Eingriffe.
- Nachhaltigkeit: Die Lösung nutzt die natürliche Kraft des Wassers, anstatt auf schwere Maschinen angewiesen zu sein.
Zahlen im Überblick
- 700.000 Euro: Kosten für die Errichtung der sieben Steindämme.
- 600.000 Euro: Kosten für eine einzelne Baggerung des Flussbetts.
- 3-5 Jahre: Geschätzter Rhythmus für notwendige Baggerungen ohne die neuen Dämme.
- 7 Buhnen: Anzahl der neu errichteten Steindämme im Staubecken Urstein.
Auswirkungen auf die Ökologie
Jeder Eingriff in ein Flusssystem hat Auswirkungen auf die Natur. Die Bauarbeiten fanden im Winter statt, einer Zeit, in der einige Fischarten laichen. Laut Markus Matschl sei dies für das Ökosystem „nicht ideal“. Man habe jedoch versucht, die Belastung so gering wie möglich zu halten.
Nach Abschluss der Bauarbeiten könnten die Buhnen jedoch auch positive Effekte haben. In den strömungsberuhigten Bereichen zwischen den Dämmen finden Fische und andere Wasserlebewesen Schutz vor der starken Strömung in der Flussmitte. Diese Zonen können sich zu neuen, wertvollen Lebensräumen entwickeln.
Die Maßnahme am Kraftwerk Urstein zeigt, wie auf die Herausforderungen des Klimawandels mit innovativen und naturnahen Ingenieurlösungen reagiert werden kann. Anstatt nur die Symptome zu bekämpfen, wurde eine Ursache des Problems – die verringerte Fließgeschwindigkeit – direkt adressiert. Es ist ein Beispiel für vorausschauendes Wassermanagement, das sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Aspekte berücksichtigt.





