In Salzburg-Taxham sorgt die angekündigte Schließung eines Kleinkinder-Tagesheims für erhebliche Unruhe unter den betroffenen Familien. Die Einrichtung, die vom Land Salzburg betrieben wird, soll im Herbst 2027 endgültig ihre Türen schließen. Grund dafür ist der geplante Neubau eines sozialpädagogischen Zentrums an gleicher Stelle. Durch die Schließung gehen 36 dringend benötigte Betreuungsplätze für Kleinkinder verloren.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Tagesheim für Kleinkinder in Salzburg-Taxham schließt im Herbst 2027.
- Insgesamt 36 Betreuungsplätze für Kinder ab eineinhalb Jahren fallen weg.
- An dem Standort plant das Land den Neubau eines sozialpädagogischen Zentrums.
- Betroffene Eltern und die SPÖ äußern scharfe Kritik an der Entscheidung und der Informationspolitik.
Eltern in Sorge um die Zukunft
Die Nachricht von der Schließung wurde den Eltern in dieser Woche übermittelt und löste sofort große Besorgnis aus. Viele Familien sind auf die Betreuung angewiesen, insbesondere wegen der langen Öffnungszeiten von 06:30 bis 19:00 Uhr, die vor allem für Alleinerziehende und berufstätige Eltern eine wichtige Stütze darstellen.
Die Sorge gilt nicht nur dem Verlust des Betreuungsplatzes in eineinhalb Jahren, sondern auch der Qualität der Betreuung in der verbleibenden Zeit. Viele befürchten, dass das pädagogische Personal sich frühzeitig nach neuen Stellen umsehen wird, was zu einem Qualitätsverlust führen könnte.
„Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich verstehe jede einzelne Pädagogin, die sich jetzt gleich um einen neuen Job umsieht, die werden nach und nach gehen. Die Kinder werden vielleicht abgemeldet. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Betreuungsqualität aufrecht erhalten bleibt“, äußerte sich Yvonne Mittendorfer, eine betroffene Mutter, besorgt.
Unsicherheit bei der Suche nach Alternativen
Die Eltern stehen nun vor der Herausforderung, rechtzeitig einen neuen Betreuungsplatz zu finden. In einer Stadt, in der Kitaplätze ohnehin knapp sind, stellt dies eine erhebliche Belastung dar. Die frühzeitige Information durch das Land wird von vielen als unzureichend empfunden, da sie keine konkreten Alternativen oder Hilfestellungen beinhaltet.
Kritik aus der Politik
Auch von politischer Seite gibt es scharfe Kritik an der Vorgehensweise des Landes. Der designierte Landesparteichef der SPÖ, Peter Eder, wirft der Landesregierung vor, ihre Verantwortung in der Elementarbildung nicht wahrzunehmen.
„Das Land, das mit den Städten und den Gemeinden die Verantwortung der Elementarbildung trägt, entzieht dem Markt fast 40 Plätze und schreibt den Eltern, ‚kümmert euch selbst darum, fragt beim Magistrat an‘. Das kann nicht der Weg einer verantwortungsvollen Politik sein“, so Eder.
Zahlen im Überblick
- 36 Betreuungsplätze gehen verloren.
- 3 Gruppen für Kinder ab 1,5 Jahren sind betroffen.
- Die Einrichtung schließt im Herbst 2027.
Die SPÖ fordert vom Land, proaktiv Ersatzlösungen zu schaffen, anstatt die Verantwortung auf die Stadt Salzburg und die Eltern abzuwälzen.
Land verteidigt Pläne für neues Zentrum
Die zuständige Gesundheitslandesrätin Daniela Gutschi (ÖVP) verteidigt die Entscheidung und versucht, die Wogen zu glätten. Sie betont, dass die Eltern bewusst frühzeitig informiert wurden, um ihnen ausreichend Zeit für die Suche nach Alternativen zu geben.
„Daher schon diese frühzeitige Information, weil mir klar ist, dass das für die Eltern alles andere als einfach ist – mit der Hoffnung, dass man rasch auch entsprechende Maßnahmen von Seiten der Stadt auch treffen kann“, erklärte Gutschi. Sie hoffe, dass die Eltern gute Möglichkeiten für ihre Kinder finden und diese gut auf den Wechsel vorbereitet werden können.
Hintergrund: Das neue sozialpädagogische Zentrum
Der Neubau sei dringend notwendig, da das bestehende sonderpädagogische Zentrum veraltet und teilweise nicht mehr nutzbar ist. Der Baubeginn ist in zwei Jahren geplant. Das neue Zentrum soll eine spezialisierte Einrichtung werden zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit komplexen gesundheitlichen Problemen, Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Zusätzlich ist eine Primärversorgungseinrichtung für Kinder und Jugendliche geplant.
Ein notwendiges Projekt mit hohen sozialen Kosten
Während die Notwendigkeit des neuen Zentrums unbestritten ist, bleibt die Frage offen, warum dafür bestehende und gut funktionierende Kinderbetreuungsplätze ersatzlos gestrichen werden. Die Landesrätin argumentiert mit der Dringlichkeit des Neubaus, doch für die 36 betroffenen Familien bedeutet dies eine unsichere Zukunft und einen weiteren Engpass im ohnehin angespannten Betreuungsangebot der Stadt Salzburg.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Stadt Salzburg in der Lage ist, den Wegfall dieser Plätze zu kompensieren und den betroffenen Eltern eine verlässliche Perspektive zu bieten.





