Auf Salzburgs Autobahnen kommunizieren bereits Tausende Fahrzeuge miteinander und mit der Infrastruktur, um den Verkehr sicherer zu machen. Diese als C-ITS bekannte Technologie warnt vor Gefahren wie Unfällen oder Pannen. Während die ASFINAG und das Rote Kreuz die Systeme erfolgreich einsetzen, hinkt der Ausbau im städtischen Bereich noch hinterher.
Die Technologie, die eine wesentliche Rolle für die Mobilität der Zukunft spielen soll, steht vor der Herausforderung, von der Autobahn in die komplexen Verkehrssysteme der Städte integriert zu werden. Experten sehen hier großes Potenzial, betonen aber auch den fehlenden konkreten Plan für eine flächendeckende Umsetzung.
Wichtige Erkenntnisse
- Auf Salzburgs Autobahnen sind bereits rund 8.000 Fahrzeuge mit C-ITS-Technologie unterwegs.
- Die ASFINAG hat 50 Systeme entlang der Autobahnen und in 20 Einsatzfahrzeugen installiert.
- Das Rote Kreuz Salzburg nutzt die Technologie in drei Fahrzeugen und berichtet von erhöhter Sicherheit.
- Während die Autobahn-Infrastruktur fortschreitet, fehlt für Stadt und Land Salzburg ein konkreter Ausbauplan.
- Automobilhersteller wie VW beginnen, die Technologie serienmäßig in neuen Modellen zu verbauen.
Kommunikation auf der Autobahn erhöht die Sicherheit
Die Zukunft des Fahrens hat auf Salzburgs Autobahnen bereits begonnen. Das System mit dem Namen „Cooperative Intelligent Transport Systems“, kurz C-ITS, ermöglicht einen direkten Datenaustausch zwischen Fahrzeugen und der Straßeninfrastruktur. Die ASFINAG hat hier eine Vorreiterrolle übernommen und bereits rund 50 dieser intelligenten Einheiten entlang der Autobahnen im Bundesland installiert.
Diese Systeme senden Warnungen direkt an entsprechend ausgestattete Fahrzeuge. Nähert sich ein Fahrer beispielsweise einer ungesicherten Unfallstelle, einem Pannenfahrzeug oder einer mobilen Baustelle, erscheint eine frühzeitige Warnung auf dem Display im Auto. Dadurch bleibt mehr Zeit, um die Geschwindigkeit anzupassen und vorsichtig zu agieren.
Patrick Wunder von der ASFINAG erklärt, dass auch die eigenen Einsatzfahrzeuge maßgeblich zur Sicherheit beitragen. „In Salzburg sind es rund um die 20, die dann zum Einsatz kommen – etwa bei Unfällen, Pannen, aber auch zur Absicherung bei mobilen Baustellen“, so Wunder. Diese Fahrzeuge senden kontinuierlich Signale aus, die andere Verkehrsteilnehmer warnen.
Zahlen und Fakten
In ganz Österreich sind derzeit etwa 60.000 Fahrzeuge mit C-ITS-Technologie ausgestattet. Davon sind allein 8.000 auf den Autobahnen in Salzburg unterwegs. Diese Zahl dürfte in den kommenden Jahren stark ansteigen.
Das Rote Kreuz als Vorreiter im Einsatz
Nicht nur die ASFINAG, sondern auch das Rote Kreuz in Salzburg hat das Potenzial dieser Technologie früh erkannt. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden vor einigen Jahren drei Einsatzfahrzeuge mit C-ITS ausgestattet. Die Erfahrungen sind durchweg positiv und zeigen den direkten Nutzen für die Sicherheit von Sanitätern und Patienten.
Stefan Soucek, Rettungsdienst-Leiter beim Roten Kreuz Salzburg, betont die Vorteile des Systems im täglichen Einsatz.
„Für uns ist es ganz wichtig, dass wir die Einsatzfahrten für unsere Mitarbeiter und Patienten einfach immer sicherer machen. Dieses System hat einen großen Beitrag dazu geleistet und leistet ihn wahrscheinlich auch in der Zukunft, weil die anderen Verkehrsteilnehmer dadurch wesentlich früher über herannahende Einsatzfahrzeuge informiert werden.“
Durch die automatische Warnung an andere Fahrzeuge wird eine Rettungsgasse früher gebildet und das Risiko von Kollisionen bei Einsatzfahrten sinkt. Das Rote Kreuz plant daher, bei einer breiteren Verfügbarkeit der Technologie weitere Fahrzeuge auszustatten. „Wenn die Automobilindustrie eine Serienproduktion möglich macht, dann ist das natürlich auch für uns sehr wichtig, dass unsere Einsatzfahrzeuge damit ausgestattet sind“, fügt Soucek hinzu.
Die Vision für den Stadtverkehr
Während die Technologie auf den Autobahnen bereits etabliert ist, liegt ihr größtes Potenzial noch im urbanen Raum. Experten sehen hier die Möglichkeit, den Verkehrsfluss grundlegend zu verbessern und die Effizienz zu steigern. Michael Kocher, Direktor des ÖAMTC Salzburg, beschreibt eine mögliche Anwendung.
„Die Systeme sollen künftig weit mehr können, sodass sie mit Ampelsystemen kommunizieren. Sprich, wenn ich in die Stadt hineinfahre, dass es mir am Display schon anzeigt, wann die Ampel wieder auf grün schaltet“, erklärt Kocher. Fahrer könnten so ihre Geschwindigkeit anpassen, um eine „grüne Welle“ zu nutzen. Dies würde nicht nur den Verkehrsfluss verbessern, sondern auch den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen reduzieren.
Wie funktioniert C-ITS?
C-ITS basiert auf einer speziellen WLAN-Technologie (ITS-G5), die eine direkte und schnelle Kommunikation zwischen Fahrzeugen (Car-to-Car) und zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur (Car-to-Infrastructure) ermöglicht. Im Gegensatz zu Mobilfunknetzen ist diese Kommunikation nahezu verzögerungsfrei, was für sicherheitsrelevante Warnungen entscheidend ist.
Ein weiteres Beispiel ist die Warnung vor einem Stauende hinter einer Kurve oder die Information über freie Parkplätze in der Nähe. Auch normale Serienfahrzeuge tragen bereits zum System bei: Aktiviert ein Fahrer die Warnblinkanlage, wird diese Information an andere Fahrzeuge in der Umgebung weitergeleitet.
Die Hürden der Umsetzung in der Stadt
Trotz der vielversprechenden Zukunftsvisionen stockt der Ausbau der C-ITS-Technologie in den urbanen Gebieten Salzburgs. Im Rahmen des früheren Forschungsprojekts wurden zwar nicht nur die Fahrzeuge des Roten Kreuzes, sondern auch einige Straßensysteme von Stadt und Land Salzburg ausgerüstet. Aktiv genutzt werden diese jedoch größtenteils nicht.
Sowohl vonseiten der Stadt als auch des Landes Salzburg heißt es, dass derzeit ein konkreter Plan für den flächendeckenden Ausbau und den Einsatz der Systeme in den kommenden Jahren fehlt. Die Komplexität des Stadtverkehrs mit Fußgängern, Radfahrern und öffentlichen Verkehrsmitteln stellt eine größere Herausforderung dar als der relativ homogene Autobahnverkehr.
Der Ball liegt bei der Automobilindustrie
Ein entscheidender Faktor für die breite Einführung ist die Automobilindustrie. Je mehr Fahrzeuge serienmäßig mit der Technologie ausgestattet sind, desto größer wird der Nutzen für alle Verkehrsteilnehmer. Laut Michael Kocher vom ÖAMTC ist hier eine positive Entwicklung zu beobachten.
„Das ist ein zukunftsbestimmendes Thema, das auch in den Autos immer mehr eingebaut werden wird. VW etwa baut die Technologie flächendeckend aus“, so Kocher. Er schätzt, dass das System in den kommenden fünf bis zehn Jahren in der breiten Masse der Neuwagen ankommen wird. Einige Modelle, insbesondere aus dem Volkswagen-Konzern, haben die Technologie bereits heute serienmäßig an Bord.
Bis die kritische Masse erreicht ist und auch die städtische Infrastruktur nachzieht, wird die intelligente Kommunikation auf Salzburgs Straßen vorerst primär auf den Autobahnen stattfinden. Der Grundstein für eine sicherere und effizientere Mobilität ist jedoch gelegt.


