Betrüger haben im vergangenen Jahr in Salzburg und ganz Österreich mit sogenannten Schockanrufen einen Schaden von fast fünf Millionen Euro verursacht. Die Täter geben sich als Polizisten oder Ärzte aus und setzen ihre Opfer mit erfundenen Notfällen massiv unter Druck. Allein seit Jahresbeginn 2025 wurden 17 Verdächtige festgenommen, auch in der Stadt Salzburg und in Bischofshofen.
Die Masche ist immer ähnlich: Ein Anrufer schildert eine dramatische Situation, in der ein naher Angehöriger verwickelt sei. Oft ist die Rede von einem schweren Verkehrsunfall, der nur durch eine sofortige Kautionszahlung abgewendet werden könne, oder von einer lebensrettenden Operation, die umgehend bezahlt werden müsse. Viele Opfer übergeben aus Angst und Sorge Bargeld, Schmuck und Gold an Abholer, die kurz nach dem Anruf an der Haustür klingeln.
Das Wichtigste in Kürze
- In Österreich entstand durch Schockanrufe im Vorjahr ein Schaden von fast 5 Millionen Euro.
- Seit Anfang 2025 gab es 17 Festnahmen, unter anderem in Salzburg und Bischofshofen.
- Die Täter geben sich als Polizisten oder Ärzte aus, um Vertrauen zu erschleichen.
- Die Polizei warnt eindringlich davor, am Telefon Geldforderungen nachzukommen und rät, sofort aufzulegen.
Eine hinterhältige Betrugsmasche trifft alle Schichten
Die Täter nutzen gezielt das Vertrauen in Autoritäten wie die Polizei, Gerichte oder medizinisches Personal aus. "Es kann jeden treffen, jede Altersgruppe, jede Bildungsschicht", betonte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) kürzlich bei einer Pressekonferenz. Er bezeichnete die Betrugsform als "besonders hinterhältig", da sie die Sorge um geliebte Menschen eiskalt ausnutzt.
Die Kriminellen agieren hochprofessionell und mobil. Sie wechseln ständig ihre Standorte, nutzen täglich neue Mobiltelefone und SIM-Karten, um ihre Spuren zu verwischen und die Ermittlungen der Polizei zu erschweren. Trotz dieser Herausforderungen konnten die Behörden in letzter Zeit bedeutende Erfolge verzeichnen.
Wie die Täter vorgehen
Die Anrufer, oft aus dem Ausland operierend, erzeugen durch psychologischen Druck eine extreme Stresssituation. Sie verbieten den Opfern aufzulegen, um zu verhindern, dass diese ihre Angehörigen kontaktieren und der Schwindel auffliegt. An der Haustür erscheinen dann sogenannte "Abholer", die das Geld oder die Wertsachen entgegennehmen und schnell wieder verschwinden.
Ermittlungserfolge in Salzburg und ganz Österreich
Die österreichische Polizei hat ihre Kräfte gebündelt, um den international agierenden Banden das Handwerk zu legen. Eine zentrale Rolle spielt die Spezialeinheit "Operation Casus" beim Landeskriminalamt Niederösterreich, die in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt die Ermittlungen koordiniert. Diese Zentralisierung zeigt Wirkung: Die Zahl der Anzeigen und die Schadenssummen sind zuletzt deutlich gesunken.
Seit dem Start der Operation im Jahr 2022 wurden österreichweit 189 Personen festgenommen. Die Gesamtschadenssumme in diesem Zeitraum beläuft sich auf rund 53 Millionen Euro. Auch im Bundesland Salzburg konnten Ermittler mehrere Verdächtige ausforschen und festnehmen, die mit der Betrugsmasche in Verbindung stehen.
Zahlen und Fakten zum Betrug
- 90 vollendete Taten wurden im Vorjahr in Österreich angezeigt.
- Mehr als 300 Versuche wurden ebenfalls gemeldet.
- Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, da sich viele Opfer aus Scham nicht an die Polizei wenden.
Ein Schlag gegen die Drahtzieher
Ein besonderer Erfolg gelang den Ermittlern in Wien. Dort wurde erstmals eine sogenannte "Keilerzelle" ausgehoben – ein Callcenter, das in einer Wohnung im 22. Bezirk eingerichtet war. Von hier aus wurden massenhaft Betrugsanrufe nach ganz Österreich getätigt. Als Kopf der Gruppe gilt ein 25-jähriger Slowake, der zusammen mit mehreren Komplizen festgenommen wurde. Die Beamten stellten zahlreiche Handys und SIM-Karten sicher.
Eine weitere Tätergruppe, die gezielt Opfer in Österreich suchte, operierte von Brünn in Tschechien aus. Diese Fälle zeigen, wie international und organisiert die Netzwerke vorgehen.
"Behörden oder Gerichte fordern niemals Bargeld oder Schmuck am Telefon." - Polizei Österreich
Wie man sich schützen kann
Die Polizei rechnet damit, dass die Betrüger in Zukunft noch raffinierter vorgehen werden. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Nachahmung von Stimmen ist ein mögliches Szenario. Umso wichtiger ist es, bei verdächtigen Anrufen grundlegendes Misstrauen an den Tag zu legen.
Die Ermittler geben klare Verhaltensempfehlungen, um nicht Opfer eines Schockanrufs zu werden:
- Sofort auflegen: Lassen Sie sich nicht in ein langes Gespräch verwickeln. Beenden Sie das Telefonat umgehend.
- Niemals Geld übergeben: Übergeben Sie unter keinen Umständen Bargeld, Schmuck oder andere Wertsachen an Unbekannte.
- Rücksprache halten: Kontaktieren Sie selbstständig den Angehörigen, um den es angeblich geht, unter der Ihnen bekannten Nummer.
- Polizei informieren: Wählen Sie den Notruf 133 und melden Sie den Betrugsversuch. Echte Polizisten werden niemals am Telefon Geld fordern.
Wichtig ist: Seien Sie skeptisch, wenn Sie unaufgefordert einen Anruf über einen angeblichen Notfall erhalten. Geben Sie am Telefon niemals persönliche Informationen oder Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.





