Ein außergewöhnliches Naturschauspiel hat in der Nacht auf Mittwoch den Himmel über Salzburg in faszinierende Farben getaucht. Polarlichter, normalerweise nur in hohen nördlichen Breiten zu sehen, waren auch im Salzburger Land deutlich sichtbar. Grund dafür war ein besonders starker Sonnensturm, der auf das Magnetfeld der Erde traf. Experten der GeoSphere Austria halten eine Wiederholung des Phänomens in der kommenden Nacht für möglich.
Das seltene Ereignis lockte zahlreiche Beobachter ins Freie, die das Leuchten am Himmel fotografierten. Die Sichtungen wurden nicht nur aus hochgelegenen Gebieten gemeldet, sondern auch aus weniger entlegenen Orten, was die Intensität des geomagnetischen Sturms unterstreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren in Salzburg Polarlichter zu sehen.
- Auslöser war ein geomagnetischer Sturm der Stärke G4, der drittstärkste im aktuellen Sonnenzyklus.
- Experten erwarten für die Nacht auf Donnerstag möglicherweise eine weitere Sichtungschance.
- Die Ursache sind Sonnenstürme, die durch erhöhte Sonnenaktivität entstehen.
Ein starker Sturm von der Sonne
Verantwortlich für die farbenprächtigen Lichter am Himmel war ein sogenannter geomagnetischer Sturm. Dieser wurde durch eine massive Eruption auf der Sonne ausgelöst. Christian Möstl, Leiter des Space Weather Office der GeoSphere Austria, erklärte, dass der Sonnensturm die Erde am Dienstag um 23:38 Uhr erreichte. Er löste einen Sturm der Kategorie G4 auf der fünfteiligen Skala aus.
„Es war der bisher stärkste geomagnetische Sturm dieses Jahres und der drittstärkste im aktuellen Sonnenzyklus“, so Möstl. Die Intensität des Ereignisses wurde durch eine besondere Konstellation verstärkt. Ein schneller Sonnensturm folgte unmittelbar auf einen vorhergehenden und erreichte die Erde dadurch noch schneller.
Was ist ein G4-Sturm?
Die Skala für geomagnetische Stürme reicht von G1 (gering) bis G5 (extrem). Ein G4-Sturm gilt als „schwer“ und kann weitreichende Auswirkungen haben. Dazu gehören mögliche Probleme bei Stromnetzen, Störungen im Satellitenbetrieb und eben auch Polarlichter, die in ungewöhnlich niedrigen Breitengraden wie Mitteleuropa sichtbar werden.
Wie Polarlichter entstehen
Das Phänomen der Polarlichter, wissenschaftlich Aurora borealis genannt, ist ein komplexer physikalischer Prozess. Es beginnt auf der Sonne, die ständig einen Strom geladener Teilchen, den sogenannten Sonnenwind, ins All schleudert. Bei starken Sonneneruptionen werden besonders große Wolken dieser Teilchen ausgestoßen.
Treffen diese Teilchen auf das Magnetfeld der Erde, werden sie zu den Polen abgelenkt. Dort dringen sie in die oberen Schichten der Atmosphäre ein. In einer Höhe von etwa 100 bis 400 Kilometern kollidieren sie mit Sauerstoff- und Stickstoffatomen. Diese Kollisionen regen die Atome an und bringen sie zum Leuchten – ein Prozess, der dem einer Neonröhre ähnelt.
Die Farben des Himmels
Die unterschiedlichen Farben der Polarlichter hängen von der Art der Gasatome und der Höhe der Kollision ab. Sauerstoffatome leuchten in größeren Höhen (über 200 km) rot und in niedrigeren Höhen (ca. 100-200 km) grün. Stickstoffatome erzeugen meist violette oder bläuliche Farbtöne an den unteren Rändern der Aurora.
Neue Chance in der kommenden Nacht
Die Bedingungen für eine weitere Beobachtung von Polarlichtern in Österreich bleiben günstig. Laut GeoSphere Austria wird im Laufe des Mittwochs ein weiterer Sonnensturm erwartet, der die Erde erreicht. Dies könnte erneut einen geomagnetischen Sturm auslösen und den Nachthimmel zum Leuchten bringen.
„Auch in der Nacht auf Donnerstag sind Polarlichter in Österreich möglich, da im Laufe des Mittwochs ein weiterer Sonnensturm bei der Erde eintreffen sollte“, bestätigt Möstl.
Die Experten weisen jedoch auch auf mögliche technische Störungen hin. Während solcher geomagnetischer Stürme kann es zu Problemen bei der Positionsbestimmung durch globale Navigationssatellitensysteme (GNSS) wie GPS kommen.
Tipps für die Beobachtung
Wer das Himmelsspektakel selbst erleben möchte, sollte einige Dinge beachten, um die Chancen zu maximieren. Die besten Bedingungen herrschen abseits von störenden Lichtquellen der Städte.
- Dunklen Ort suchen: Entfernen Sie sich so weit wie möglich von der Lichtverschmutzung durch Städte und Ortschaften. Ideal sind ländliche Gebiete oder Berge mit freiem Blick nach Norden.
- Klaren Himmel abwarten: Wolken und Nebel können die Sicht vollständig verdecken. Prüfen Sie die lokale Wettervorhersage.
- Geduld mitbringen: Polarlichter können plötzlich erscheinen und wieder verschwinden. Es kann sich lohnen, länger zu warten und den Himmel im Auge zu behalten.
- Nach Norden blicken: In unseren Breitengraden erscheinen Polarlichter meist tief am nördlichen Horizont.
- Kamera vorbereiten: Für Fotos sind eine Kamera mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten, ein Stativ und eine längere Belichtungszeit erforderlich. Oft nimmt die Kamera Farben wahr, die für das bloße Auge nur als grauer Schimmer erkennbar sind.
Ein Phänomen im Sonnenzyklus
Die derzeitige Häufung von Sonnenstürmen ist kein Zufall. Die Sonne durchläuft einen etwa elfjährigen Zyklus von hoher und niedriger Aktivität. Wir nähern uns aktuell dem Höhepunkt des sogenannten Sonnenzyklus 25, der voraussichtlich zwischen Ende 2024 und Mitte 2025 erreicht wird.
Während des Maximums sind Sonneneruptionen und die daraus resultierenden Sonnenstürme deutlich häufiger und stärker. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Polarlichter auch in Regionen wie Salzburg sichtbar werden, wo sie normalerweise eine absolute Seltenheit sind. Das aktuelle Ereignis ist somit ein Vorbote für eine potenziell aktive Phase am Himmel in den kommenden Monaten.





