Die Salzburger Polizei warnt vor einer neuen Welle von Online-Betrug, die durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) immer raffinierter wird. In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der angezeigten Fälle von Internetkriminalität in Österreich mehr als verdoppelt, und Experten befürchten, dass KI-gestützte Methoden wie gefälschte Anrufe die Situation weiter verschärfen werden.
Kürzlich verloren mehrere Personen in Salzburg zehntausende Euro durch solche Betrugsmaschen. Die Täter nutzen moderne Technologien, um ihre Opfer täuschend echt zu manipulieren, was die Erkennung von Betrugsversuchen erschwert.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Anzeigen wegen Internetbetrugs stiegen bundesweit von 30.000 auf über 60.000 Fälle in fünf Jahren.
- Künstliche Intelligenz ermöglicht die Erstellung von Betrugsnachrichten in perfektem Deutsch und das Klonen von Stimmen für Anrufe.
- Die Salzburger Polizei reagiert mit dem Aufbau eines eigenen Ausbildungszentrums für Cyberkriminalität.
- Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Betrugsfälle aus Scham nicht gemeldet werden.
Die neue Dimension des Betrugs durch KI
Online-Betrüger setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz, um ihre Angriffe glaubwürdiger zu gestalten. Früher waren Betrugsnachrichten oft an fehlerhafter Sprache zu erkennen. Heute ermöglicht KI die Erstellung von E-Mails, SMS oder WhatsApp-Nachrichten, die sprachlich nicht mehr von echten Nachrichten zu unterscheiden sind.
Besonders besorgniserregend ist der Einsatz von sogenannten „Stimm-Fakes“. Dabei wird die Stimme einer realen Person geklont. Die Betrüger benötigen dafür nur wenige Sekunden einer Sprachaufnahme, die oft aus sozialen Medien oder von Mailbox-Nachrichten stammt.
Der Enkeltrick 2.0
Mit der geklonten Stimme rufen die Täter dann Familienmitglieder an und geben sich als Angehörige in einer Notlage aus. Sie bitten dringend um Geld, zum Beispiel für eine angebliche Autoreparatur oder eine unvorhergesehene Rechnung. Da die Stimme vertraut klingt, schöpfen viele Opfer keinen Verdacht.
„Solche Betrugsfälle nehmen gerade deutlich zu“, heißt es von der Rundfunk- und Telekom-Aufsichtsbehörde (RTR), die eine Meldestelle für Betrugsversuche betreibt. Die emotionale Manipulation durch eine bekannte Stimme ist besonders wirksam.
Zahlen und Fakten zur Cyberkriminalität in Salzburg
Die offiziellen Statistiken zeichnen ein alarmierendes Bild. Robert Meikl vom Landeskriminalamt Salzburg bestätigt den starken Anstieg der Delikte im Internet. Die Zahl der Anzeigen hat sich in Österreich zwischen 2019 und 2024 mehr als verdoppelt.
Anstieg der Internetkriminalität in Österreich
- 2019: ca. 30.000 Anzeigen
- 2024: über 60.000 Anzeigen
Diese Zahlen stellen eine Steigerung von mehr als 100 % in nur fünf Jahren dar.
Meikl betont jedoch, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. „Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein, weil viele Delikte gar nicht angezeigt werden“, so der Experte. Viele Opfer schämen sich, auf einen Betrug hereingefallen zu sein, und verzichten auf eine Anzeige bei der Polizei.
Polizei rüstet im Kampf gegen Cybercrime auf
Um der wachsenden Bedrohung durch Cyberkriminalität wirksam zu begegnen, ergreift die Polizei in Salzburg proaktive Maßnahmen. Derzeit wird ein spezialisiertes Ausbildungszentrum aufgebaut, das sich ausschließlich der Bekämpfung von Verbrechen im digitalen Raum widmet.
In diesem Zentrum sollen Polizistinnen und Polizisten gezielt geschult werden, um die immer komplexeren Betrugsmethoden zu erkennen, zu verfolgen und die Täter zu ermitteln. Die Ausbildung umfasst technische Analysen, digitale Forensik und Strategien zur Prävention.
Internationaler Safer Internet Day
Die Warnungen der Behörden fallen mit dem diesjährigen internationalen „Safer Internet Day“ zusammen. Diese Initiative, die seit den 1990er-Jahren besteht, soll das Bewusstsein für Sicherheit und mögliche Gefahren im Internet schärfen und Nutzer zu einem vorsichtigeren Umgang mit persönlichen Daten anregen.
So können Sie sich schützen
Behörden und Verbraucherschutzorganisationen geben konkrete Empfehlungen, um nicht Opfer von KI-gestütztem Betrug zu werden.
Tipps für mehr Sicherheit
- Seien Sie misstrauisch: Skeptisch sein bei unerwarteten Nachrichten oder Anrufen, auch wenn der Absender oder die Stimme bekannt vorkommt.
- Stellen Sie Kontrollfragen: Fragen Sie bei verdächtigen Anrufen nach Informationen, die nur die echte Person wissen kann (z.B. der Name des ersten Haustiers, ein gemeinsames Erlebnis).
- Nutzen Sie einen Rückruf: Beenden Sie das Gespräch und rufen Sie die Person unter der Ihnen bekannten, gespeicherten Nummer zurück.
- Überweisen Sie niemals sofort Geld: Betrüger erzeugen immer Zeitdruck. Nehmen Sie sich Zeit, die Situation zu prüfen und sprechen Sie mit einer anderen Vertrauensperson darüber.
- Schützen Sie Ihre Stimme: Seien Sie vorsichtig, welche Sprachnachrichten oder Videos Sie online stellen.
- Melden Sie verdächtige Versuche: Informieren Sie die Polizei und die Meldestelle der RTR über jeden Betrugsversuch. Jede Meldung hilft, andere zu schützen.
Die fortschreitende Entwicklung der Künstlichen Intelligenz wird die Bedrohungslage im Internet weiter verändern. Ein wachsames und kritisches Verhalten ist der beste Schutz vor finanziellen und emotionalen Schäden.





