Fast vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges haben viele Ukrainerinnen und Ukrainer in Salzburg eine neue Heimat gefunden. Aktuelle Zahlen zeigen ein positives Bild der Integration: Die Mehrheit der Geflüchteten ist berufstätig und finanziell unabhängig. Gleichzeitig sorgt ihr rechtlicher Status für politische Diskussionen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 4.000 ukrainische Flüchtlinge leben derzeit im Bundesland Salzburg.
- Etwa 70 Prozent von ihnen sind erwerbstätig und sorgen selbst für ihren Lebensunterhalt.
- Die Zahl der Personen in der Grundversorgung ist auf unter 1.200 gesunken, ein Rückgang von über 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
- Der Sonderstatus als „Vertriebene“ und dessen Auslegung führen zu politischen Debatten.
Hohe Erwerbstätigkeit und wirtschaftliche Eigenständigkeit
Im Bundesland Salzburg leben aktuell knapp 4.000 Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind. Ein Großteil von ihnen hat erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst. Rund 70 Prozent der ukrainischen Flüchtlinge sind mittlerweile erwerbstätig und können ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Unterstützung bestreiten.
Diese hohe Integrationsquote ist ein bemerkenswertes Zeichen für die Anpassungsfähigkeit der Geflüchteten und die Aufnahmefähigkeit der regionalen Wirtschaft. Die meisten finden eine Anstellung in Branchen mit hohem Personalbedarf.
Wo die meisten arbeiten
Die wichtigsten Sektoren für die Beschäftigung von ukrainischen Flüchtlingen in Salzburg sind:
- Hotellerie
- Gastronomie
- Handel
Diese Branchen profitieren von den neuen Arbeitskräften, während die Geflüchteten die Möglichkeit erhalten, sich eine stabile Existenz aufzubauen.
Weniger Menschen auf Grundversorgung angewiesen
Die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt spiegelt sich auch in den Zahlen der Grundversorgung wider. Die Anzahl der Ukrainerinnen und Ukrainer, die auf diese staatliche Unterstützung angewiesen sind, ist kontinuierlich gesunken.
Derzeit beziehen noch knapp 1.200 Personen Leistungen aus der Grundversorgung. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von mehr als zehn Prozent. Diese Entwicklung entlastet das Sozialsystem und unterstreicht die zunehmende Selbstständigkeit der Gemeinschaft.
Was ist die Grundversorgung?
Die Grundversorgung sichert die Bedürfnisse von hilfsbedürftigen Asylwerbern und anderen Schutzberechtigten in Österreich. Sie umfasst Unterkunft, Verpflegung, soziale, medizinische und psychologische Betreuung sowie ein Taschengeld.
Die sinkenden Zahlen sind ein klares Indiz dafür, dass die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer aktiv daran arbeiten, auf eigenen Beinen zu stehen und sich ein neues Leben in Salzburg aufzubauen.
Politische Debatte um den Schutzstatus
Trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung gibt es eine Debatte über den rechtlichen Status der Geflüchteten. Ukrainer gelten nicht als klassische Asylwerber, sondern haben einen besonderen Schutzstatus als „Vertriebene“. Dieser Status wurde von der EU aktiviert, um schnell und unbürokratisch Schutz zu gewähren.
Kritik an der aktuellen Regelung kommt vom Salzburger Soziallandesrat Wolfgang Fürweger (FPÖ). Er bemängelt, dass der Schutzstatus unabhängig von der Herkunftsregion innerhalb der Ukraine gewährt wird.
„Die Ukraine ist ein riesiges Land, in etwa doppelt so groß wie Deutschland. Und als Beispiel: Wenn in Schleswig-Holstein gekämpft werden würde, hätte ich als Münchner keine Notwendigkeit zu flüchten.“
Fürweger argumentiert, dass nicht alle Menschen, die aus der Ukraine kommen, aus direkt umkämpften Gebieten stammen. Er spricht von „Notreisenden“ aus der Westukraine, insbesondere aus der Community der Roma und Sinti, die seiner Ansicht nach von lokalen Behörden zur Ausreise ermutigt würden.
Ein weiterer Punkt seiner Kritik betrifft den Zugang zur Grundversorgung, der für diese Gruppe im Gegensatz zu anderen Asylwerbern zeitlich nicht beschränkt sei.
Die offene Frage der Zukunft
Während die Integration in den Arbeitsmarkt für viele Ukrainer in Salzburg eine Erfolgsgeschichte ist, bleibt ihre langfristige rechtliche Zukunft ungewiss. Der Schutzstatus für Vertriebene ist eine temporäre Lösung, die an die Dauer des Konflikts gekoppelt ist.
Für die Tausenden Menschen, die sich hier ein Leben aufgebaut haben, ihre Kinder in die Schule schicken und Teil der Gesellschaft geworden sind, stellt diese Unsicherheit eine große Belastung dar. Die Politik wird in den kommenden Monaten und Jahren Lösungen finden müssen, die sowohl der humanitären Verantwortung als auch den rechtlichen Rahmenbedingungen gerecht werden.
Die Situation zeigt ein Spannungsfeld auf: Einerseits die beeindruckende Eigeninitiative und der Integrationswille vieler Geflüchteter, andererseits die komplexen politischen und rechtlichen Fragen, die ihre Anwesenheit aufwirft. Die weitere Entwicklung wird entscheidend davon abhängen, wie diese Herausforderungen gemeistert werden.





