Der Jahreswechsel rückt näher und während viele Menschen sich auf Feuerwerke freuen, bedeutet die laute Knallerei für unzählige Haus- und Wildtiere puren Stress. Die plötzlichen, lauten Geräusche, grellen Lichtblitze und der unbekannte Rauch versetzen viele Tiere in Angst und Panik. Tierschutzorganisationen und Experten appellieren daher an die Bevölkerung, Rücksicht zu nehmen und geben wertvolle Tipps, wie Tierhalter ihren Lieblingen einen möglichst ruhigen Start ins neue Jahr ermöglichen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Feuerwerkslärm löst bei vielen Haus- und Wildtieren starken Stress und Panik aus.
- Sichere Rückzugsorte in der Wohnung sind für Hunde, Katzen und Kleintiere essenziell.
- Tierhalter sollten selbst Ruhe ausstrahlen, um ihre Tiere nicht zusätzlich zu verunsichern.
- Freigänger-Katzen und Hunde sollten am Silvestertag im Haus bzw. an der Leine bleiben.
- Auch Wildtiere leiden massiv unter der Böllerei, was zu lebensgefährlichen Fluchtreaktionen führen kann.
Warum Silvester für Tiere so belastend ist
Für uns Menschen ist es ein kurzes Spektakel, doch für Tiere mit ihrem feinen Gehör ist der Lärm von Böllern und Raketen oft unerträglich. Die explosiven Geräusche sind um ein Vielfaches lauter als das, was sie aus ihrem Alltag kennen. Hinzu kommen die unvorhersehbaren Lichtblitze am Himmel, die sie nicht einordnen können. Diese Kombination aus Lärm und visuellen Reizen führt zu einer akuten Stressreaktion.
Wildtiere wie Rehe, Füchse oder Vögel werden aus ihrem Winterschlaf oder ihrer Nachtruhe gerissen und reagieren oft mit panischer Flucht. Dies kann zu Unfällen auf Straßen führen oder dazu, dass die Tiere wertvolle Energiereserven verbrauchen, die sie für den Winter dringend benötigen. Bezirksjägermeister betonen immer wieder, dass dieser Stress für Wildtiere lebensbedrohlich sein kann.
Ein Appell für ein ruhigeres Silvester
Immer mehr Organisationen setzen sich für einen bewussteren Umgang mit Feuerwerk ein. Hermann Aigner, Geschäftsführer von Fressnapf Österreich, spricht sich klar für eine möglichst feuerwerksfreie Gestaltung des Jahreswechsels aus. „Je mehr Organisationen auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen, desto größer ist die Chance auf echte Veränderung – zum Schutz der Tiere“, so Aigner. Er weist auch auf die Müllmengen hin, die in der Natur zurückbleiben und eine zusätzliche Gefahr für Tiere darstellen.
Praktische Tipps für Hundebesitzer
Hunde leiden oft besonders stark unter der Silvesterknallerei. Ihre empfindlichen Ohren nehmen die Geräusche viel intensiver wahr. Mit der richtigen Vorbereitung können Sie Ihrem Hund jedoch helfen, die Nacht besser zu überstehen.
Die richtige Umgebung schaffen
Der wichtigste Schritt ist die Schaffung einer sicheren Umgebung. Schließen Sie Fenster, Türen und lassen Sie die Rollläden herunter, um Lärm und Lichtblitze so gut wie möglich auszusperren. Eine vertraute Geräuschkulisse, wie leise Musik oder ein laufender Fernseher, kann helfen, die Knallgeräusche von draußen zu überdecken.
Richten Sie Ihrem Hund einen sicheren Rückzugsort ein. Das kann eine Transportbox, eine Höhle unter dem Tisch oder ein Platz im Keller sein. Legen Sie seine Lieblingsdecke und ein vertrautes Spielzeug hinein. Wichtig ist, dass die Tür offen bleibt, damit er sich nicht eingesperrt fühlt und jederzeit Ihre Nähe suchen kann.
Spaziergänge an Silvester
Planen Sie die letzte große Gassi-Runde für den späten Nachmittag, bevor die intensive Knallerei beginnt. Führen Sie Ihren Hund dabei unbedingt an der Leine, auch wenn er sonst zuverlässig abrufbar ist. Ein unerwarteter Knall kann selbst den ruhigsten Hund in Panik versetzen und zur Flucht verleiten.
Wie Sie sich als Halter verhalten sollten
Ihre eigene Ruhe ist entscheidend. Wenn Sie nervös sind, überträgt sich das auf Ihren Hund. Bleiben Sie gelassen und ignorieren Sie das Feuerwerk so gut es geht. Sucht Ihr Hund Ihre Nähe, streicheln Sie ihn ruhig, aber vermeiden Sie übermäßiges Trösten. Mitleid und besorgte Worte bestätigen ihn in seiner Angst, dass etwas Schlimmes passiert.
"Trost ist die Bestätigung für das Tier, dass etwas Schlimmes im Gange ist. Besser ist es, durch ruhiges Verhalten Sicherheit zu vermitteln."
Lassen Sie einen ängstlichen Hund in dieser Nacht niemals allein. Ihre Anwesenheit gibt ihm die größte Sicherheit.
So kommen Katzen gut durch die Nacht
Auch für Katzen ist Silvester eine Herausforderung. Obwohl sie ihre Angst oft subtiler zeigen als Hunde, leiden sie ebenso unter dem Lärm.
- Hausarrest für Freigänger: Holen Sie Ihre Katze unbedingt rechtzeitig ins Haus und lassen Sie sie bis zum nächsten Tag nicht mehr nach draußen. Die Gefahr, dass sie in Panik flieht und sich verirrt, ist zu groß.
- Versteckmöglichkeiten anbieten: Katzen lieben es, sich zu verstecken. Eine gemütliche Höhle im Schrank, ein Karton mit einer Decke oder ein Platz unter dem Bett können willkommene Rückzugsorte sein.
- Fenster abdunkeln: Schließen Sie auch hier Vorhänge oder Rollläden, um die beunruhigenden Lichteffekte zu minimieren.
- Natürliche Beruhigungsmittel: Pflanzliche Mittel wie Bachblüten (Rescue-Tropfen) können unterstützend wirken. Beginnen Sie mit der Gabe am besten schon einige Tage vor Silvester, damit sich die Wirkung entfalten kann.
Schutz für Kleintiere und Vögel
Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Vögel reagieren ebenfalls sehr empfindlich auf den Lärm. Ihr Gehege sollte in einem möglichst ruhigen, dem Feuerwerk abgewandten Raum stehen.
Eine Decke, die über den Käfig gelegt wird, kann sowohl Geräusche als auch Lichtblitze dämpfen. Achten Sie dabei aber unbedingt auf eine ausreichende Luftzufuhr. Kleintiere, die in Außengehegen leben, sollten nach Möglichkeit für die Silvesternacht ins Haus oder in einen geschützten Schuppen umgesiedelt werden.
Beruhigende Kräuter
Einige Kräuter haben eine beruhigende Wirkung und können am Silvesterabend in kleinen Mengen verfüttert werden. Dazu gehören Melisse, Kamille, Dill und Thymian. Dies kann Kleintieren helfen, sich zu entspannen.
Ein rücksichtsvoller Umgang mit Feuerwerk schützt nicht nur unsere eigenen Haustiere, sondern auch die unzähligen Wildtiere in unserer Umgebung. Ein ruhigerer Jahreswechsel ist ein Gewinn für Mensch, Tier und Umwelt.





