In Salzburg steht eine der größten Landesimmobilien vor einer ungewissen Zukunft. Mit dem bevorstehenden Umzug der Landesmitarbeiter in das neue Dienstleistungszentrum wird das markante Amtsgebäude in der Michael-Pacher-Straße 36 frei. Eine Gruppe von Architekten bringt nun eine klare Vision ins Spiel: Statt das Gebäude abzureißen, soll es zu dringend benötigtem Wohnraum umgebaut werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Landesamtsgebäude in der Michael-Pacher-Straße 36 wird Ende 2026/Anfang 2027 leer stehen.
- Eine Architektengruppe schlägt vor, den bestehenden Bau in Wohnungen umzuwandeln.
- Sie argumentieren, dass ein Umbau ökologisch und wirtschaftlich sinnvoller sei als ein Abriss mit anschließendem Neubau.
- Die Initiative will die Debatte über die Nachnutzung der prominenten Liegenschaft neu ausrichten.
Ein Verwaltungsriese sucht eine neue Bestimmung
Das Landesdienstleistungszentrum am Salzburger Hauptbahnhof nähert sich seiner Fertigstellung. Ende des Jahres werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesverwaltung ihre Büros in der Michael-Pacher-Straße verlassen und in den modernen Neubau umziehen. Damit wird ein großes Areal in einer attraktiven Lage frei, was eine intensive politische und stadtplanerische Diskussion über die Zukunft des Geländes ausgelöst hat.
Das Gebäude, das über Jahrzehnte ein zentraler Anlaufpunkt für Bürgerangelegenheiten war, steht ab Anfang 2027 leer. Die Frage, die sich nun stellt, ist, was mit der massiven Baustruktur geschehen soll. Während in politischen Kreisen verschiedene Optionen diskutiert werden, darunter auch ein kompletter Abriss und Neubau, formiert sich Widerstand aus der Fachwelt.
Hintergrund: Der Umzug der Landesverwaltung
Der Neubau des Landesdienstleistungszentrums in der Nähe des Hauptbahnhofs ist eines der größten Infrastrukturprojekte des Landes Salzburg in den letzten Jahren. Ziel ist es, verschiedene Abteilungen unter einem Dach zu bündeln, um die Effizienz zu steigern und den Bürgerservice zu modernisieren. Der Auszug aus älteren Gebäuden wie jenem in der Michael-Pacher-Straße ist eine direkte Folge dieser Zentralisierung.
Architekten-Initiative gegen die Abrissbirne
Eine Gruppe engagierter Salzburger Architekten hat sich zusammengeschlossen, um eine Alternative zum Abriss aufzuzeigen. Ihr Vorschlag sieht vor, die solide Bausubstanz des Amtsgebäudes zu erhalten und es in ein modernes Wohnhaus umzuwandeln. Sie planen, einen detaillierten Nachweis vorzulegen, der belegen soll, dass diese Vorgehensweise sowohl ökonomisch als auch ökologisch die überlegene Variante ist.
Die zentralen Argumente der Initiative konzentrieren sich auf die Nachhaltigkeit. Ein Abriss würde nicht nur enorme Mengen an Bauschutt produzieren, sondern auch die im Gebäude gebundene „graue Energie“ vernichten. Diese Energie umfasst den gesamten Aufwand, der ursprünglich für die Herstellung der Baustoffe und die Errichtung des Gebäudes notwendig war.
„Ein Abriss wäre eine massive Verschwendung von Ressourcen und eine verpasste Chance für die Stadtentwicklung. Wir haben die Verantwortung, bestehende Strukturen intelligent weiterzuentwickeln, anstatt sie einfach zu beseitigen“, so ein Sprecher der Architektengruppe.
Ökologische und wirtschaftliche Vorteile im Fokus
Der ökologische Fußabdruck eines Umbaus ist laut den Experten deutlich geringer als der eines Abrisses mit anschließendem Neubau. Die Herstellung von Zement, Stahl und anderen Baumaterialien ist extrem energieintensiv und verursacht hohe CO2-Emissionen. Durch die Weiternutzung des Rohbaus könnten diese Emissionen maßgeblich reduziert werden.
Auch aus wirtschaftlicher Sicht sehen die Architekten Vorteile. Obwohl ein Umbau ebenfalls Investitionen erfordert, könnten die Gesamtkosten unter jenen für einen kompletten Neubau liegen. Vor allem die Kosten für den Abbruch, den Abtransport des Materials und die Errichtung eines neuen Fundaments würden entfallen.
Was ist „Graue Energie“?
Als „graue Energie“ wird die Energiemenge bezeichnet, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird. Im Bauwesen macht sie einen erheblichen Teil der Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes aus. Die Erhaltung von Bestandsbauten ist daher ein wichtiger Hebel für den Klimaschutz im Bausektor.
Neuer Wohnraum für Salzburg
Der Vorschlag der Architekten trifft einen wunden Punkt in Salzburg: den Mangel an leistbarem Wohnraum. Die Umwandlung eines großen Verwaltungsgebäudes in Wohnungen könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten. Die großzügigen Grundrisse und die stabile Struktur des ehemaligen Amtsgebäudes bieten laut den Planern eine ideale Grundlage für die Schaffung vielfältiger Wohnungsgrößen – von kleinen Einheiten für Singles bis hin zu größeren Familienwohnungen.
Die Initiative möchte aufzeigen, wie durch kreative Planung und moderne Architekturkonzepte aus einem funktionalen Bürogebäude ein attraktiver und lebenswerter Wohnort entstehen kann. Denkbar wären auch Gemeinschaftsflächen, Grünanlagen auf dem Dach oder die Integration von kleineren Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss, um ein lebendiges Quartier zu schaffen.
- Vorteile des Umbaus:
- Schaffung von Wohnraum: Direkte Antwort auf die hohe Nachfrage in Salzburg.
- Ressourcenschonung: Erhalt der „grauen Energie“ und Reduzierung von Bauschutt.
- Kostenersparnis: Potenziell geringere Gesamtkosten im Vergleich zu Abriss und Neubau.
- Schnellere Realisierung: Ein Umbau könnte schneller abgeschlossen sein als ein komplettes Neubauprojekt.
Politische Weichenstellung erforderlich
Die Zukunft der Liegenschaft in der Michael-Pacher-Straße ist letztlich eine politische Entscheidung. Die Diskussion über die beste Nachnutzung hat bereits begonnen und wird in den kommenden Monaten an Fahrt aufnehmen. Der Vorstoß der Architektengruppe liefert nun eine fundierte Grundlage, um die Option des Umbaus ernsthaft zu prüfen.
Es bleibt abzuwarten, wie die politischen Entscheidungsträger auf die Initiative reagieren werden. Die Argumente für eine nachhaltige und ressourcenschonende Stadtentwicklung gewinnen jedoch gesamtgesellschaftlich an Bedeutung. Das Projekt könnte somit zu einem Vorzeigemodell für den Umgang mit leerstehenden Verwaltungsbauten in ganz Österreich werden.





