Das italienische Parlament prüft derzeit einen Vorschlag, der die Beziehung zu seinen Nachbarländern, einschließlich Österreich, verändern könnte: die dauerhafte Einführung der Sommerzeit. Sollte der Plan umgesetzt werden, würde Italien von Ende Oktober bis Ende März eine Stunde vor Österreich liegen, was neue Herausforderungen für Reisende und Pendler schaffen würde.
Das Wichtigste in Kürze
- Italien diskutiert die ganzjährige Beibehaltung der Sommerzeit (UTC+2).
- Dies würde von Ende Oktober bis Ende März zu einer Stunde Zeitunterschied zu Nachbarländern wie Österreich führen.
- Der Vorstoß erfolgt, da eine EU-weite Einigung zur Abschaffung der Zeitumstellung seit 2019 blockiert ist.
- Befürworter erhoffen sich längeres Tageslicht am Abend und Energieeinsparungen.
Ein nationaler Alleingang nach jahrelangem EU-Stillstand
Die Debatte um die halbjährliche Zeitumstellung ist in Europa nicht neu. Bereits 2019 beschloss die Europäische Union grundsätzlich, das Vor- und Zurückstellen der Uhren zu beenden. Geplant war, dass jeder Mitgliedsstaat selbst entscheidet, ob er dauerhaft in der Normalzeit (Winterzeit) oder in der Sommerzeit verbleiben möchte.
Seither herrscht jedoch Uneinigkeit. Die Mitgliedsstaaten konnten sich nicht auf eine koordinierte Vorgehensweise einigen. Die Sorge vor einem "Flickenteppich" verschiedener Zeitzonen, der den Binnenmarkt und den Reiseverkehr stören könnte, lähmte den Prozess. Die Corona-Pandemie und andere Krisen drängten das Thema zusätzlich in den Hintergrund.
Italien scheint nun die Geduld zu verlieren. Mit dem aktuellen Vorstoß im Parlament in Rom signalisiert die Regierung, dass sie bereit ist, einen nationalen Weg zu gehen, anstatt weiter auf eine gesamteuropäische Lösung zu warten.
Hintergrund: Die blockierte EU-Entscheidung
Im Jahr 2018 führte die EU-Kommission eine öffentliche Online-Befragung durch, an der 4,6 Millionen EU-Bürger teilnahmen. Eine überwältigende Mehrheit von 84 Prozent sprach sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Daraufhin schlug die Kommission vor, die Umstellung 2019 zu beenden. Das Europäische Parlament stimmte dem zu, verschob die Frist aber auf 2021, um den Mitgliedstaaten mehr Zeit zur Koordinierung zu geben. Eine Einigung im Rat der Europäischen Union, wo die nationalen Regierungen vertreten sind, kam jedoch nie zustande.
Was würde sich für Reisende und die Wirtschaft ändern?
Für Urlauber und Geschäftsreisende aus Österreich hätte eine dauerhafte Sommerzeit in Italien spürbare Konsequenzen. Während der Wintermonate, konkret von Ende Oktober bis Ende März, müsste bei der Überquerung der Grenze am Brenner oder in Tarvis die Uhr um eine Stunde vorgestellt werden.
Dies könnte zu Verwirrung bei der Planung von Zug- und Flugverbindungen führen und den grenzüberschreitenden Pendlerverkehr erschweren. Termine müssten sorgfältig unter Berücksichtigung der neuen Zeitdifferenz geplant werden.
Längere Abende, frühere Dunkelheit am Morgen
Der Hauptvorteil, den sich Befürworter von der Regelung versprechen, ist eine Stunde mehr Tageslicht am Abend. Dies würde dem Tourismus, der Gastronomie und dem Einzelhandel zugutekommen, da die Menschen nach der Arbeit mehr Zeit für Freizeitaktivitäten im Freien hätten. Studien deuten auch auf mögliche Energieeinsparungen hin, da die künstliche Beleuchtung später eingeschaltet werden müsste.
Kritiker warnen jedoch vor den Nachteilen. Im Winter würde es morgens eine Stunde länger dunkel bleiben. Dies könnte den Schul- und Arbeitsweg für viele Menschen erschweren und sich negativ auf den Biorhythmus auswirken. Besonders in den nördlichen Regionen Italiens ginge die Sonne im Dezember und Jänner erst nach 8 Uhr morgens auf.
Mögliche Auswirkungen im Winter
- Sonnenaufgang in Rom (Mitte Dezember): Statt ca. 7:30 Uhr erst gegen 8:30 Uhr.
- Sonnenuntergang in Rom (Mitte Dezember): Statt ca. 16:40 Uhr erst gegen 17:40 Uhr.
- Zeitunterschied zu Österreich: +1 Stunde von Ende Oktober bis Ende März.
Die politische Dimension der Zeit
Die Entscheidung Italiens könnte eine Kettenreaktion auslösen. Sollte Rom den Schritt wagen, könnten andere südeuropäische Länder wie Spanien oder Griechenland, die ebenfalls von mehr abendlichem Licht profitieren würden, nachziehen. Dies würde den Druck auf die EU erhöhen, eine endgültige Regelung zu finden, um eine Zersplitterung der Zeitzonen zu verhindern.
In Deutschland und Österreich gibt es ebenfalls eine Debatte, wobei die Meinungen geteilt sind. Viele bevorzugen die dauerhafte Sommerzeit für längere Abende, während Gesundheitsexperten oft für die Beibehaltung der Normalzeit (Winterzeit) plädieren, da sie besser zum natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen passe.
"Die fehlende Einigung auf EU-Ebene führt dazu, dass einzelne Staaten nun beginnen, eigene Lösungen zu suchen. Die Zeit wird zu einem weiteren Feld, auf dem nationale Interessen über eine koordinierte europäische Politik gestellt werden könnten."
Ein Blick in die Zukunft
Noch ist die Entscheidung in Italien nicht gefallen. Die parlamentarische Debatte steht am Anfang, und es müssen wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Aspekte sorgfältig abgewogen werden. Die Diskussion zeigt jedoch deutlich, dass der Wunsch nach einem Ende der Zeitumstellung in vielen Teilen Europas ungebrochen ist.
Für Österreich und andere Nachbarländer Italiens bedeutet dies, die Entwicklungen in Rom genau zu beobachten. Eine mögliche neue "Zeitgrenze" im Süden würde den Alltag vieler Menschen beeinflussen und unterstreicht die Notwendigkeit, eine dauerhafte und vor allem einheitliche Lösung für den gesamten europäischen Kontinent zu finden.





