In der Salzburger Kaigasse haben die Behörden einen sofortigen Baustopp für ein Luxuswohnprojekt verhängt. Bei dem Vorhaben, hinter dem ein Konsortium aus dem Umfeld von Mark Mateschitz steht, wurde ein geschütztes Altstadthaus fast vollständig abgerissen, obwohl nur Teilabbrüche genehmigt waren. Von dem Gebäude mit der Hausnummer 28 steht nur noch die Fassade.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein geschütztes Haus in der Salzburger Kaigasse wurde bis auf die Außenmauern abgerissen.
- Die Behörden haben einen sofortigen Baustopp verhängt, da die Arbeiten weit über die Genehmigung hinausgingen.
- Das Projekt zur Errichtung von Luxuswohnungen wird von einem Konsortium aus dem Umfeld von Mark Mateschitz betrieben.
- Den Bauherren drohen nun Verzögerungen und eine Geldstrafe.
Umfassender Abriss statt genehmigter Sanierung
An der Adresse Kaigasse 28 bietet sich Passanten ein ungewöhnliches Bild. Die historische Fassade des Gebäudes wird von einem massiven Stahlskelett gestützt. Dahinter klafft eine Lücke – das gesamte Innenleben des Hauses wurde entfernt.
Untersuchungen der Baubehörde ergaben, dass sämtliche Geschoßdecken vom Erdgeschoß bis in den fünften Stock sowie alle Innenwände entfernt wurden. Dies stellt einen massiven Eingriff in die Bausubstanz dar, der weit über die erteilte Genehmigung hinausgeht.
Ursprünglich waren lediglich Teilabbrüche im Rahmen einer Sanierung und des Umbaus zu Luxuswohnungen erlaubt. Der nun erfolgte Kahlschlag des Gebäudekerns war von dieser Genehmigung nicht gedeckt und stellt einen klaren Verstoß gegen die Bauvorschriften dar.
Schutz der Salzburger Altstadt
Die Salzburger Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Bauvorhaben unterliegen hier besonders strengen Auflagen, um das historische Erscheinungsbild und die schützenswerte Bausubstanz zu erhalten. Jeder Eingriff muss detailliert genehmigt werden, insbesondere bei Gebäuden, die unter Ensembleschutz stehen.
Behörden reagieren mit sofortigem Baustopp
Nachdem das Ausmaß der nicht genehmigten Abrissarbeiten bekannt wurde, handelte die zuständige Baubehörde umgehend. Sie ordnete einen sofortigen Stopp aller Arbeiten auf der Baustelle an. Damit soll verhindert werden, dass weitere irreversible Fakten geschaffen werden.
Derzeit wird geprüft, welche rechtlichen Schritte gegen die Bauherren eingeleitet werden. Im Raum stehen ein Verwaltungsstrafverfahren und die Anordnung, die Baumaßnahmen an die ursprüngliche Genehmigung anzupassen, was technisch kaum mehr möglich erscheint.
Ein prominentes Projektkonsortium
Hinter dem Bauprojekt steht ein Konsortium, das Verbindungen in das Umfeld des Red-Bull-Erben Mark Mateschitz hat. Geplant war die Errichtung von exklusiven Luxuswohnungen in bester Altstadtlage. Durch den Baustopp gerät dieser Zeitplan nun ins Wanken.
Die Vorgehensweise auf der Baustelle wirft Fragen auf, ob bewusst Fakten geschaffen werden sollten, um die ursprünglichen Pläne doch noch umsetzen zu können. Solche Taktiken sind im Baugewerbe nicht unbekannt, stoßen aber bei geschützten Objekten auf besonders strikten Widerstand der Behörden.
Fakten zum Gebäude Kaigasse 28
- Status: Geschütztes Gebäude in der Salzburger Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe)
- Genehmigung: Nur für Teilabbrüche im Inneren
- Tatsächlicher Zustand: Vollständige Entkernung, nur die Fassade steht noch
- Stockwerke: Erdgeschoß bis 5. Obergeschoß betroffen
Mögliche Konsequenzen und die Debatte um Strafen
Für die Bauherren hat der illegale Abriss unmittelbare Folgen. Neben der Verzögerung des gesamten Projekts droht eine empfindliche Geldstrafe. Die Höhe der Strafe wird im Rahmen des Verwaltungsstrafverfahrens festgelegt.
Experten weisen jedoch darauf hin, dass die gesetzlichen Sanktionsmöglichkeiten oft als überschaubar gelten, insbesondere im Vergleich zum potenziellen Gewinn bei Luxusimmobilienprojekten. Kritiker fordern daher seit Längerem eine Verschärfung der Strafen, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen und den Schutz des Kulturerbes sicherzustellen.
"Fälle wie dieser zeigen, wie verletzlich unser architektonisches Erbe ist. Es braucht konsequentes Handeln und Strafen, die wirklich wehtun, damit sich so etwas nicht wiederholt", so ein lokaler Denkmalschützer, der anonym bleiben möchte.
Der Vorfall in der Kaigasse hat die Diskussion über den Umgang mit historischer Bausubstanz in Salzburg neu entfacht. Die Entscheidung der Behörden in diesem Fall wird als wegweisend für den zukünftigen Altstadtschutz angesehen. Es bleibt abzuwarten, ob der entstandene Schaden rückgängig gemacht werden kann und welche langfristigen Lehren aus diesem dreisten Vorgehen gezogen werden.





