In den kommenden zwei Wochen wird der Himmel über den Salzburger Alpen lauter als gewohnt. Das Österreichische Bundesheer führt eine großangelegte Übung durch, bei der 14 Hubschrauber Landungen im Hochgebirge trainieren. Diese Manöver sind entscheidend für die Einsatzbereitschaft der Piloten, stellen aber auch eine erhebliche Belastung für die heimische Tierwelt dar.
Die Übung dient nicht nur militärischen Zwecken, sondern schult die Crews auch für zivile Katastropheneinsätze, wie etwa die Rettung nach Lawinenabgängen. Um die Störung für das Wild so gering wie möglich zu halten, arbeitet das Militär eng mit der Jägerschaft zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Bundesheer führt einen zweiwöchigen Hochgebirgslande-Lehrgang mit 14 Hubschraubern in den Salzburger Bergen durch.
- Die Übung ist sowohl für militärische als auch für zivile Einsätze, wie Lawinenrettungen, von großer Bedeutung.
- Der Lärm und die Anflüge der Helikopter verursachen erheblichen Stress für Wildtiere wie Gämsen.
- In Zusammenarbeit mit Jägern und Experten werden Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen auf die Tierwelt zu minimieren.
Notwendiges Training mit weitreichenden Folgen
Für die Pilotinnen und Piloten des Bundesheeres gehören Landungen im alpinen Gelände zu den anspruchsvollsten Aufgaben. Wechselhafte Winde, enge Täler und unebene Landeflächen erfordern höchste Konzentration und Präzision. Der aktuelle Hochgebirgslehrgang ist daher ein unverzichtbarer Teil der Ausbildung, um die Sicherheit und Effizienz bei realen Einsätzen zu gewährleisten.
Die trainierten Fähigkeiten sind von entscheidender Bedeutung. Im Ernstfall müssen die Crews in der Lage sein, schnell und sicher Personal oder Material in schwer zugängliche Gebiete zu transportieren. Dies gilt für militärische Missionen ebenso wie für zivile Notfälle.
Vorbereitung auf den Ernstfall
Einsätze nach Lawinenabgängen, bei Waldbränden oder zur Versorgung eingeschlossener Almen sind Szenarien, für die bei dieser Übung trainiert wird. Die Fähigkeit, unter schwierigen alpinen Bedingungen zu operieren, kann im Katastrophenfall über Leben und Tod entscheiden.
Doch das Training hat eine Kehrseite. Der Lärm der an- und abfliegenden Maschinen ist eine massive Störquelle für die Tierwelt. Insbesondere für Wildtiere wie Gämsen, Hirsche und Murmeltiere bedeutet der plötzliche und laute Eingriff in ihren Lebensraum puren Stress.
Wildtiere im Fokus: Ein Balanceakt für Piloten
Die größte Herausforderung der Übung liegt im Spannungsfeld zwischen militärischer Notwendigkeit und dem Schutz der Natur. Nicht nur die Landungen selbst, sondern vor allem die unerwarteten Anflüge versetzen die Tiere in Angst und Panik. Fluchtreaktionen können die Tiere wertvolle Energiereserven kosten, die sie besonders im anspruchsvollen alpinen Lebensraum zum Überleben benötigen.
René Auer vom Militärkommando Salzburg betont, dass man sich dieser Verantwortung bewusst sei. „Im Hochgebirgslehrgang nehmen die Pilotinnen, Piloten und ihre Crews speziell Rücksicht auf Wildtiere und Wildvögel“, versichert er. Diese Rücksichtnahme ist jedoch alles andere als einfach.
„Es ist auch für die Piloten nicht immer einfach abzuschätzen, wo sich Wildtiere befinden. Und hier versuchen wir, Basics mitzugeben, wie sie das im Gelände einschätzen können.“
Christoph Burgstaller, Jäger und Ausbildner
Um die Störungen zu minimieren, wurde eine enge Kooperation mit der regionalen Jägerschaft und der Initiative „Respektiere Deine Grenzen“ etabliert. Diese Zusammenarbeit ist ein zentraler Baustein des Übungskonzepts.
Konkrete Maßnahmen zum Schutz der Tiere
Die Experten geben den Piloten wertvolle Hinweise, wie sie Wildtiere frühzeitig erkennen und ihr Verhalten deuten können. Dazu gehören Schulungen über die typischen Aufenthaltsorte verschiedener Tierarten zu bestimmten Tageszeiten und Wetterlagen.
Folgende Strategien werden verfolgt, um den Stress für das Wild zu reduzieren:
- Angepasste Anflugrouten: Wenn möglich, werden größere Flughöhen und längere Anflugradien gewählt, um den Tieren mehr Zeit zur Reaktion zu geben.
- Vermeidung bekannter Ruhezonen: Gebiete, die als wichtige Rückzugsorte für Wildtiere bekannt sind, werden nach Möglichkeit umflogen.
- Koordination mit der Jägerschaft: Jäger vor Ort geben aktuelle Informationen über die Standorte von Wildtieren an die Übungsleitung weiter.
- Beobachtung aus der Luft: Die Crews werden geschult, das Gelände aktiv nach Tieren abzusuchen und ihre Flugmanöver entsprechend anzupassen.
Christoph Burgstaller, ein erfahrener Jäger und Ausbildner, erklärt, dass diese Maßnahmen einen Unterschied machen können. „Bei größeren Flughöhen, längeren Anflügen und größeren Radien vor den Landungen könnte sich zum Beispiel Gamswild auf die lauten, unerwarteten und ungewöhnlichen Eindringlinge einstellen“, so Burgstaller.
Sicherheit hat oberste Priorität
Neben dem Tierschutz spielt auch die allgemeine Sicherheit eine entscheidende Rolle bei der Planung der Flugrouten. Die aktuelle Lawinensituation wird permanent beobachtet und fließt direkt in die täglichen Einsatzpläne ein. Landeplätze oder ganze Gebiete können kurzfristig gesperrt werden, wenn die Gefahr von Lawinenabgängen zu hoch ist.
Übungsfakten
- Dauer: Zwei Wochen
- Anzahl der Hubschrauber: 14
- Einsatzgebiet: Hochgebirge im Bundesland Salzburg
- Zweck: Training für militärische und zivile Einsätze
Die Koordination zwischen militärischer Führung, Lawinenwarndienst und den Experten für Wildtierschutz ist komplex, aber unerlässlich. Sie stellt sicher, dass das wichtige Training für die Helikopter-Crews mit dem geringstmöglichen Risiko für Mensch und Natur durchgeführt werden kann.
Für die Bevölkerung in den betroffenen Tälern bedeutet die Übung eine vorübergehende Zunahme des Fluglärms. Das Bundesheer bittet um Verständnis und betont die Notwendigkeit dieser Manöver für die Aufrechterhaltung der Sicherheit im alpinen Raum – sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich.





