In der oft von Männern dominierten Welt der Architektur und des Baumanagements hat sich eine Salzburgerin an die Spitze gearbeitet. Nicole Rumpler, aufgewachsen in Bad Vigaun, leitet heute als Geschäftsführerin für Westösterreich bei Drees & Sommer einige der bedeutendsten Bauvorhaben der Region, darunter die neue Firmenzentrale von Aldi Süd und das ambitionierte Projekt „Festspielbezirk 2030“.
Ihr Weg zeigt, wie durch Fachwissen, Vielseitigkeit und Entschlossenheit traditionelle Branchengrenzen überwunden werden können. Rumpler steuert Projekte, die das Gesicht von Salzburg und Tirol nachhaltig prägen werden, und beweist dabei, dass Kompetenz das entscheidende Kriterium für Erfolg ist.
Die wichtigsten Fakten
- Nicole Rumpler ist Geschäftsführerin für Westösterreich beim internationalen Projektmanager Drees & Sommer.
- Sie leitet Schlüsselprojekte wie die neue Aldi Süd Zentrale in Salzburg und den „Festspielbezirk 2030“.
- Ihre Karriere führte sie von der Architekturplanung über die Bauausführung bis hin zur Projektentwicklung in verschiedenen Branchen.
- Rumpler betont, dass Kompetenz und Wissen entscheidend sind, um sich in der Baubranche durchzusetzen.
Ein unkonventioneller Weg in die Technik
Obwohl eine Lehrerin ihr einst riet, ihrer künstlerischen Ader zu folgen und Bühnenbildnerin zu werden, entschied sich Nicole Rumpler nach der Matura für einen anderen Weg. Sie wollte Technisches und Künstlerisches verbinden und inskribierte sich für das Architekturstudium an der Technischen Universität (TU) in Wien.
Der Start war eine Herausforderung. „Ich hatte keinen Schimmer, was die HTL-Absolventen schon alles konnten“, erinnert sie sich. Fächer wie darstellende Geometrie waren für sie Neuland. Trotzdem fand sie ihren Platz. Während zu Beginn des Studiums noch viele Frauen vertreten waren, änderte sich das Bild mit der Zeit. „Beim Abschluss waren wir vielleicht noch 30 Prozent“, schätzt Rumpler.
Ihre Karriere beschleunigte sich, als sie neben dem Studium begann, in einem Architekturbüro zu arbeiten. Dort war sie unter anderem an der Planung des T-Mobile-Centers in Wien beteiligt. Diese Praxiserfahrung war entscheidend und gab ihr die Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen, etwa bei der eigenständigen Planung eines Kindergartens. „Ich habe mich – typisch Frau – gefragt: Kann ich das? Wieso nicht?“, erzählt sie über diesen wichtigen Moment.
Vom Entwurf zur Umsetzung: Eine Karriere in allen Facetten
Nach dem Studienabschluss verlagerte sich Rumplers Fokus schnell von der reinen Entwurfsarbeit hin zur konkreten Umsetzung. „Umsetzen, das war meins. Ich kann keinen Job machen, wo es kein angreifbares Ergebnis gibt“, erklärt die Architektin. Diese pragmatische Haltung prägte ihre gesamte Laufbahn.
Sie sammelte Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen der Immobilienwirtschaft, sogenannten Asset-Klassen. Die Planung eines Krankenhauses beschreibt sie als die Arbeit an einer komplexen „Maschine“. Später entwarf sie Bankfilialen und absolvierte nebenbei die anspruchsvollen Prüfungen zur Ziviltechnikerin und Bautechnikerin.
Vielseitigkeit als Schlüssel zum Erfolg
Rumplers beruflicher Werdegang ist geprägt von stetigem Lernen und dem Wechsel zwischen verschiedenen Rollen. Diese breite Erfahrung ermöglicht es ihr heute, komplexe Großprojekte aus allen Perspektiven zu verstehen – von der ersten Idee über die Wirtschaftlichkeit bis hin zur finalen Bauausführung.
Ein wichtiger Schritt war ihre Tätigkeit als Bauenergietechnikerin beim Lebensmittelkonzern Spar. Dort war sie für alles zuständig, was nicht direkt mit dem Verkauf zu tun hatte. Ihr Aufgabengebiet umfasste Ladenbau, Instandhaltung, Parkplätze, Lärmschutz und sogar die Installation von Photovoltaikanlagen. „Das muss man bei jedem Markt neu erfinden, weil die örtlichen Gegebenheiten unterschiedlich sind“, sagt sie.
Weitere Stationen führten sie in die Projektentwicklung bei einem Wohnbauträger und später zur Porr-Tochter Design & Engineering, wo sie die Leitung der Generalplanung übernahm. In dieser Funktion war sie auch international tätig, bevor sie die Projektentwicklung für Hotels übernahm und unter anderem am Umbau des Arlberg Hospiz Hotels mitwirkte. Hier lernte sie die Bedeutung von Widmungen, Bauvorschriften und der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden kennen.
An der Spitze von Salzburgs Großprojekten
Ihre umfangreiche und vielfältige Erfahrung machte sie zur idealen Kandidatin für ihre aktuelle Position. Das international tätige Unternehmen Drees & Sommer bot ihr die Geschäftsführung für Westösterreich an, um mit einem jungen Team die Märkte in Salzburg, Tirol und Vorarlberg aufzubauen. „Ich habe etwas gesucht, wo ich all meine Erfahrungen einbringen kann“, so Rumpler.
Heute bietet ihr Team Projekt- und Baumanagement an. Die Kernaufgaben umfassen die Koordination der Planungsabläufe und die Sicherstellung eines effizienten Bauprozesses. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den drei entscheidenden Faktoren: Termine, Qualität und Kosten.
Aktuelle Schlüsselprojekte unter Rumplers Leitung
- Festspielbezirk 2030: Die Projektsteuerung für die umfassende Modernisierung und Erweiterung des weltberühmten Salzburger Festspielbezirks.
- Aldi Süd Firmenzentrale: Der Neubau des Hauptsitzes des Lebensmittelhändlers in Salzburg.
- Haus der Physik: Ein bedeutendes Bauprojekt für die Universität in Innsbruck.
Auf das Projekt „Festspielbezirk 2030“ ist sie besonders stolz. Es ist nicht nur ein architektonisch anspruchsvolles Vorhaben, sondern auch von enormer kultureller Bedeutung für die Stadt Salzburg.
Kompetenz als Antwort auf Vorurteile
Als Frau in einer Branche, die immer noch stark von Männern geprägt ist, wurde Nicole Rumpler oft mit Vorurteilen konfrontiert. Doch ihre Herangehensweise war stets pragmatisch und selbstbewusst. „Ich habe von meinen Eltern nie gehört: ‚Das kannst du nicht‘, sondern: ‚Das musst du halt lernen‘“, erklärt sie ihre grundlegende Einstellung.
„Wenn man Kompetenz und Wissen hat, regelt sich das von selbst!“
Diese Überzeugung lebt sie auch auf der Baustelle. Veraltete Klischees, wie jenes, dass Frauen ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen hätten, kann sie aus ihrer langjährigen Erfahrung nicht bestätigen. Sie ist sich jedoch bewusst, dass die Rahmenbedingungen für Frauen in der Branche noch verbessert werden müssen.
Dennoch sieht sie auch eine Bringschuld bei Frauen selbst, die oft mit mehr Selbstbewusstsein auftreten könnten. Ihr eigener Erfolg ist der beste Beweis dafür, dass Fachwissen, Engagement und eine klare Vision die wichtigsten Werkzeuge sind, um sich in jeder Umgebung durchzusetzen und Großes zu schaffen.





