Anlässlich des Weltfrauentags haben acht Mütter aus der Region Salzburg ihre Wünsche für die Zukunft ihrer elf Töchter formuliert. Ihre Stimmen zeichnen ein klares Bild: Echte Gleichberechtigung geht weit über gleiche Bezahlung hinaus und erfordert tiefgreifende gesellschaftliche und politische Veränderungen. Es geht um Sicherheit, die faire Verteilung von unsichtbarer Arbeit und die Freiheit, das eigene Leben ohne gesellschaftliche Fesseln zu gestalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Faire Arbeitswelt: Mütter fordern gleiche Karrierechancen und Gehälter sowie die Anerkennung von Mutterschaft als Teil eines gleichberechtigten Lebens, nicht als Karrierehindernis.
- Unsichtbare Arbeit teilen: Die gerechte Aufteilung von Hausarbeit, Kindererziehung und vor allem des „Mental Load“ – der Planungs- und Organisationsarbeit – ist eine zentrale Forderung.
- Sicherheit und Respekt: Ein grundlegender Wunsch ist eine Welt, in der sich Mädchen und Frauen jederzeit sicher fühlen und ein „Nein“ uneingeschränkt akzeptiert wird.
- Strukturelle Änderungen: Viele sehen Gleichberechtigung als ein politisches Problem, das strukturelle Lösungen wie ein automatisches Pensionssplitting und verpflichtende Väterkarenz erfordert.
Gleiche Chancen im Beruf und zu Hause
Für viele Mütter in Salzburg steht die berufliche Gleichstellung ihrer Töchter an oberster Stelle. Doch ihre Forderungen gehen über die bekannte Lohnschere hinaus. Es geht um die grundlegende Vereinbarkeit von Familie und Karriere, ohne dass Frauen benachteiligt werden.
Claudia Rehard aus Saalfelden fasst diesen Wunsch prägnant zusammen: „Ich wünsche mir für meine Tochter eine Welt, in der es selbstverständlich ist, dass Mental Load, Kindererziehung und Hausarbeit fair zwischen Mutter und Vater geteilt werden. Und dass Mutterschaft niemals als Hindernis für berufliche Chancen gesehen wird.“
Auch Julia Schmid-Fersterer aus St. Johann im Pongau betont die Notwendigkeit einer Neubewertung. Sie wünscht sich, „dass die Erziehungsarbeit einer Mutter mehr honoriert wird und Karriere und Mutter-sein gleichzeitig wirklich möglich ist.“
Was ist Mental Load?
Der Begriff „Mental Load“ beschreibt die Last der unsichtbaren Planungs- und Organisationsarbeit im Familienalltag. Dazu gehört das Denken an Arzttermine, Geburtstagsgeschenke, den Wocheneinkauf oder die Organisation der Kinderbetreuung. Studien zeigen, dass diese Aufgabe überwiegend von Frauen getragen wird, was zu Stress und Erschöpfung führen kann.
Die unsichtbare Last fair verteilen
Ein wiederkehrendes Thema ist die ungleiche Verteilung der sogenannten Care-Arbeit und des damit verbundenen „Mental Load“. Birgit Lindner aus Mattsee spricht klar an, was sich ändern muss, bis ihre Tochter selbst Mutter wird.
„Care-Arbeit muss in Familien fair aufgeteilt werden, sodass Verantwortung für Haushalt, Kinder und Angehörige nicht selbstverständlich bei den Frauen liegt. Auch der Mental Load, das Planen, Organisieren und ständige Mitdenken, darf nicht länger überwiegend von den Frauen getragen werden.“
Diese Forderung nach einer gerechten Verteilung der Verantwortung ist entscheidend für die finanzielle und persönliche Unabhängigkeit von Frauen. Nur so, betont Lindner, könne die Entscheidung für oder gegen Kinder eine wirklich freie sein.
Eine Welt ohne Angst
Ein fundamentaler Wunsch, der von mehreren Müttern geäußert wird, ist das Bedürfnis nach Sicherheit. Es ist der Wunsch nach einer Gesellschaft, in der Mädchen und Frauen sich ohne Angst frei bewegen und ihre Meinung äußern können.
Valentina Kretz aus Golling formuliert dies eindringlich: „Ich wünsche mir für die Zukunft meiner Tochter, dass sie sich immer und überall sicher fühlen darf. Sie keine Scheu haben muss, 'Nein' zu sagen und dass ein solches von allen akzeptiert wird.“
Dieser Gedanke wird von Margit Bogner, einer gebürtigen St. Veiterin, erweitert. Sie wünscht sich für die Generation ihrer Töchter ein Österreich, „in dem die Gesellschaft wieder so viel Sicherheit und Zusammenhalt schenkt, dass Ihre Kinder völlig unbeschwert und ohne Angst die Welt entdecken können.“
Strukturelle Ungleichheit in Zahlen
- Gender Pay Gap: Frauen in Österreich verdienen im Durchschnitt immer noch deutlich weniger als Männer.
- Gender Pension Gap: Die Lohnlücke setzt sich in der Pension fort. Frauen erhalten im Alter oft erheblich weniger Rente, was das Risiko für Altersarmut erhöht.
- Teilzeitarbeit: Ein Großteil der Teilzeitbeschäftigten ist weiblich, oft aufgrund von Betreuungspflichten. Dies wirkt sich negativ auf Karrierechancen und Pensionsansprüche aus.
Gleichberechtigung braucht politische Rahmenbedingungen
Einige Mütter gehen noch einen Schritt weiter und benennen die strukturellen Ursachen der Ungleichheit. Sie argumentieren, dass individuelle Bemühungen an gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen scheitern, die dringend reformiert werden müssen.
Kathrin Tinhof aus St. Veit im Pongau analysiert die Situation scharf: „Wir können alle mit dem Vorsatz einer fairen, feministisch, gerecht aufgeteilten Elternschaft starten – und die meisten von uns werden an den Strukturen zerbrechen, weil Frauen nun mal weniger verdienen und der gesellschaftliche Anspruch an Frauen ein anderer ist.“
Konkrete politische Forderungen
Für sie ist klar: Gleichberechtigung ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Sie fordert konkrete politische Maßnahmen, um echte Veränderungen zu bewirken. Dazu gehören:
- Die Bezahlung von Care-Arbeit
- Verpflichtende Karenz für beide Partner
- Mehr und bessere Kinderbetreuungsplätze
- Die konsequente Schließung des Gender Pay Gap
- Ein automatisches Pensionssplitting als eine „Frage der Fairness“
Tinhof fügt hinzu, dass dieser Weg von allen Geschlechtern getragen werden müsse, „weil alle profitieren; durch mehr Zeit mit den Kindern, stärkere Bindungen und ein erfüllteres Familienleben.“
Freiheit zur Selbstverwirklichung
Letztlich laufen alle Wünsche auf ein zentrales Ziel hinaus: die Freiheit für ihre Töchter, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, frei von einschränkenden Rollenbildern und Erwartungen.
Sabrina Moriggl aus Freilassing wünscht sich für ihre Tochter, dass sie „jeden Beruf ergreifen kann, den sie will, und ihr Leben so gestalten darf, wie sie es möchte – aus freien Stücken, unabhängig von ihrem Geschlecht sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen und Normen, die unausgesprochen und doch allgegenwärtig an Frauen herangetragen werden.“
Natalie Gföller aus Altenmarkt ergänzt den Wunsch nach Akzeptanz für Vielfalt und den Zusammenhalt unter Frauen. Sie hofft auf eine Zukunft, in der Frauen „sich gegenseitig den Rücken stärken“ und nicht mehr auf ihr Äußeres reduziert werden. Die Botschaft dieser acht Mütter ist ein klarer Auftrag an die Gesellschaft: Es gibt noch viel zu tun, bis ihre Töchter in einer wirklich gleichberechtigten Welt aufwachsen.





