In der Salzburger Kaigasse haben die Behörden einen sofortigen Baustopp für ein prestigeträchtiges Wohnprojekt verhängt. Ein Konsortium, das mit Mark Mateschitz in Verbindung steht, hat ein denkmalgeschütztes Gebäude bis auf die Fassade abgerissen und damit die erteilte Baugenehmigung massiv überschritten. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen des Altstadtschutzes.
Was von der Straße wie eine normale Sanierung aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als kompletter Kahlschlag. Hinter der historischen Fassade klafft eine riesige Lücke, wo einst ein schützenswertes Gebäude stand. Die Zukunft des Projekts, das als „Wohnprojekt der Extraklasse“ beworben wurde, ist nun ungewiss.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Baubehörde der Stadt Salzburg hat einen sofortigen Baustopp in der Kaigasse verfügt.
- Ein geschütztes Gebäude wurde bis auf die Außenmauern abgerissen, obwohl die Baugenehmigung dies nicht vorsah.
- Hinter dem Projekt steht ein Konsortium mit Verbindungen zu Red-Bull-Erbe Mark Mateschitz.
- Geplant war die Errichtung von Luxuswohnungen im Herzen der Salzburger Altstadt.
- Der Vorfall löst eine Debatte über die Wirksamkeit des Denkmalschutzes und die Höhe der Strafen aus.
Der Zustand vor Ort: Mehr als nur eine Entkernung
Passanten in der Kaigasse sehen nur eine abgestützte Fassade, durch deren Fensteröffnungen der Himmel und der Mönchsberg zu sehen sind. Massive Stahlträger sichern die benachbarten Gebäude und verhindern deren Einsturz. Das wahre Ausmaß der Zerstörung wird erst aus der Ferne sichtbar, etwa von der Nonnbergstiege aus. Dort, wo sich das historische Haus befand, ist nun ein riesiges Loch.
Der Eindruck einer sorgfältigen Sanierung trügt. Interne Strukturen, Decken und Mauern wurden vollständig entfernt. Experten sprechen hier nicht mehr von einer Sanierung oder Entkernung, sondern von einem De-facto-Neubau hinter einer Kulisse. Dieser Vorgang steht in klarem Widerspruch zu den strengen Auflagen, die für Bauvorhaben in der Schutzzone der Salzburger Altstadt gelten.
Ein Projekt der Superlative gestoppt
Die Pläne für das Grundstück waren ambitioniert. Eine Projektgesellschaft, die dem Umfeld von Mark Mateschitz zugerechnet wird, hatte das Gebäude erworben, um hier exklusive Wohnungen zu errichten. Auf der Website des Projekts wurde mit einem „Wohnprojekt der Extraklasse“ geworben, das modernen Luxus mit historischem Flair verbinden sollte.
Die erteilte Baugenehmigung sah zwar umfangreiche Umbauten vor, jedoch unter der strikten Auflage, die schützenswerte Bausubstanz zu erhalten. Der durchgeführte Abriss geht weit über das genehmigte Maß hinaus und stellt einen klaren Verstoß gegen die Bauordnung dar. Die städtische Baubehörde reagierte umgehend, als sie Kenntnis von der Situation erlangte, und ordnete die sofortige Einstellung aller Arbeiten an.
Der strenge Schutz der Salzburger Altstadt
Die gesamte Altstadt von Salzburg ist seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe. Um diesen Status zu erhalten, gelten extrem strenge Vorschriften für jegliche bauliche Veränderung. Das Salzburger Altstadterhaltungsgesetz regelt detailliert, welche Maßnahmen erlaubt sind. Ziel ist es, das einzigartige historische Stadtbild für zukünftige Generationen zu bewahren. Jeder Eingriff, der über eine reine Instandhaltung hinausgeht, bedarf einer speziellen Genehmigung.
Rechtliche Konsequenzen und die Debatte um Strafen
Der illegale Abriss zieht nun ein behördliches Verfahren nach sich. Die Bauherren müssen mit empfindlichen Strafen rechnen, auch wenn Kritiker seit langem bemängeln, dass die möglichen Geldbußen in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Gewinn stehen, der durch einen Neubau anstelle einer aufwendigen Sanierung erzielt werden kann.
Mögliche Szenarien für die Baustelle
Wie es mit der Baustelle weitergeht, ist derzeit unklar. Die Behörden prüfen die nächsten Schritte. Denkbar sind verschiedene Szenarien:
- Wiederherstellungsauftrag: Die Behörde könnte anordnen, den ursprünglichen Zustand des Gebäudes so weit wie möglich wiederherzustellen, was technisch extrem aufwendig und kostspielig wäre.
- Neuer Genehmigungsprozess: Die Bauherren müssten ein komplett neues Projekt zur Genehmigung einreichen, das den veränderten Gegebenheiten Rechnung trägt. Eine Genehmigung ist dabei keinesfalls sicher.
- Hohe Geldstrafen: Unabhängig von der Zukunft des Baus drohen den Verantwortlichen hohe finanzielle Strafen wegen des Verstoßes gegen die Bauordnung und das Denkmalschutzgesetz.
Dieser Fall könnte zu einem Präzedenzfall werden. Die Entscheidung der Behörden wird genau beobachtet und könnte die zukünftige Handhabung ähnlicher Fälle in Salzburg maßgeblich beeinflussen. Der Vorfall entfacht erneut die Diskussion darüber, ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen ausreichen, um das wertvolle Kulturerbe der Stadt wirksam vor wirtschaftlichen Interessen zu schützen.
Die Öffentlichkeit und Denkmalschutzorganisationen fordern eine lückenlose Aufklärung und konsequentes Handeln der Stadtverwaltung. Es steht die Frage im Raum, ob der Respekt vor dem historischen Erbe dem Druck des hochpreisigen Immobilienmarktes noch standhalten kann.





