Die Stadt Salzburg schafft eine neue Anlaufstelle für Menschen in akuten finanziellen Notlagen. Ein mit 100.000 Euro dotierter Unterstützungsfonds, kurz „UFO“ genannt, soll ab sofort schnelle und unbürokratische Hilfe leisten, wo bestehende Sozialleistungen nicht ausreichen. Der Fonds bündelt bisherige Hilfsmaßnahmen und ersetzt den während der Pandemie eingerichteten Härtefallfonds.
Die Entscheidung für die Einführung des neuen Instruments soll kommende Woche im städtischen Sozialausschuss fallen. Ziel ist es, gezielt dort zu helfen, wo unerwartete Kosten für armutsgefährdete Personen eine unüberwindbare Hürde darstellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadt Salzburg plant einen neuen Unterstützungsfonds („UFO“) mit einem jährlichen Budget von 100.000 Euro.
- Der Fonds soll Menschen in unvorhersehbaren Notlagen schnell und unbürokratisch helfen.
- Voraussetzung für die Hilfe ist der Besitz einer „Aktiv-Card“, die einkommensschwache Personen erhalten.
- Anträge können ausschließlich von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern gestellt werden, um Missbrauch vorzubeugen.
- Der neue Fonds bündelt mehrere bestehende Hilfsmaßnahmen und ersetzt den Corona-Härtefallfonds.
Ein Sicherheitsnetz für unvorhersehbare Krisen
Im Alltag von armutsgefährdeten Menschen können schon kleine, unerwartete Ausgaben zu einer großen Krise führen. Eine kaputte Waschmaschine, eine dringende Zahnbehandlung oder die Kosten für eine notwendige Therapie für ein Kind – oft fehlen die Mittel, um solche Situationen zu bewältigen. Die herkömmlichen Sozialleistungen sind zwar eine wichtige Stütze, decken aber nicht immer diese spezifischen Notfälle ab.
Genau hier soll der neue Unterstützungsfonds der Stadt Salzburg ansetzen. Er wurde konzipiert, um Lücken im sozialen Netz zu schließen und Betroffenen in akuten Notsituationen zur Seite zu stehen.
Vom Härtefallfonds zum „UFO“
Der neue Unterstützungsfonds ist keine gänzlich neue Idee, sondern eine Weiterentwicklung. Er tritt an die Stelle des Härtefallfonds, der während der Coronavirus-Pandemie ins Leben gerufen wurde, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise für Einzelpersonen und Familien abzufedern. Die Erfahrungen aus dieser Zeit zeigten, dass ein flexibles Instrument für schnelle Hilfe auch nach der Pandemie dringend benötigt wird. Der „UFO“ bündelt nun diese und andere bereits bestehende Unterstützungsleistungen, wie etwa Hilfen für Familien bei den Kosten für Kinderbetreuung oder Schulessen, unter einem Dach.
Konkrete Hilfe statt bürokratischer Hürden
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im städtischen Sozialamt kennen die Fälle, in denen das System an seine Grenzen stößt. Isabel Bojanovsky von der Sozialabteilung schildert konkrete Beispiele aus der Praxis, die mit dem neuen Fonds gelöst werden könnten.
„Wir brauchen für eine Seniorin die Einrichtung einer Rufhilfe und für diese paar hundert Euro fehlt das Geld. Wir haben die Fälle, dass ein Kind eine notwendige Therapie braucht und der Selbstkostenbeitrag nicht übernommen wird. Und auch diese Fälle können wir künftig über den Unterstützungsfonds beantragen.“
Diese Beispiele zeigen, dass es oft nicht um riesige Summen geht, sondern um gezielte finanzielle Unterstützung, die eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität bewirken oder eine Notsituation abwenden kann. Der Fonds soll genau diese unbürokratische Hilfe ermöglichen.
Klare Regeln für die Vergabe
Um sicherzustellen, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird, wurden klare Kriterien für die Vergabe der Mittel aus dem Unterstützungsfonds festgelegt. Der Prozess ist bewusst einfach gehalten, um schnelle Entscheidungen zu ermöglichen, enthält aber gleichzeitig mehrere Kontrollmechanismen.
Jährliches Budget von 100.000 Euro
Die Stadt Salzburg stellt für den neuen Unterstützungsfonds ein jährliches Budget in der Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung. Diese Summe soll sicherstellen, dass über das Jahr verteilt zahlreichen Menschen in Not geholfen werden kann.
Wer kann die Hilfe beantragen?
Die Beantragung der Mittel erfolgt nicht durch die Betroffenen selbst, sondern ausschließlich durch professionelle Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Dieses Vorgehen hat zwei wesentliche Vorteile:
- Fachliche Einschätzung: Die Sozialarbeiter kennen die Situation der Betroffenen genau und können den Bedarf professionell beurteilen.
- Verhinderung von Missbrauch: Durch die Antragstellung durch Fachpersonal wird sichergestellt, dass die Gelder zweckgebunden und gerechtfertigt eingesetzt werden.
Eine weitere zentrale Voraussetzung ist der Besitz der sogenannten „Aktiv-Card“. Diese Karte wird nur an Personen ausgegeben, deren Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt. Sie dient somit als offizieller Nachweis der Bedürftigkeit.
Zudem ist die Hilfe aus dem Fonds auf eine einmalige Unterstützung pro Person und Jahr begrenzt. Damit soll gewährleistet werden, dass möglichst viele verschiedene Personen von dem Angebot profitieren können und der Fonds nicht für laufende Kosten verwendet wird, sondern tatsächlich für akute Notlagen.
Politische Unterstützung für den Fonds
Die Einführung des Unterstützungsfonds wird von der Politik breit mitgetragen. Sozialstadträtin Andrea Brandner (SPÖ) zeigt sich zuversichtlich, dass der Beschluss im Sozialausschuss kommende Woche eine klare Mehrheit finden wird.
„Wir bündeln ja einige Maßnahmen, die wir in der Stadt schon haben – mit dem Härtefallfonds. Es hat bei uns auch immer wieder Unterstützungen für Familien gegeben, die zum Beispiel das Kinderbetreuungsgeld oder das Essensgeld nicht zahlen konnten. Das wird jetzt alles in diesem Unterstützungsfonds gebündelt.“
Die Bündelung der Maßnahmen soll nicht nur die Verwaltung vereinfachen, sondern auch die Transparenz erhöhen. Statt vieler kleiner, verstreuter Töpfe gibt es nun eine zentrale Anlaufstelle für unvorhergesehene finanzielle Notlagen.
Mit dem „UFO“ schafft die Stadt Salzburg ein wichtiges Instrument, das als letztes Sicherheitsnetz dient. Es zeigt, dass die Stadtverwaltung die Realitäten armutsgefährdeter Menschen ernst nimmt und bereit ist, pragmatische und schnelle Lösungen anzubieten, wenn das reguläre soziale System an seine Grenzen stößt.





