Kurz nach der Bekanntgabe, dass er mit dem renommierten Siemens-Musikpreis ausgezeichnet wird, hat der 84-jährige Musiker Jordi Savall das Publikum bei der Mozartwoche in Salzburg begeistert. Gemeinsam mit seinem Ensemble Le Concert des Nations präsentierte er ein sorgfältig ausgewähltes Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Christoph Willibald Gluck.
Der Auftritt im Großen Festspielhaus wurde zu einer Demonstration musikalischer Meisterschaft und tiefen Verständnisses für die Epoche der Wiener Klassik. Savall, der als Gambist, Dirigent und Musikforscher tätig ist, bewies einmal mehr, warum er als einer der einflussreichsten Interpreten historischer Aufführungspraxis gilt.
Das Wichtigste in Kürze
- Jordi Savall trat im Rahmen der Mozartwoche Salzburg im Großen Festspielhaus auf.
- Das Programm umfasste Werke von Mozart und Gluck, dargeboten vom Ensemble Le Concert des Nations.
- Der Auftritt folgte kurz auf die Nachricht, dass Savall den Siemens-Musikpreis 2026 für sein Lebenswerk erhält.
- Savall ist bekannt für seine Pionierarbeit in der historischen Aufführungspraxis.
Ein Abend im Zeichen musikalischer Visionen
Die Atmosphäre im Großen Festspielhaus war von großer Erwartung geprägt. Viele Besucher waren nicht nur gekommen, um die Musik zu hören, sondern auch, um einen der bedeutendsten Musiker unserer Zeit live zu erleben. Jordi Savall, der kürzlich als „leiser Visionär“ gewürdigt wurde, betrat die Bühne mit der ruhigen Autorität, die Jahrzehnte der intensiven Auseinandersetzung mit Musik mit sich bringen.
Vom ersten Ton an wurde deutlich, dass dies ein besonderer Abend werden würde. Unter Savalls Leitung entfaltete das Ensemble Le Concert des Nations einen Klang, der sowohl transparent als auch kraftvoll war. Die Musiker spielten auf historischen Instrumenten, was der Aufführung eine besondere Authentizität und klangliche Färbung verlieh. Die Präzision und das Zusammenspiel des Orchesters waren beeindruckend und zeugten von einer tiefen Vertrautheit mit Savalls musikalischer Vision.
Der frisch gekürte Preisträger
Die Nachricht, dass Jordi Savall den Ernst von Siemens Musikpreis erhält, verlieh dem Konzert eine zusätzliche Dimension. Dieser Preis, der oft als „Nobelpreis der Musik“ bezeichnet wird, würdigt das Lebenswerk herausragender Persönlichkeiten der Musikwelt. Die Auszeichnung unterstreicht Savalls unermüdlichen Einsatz für die Wiederentdeckung und authentische Interpretation Alter Musik.
Der Ernst von Siemens Musikpreis
Der internationale Ernst von Siemens Musikpreis wird seit 1974 jährlich von der Ernst von Siemens Musikstiftung verliehen. Er ehrt Komponisten, Interpreten oder Musikwissenschaftler, die einen herausragenden Beitrag zur Musik geleistet haben. Die Liste der Preisträger umfasst Legenden wie Benjamin Britten, Olivier Messiaen, Leonard Bernstein und Claudio Abbado. Die Aufnahme Savalls in diese Reihe bestätigt seinen Status als eine der prägenden Figuren der klassischen Musikszene.
Seit über 50 Jahren widmet sich der Katalane der Erforschung und Aufführung von Musik vom Mittelalter bis zur Klassik. Er hat unzählige Werke vor dem Vergessen bewahrt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Sein Ansatz geht weit über das reine Musizieren hinaus; er versteht Musik als kulturellen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Mozart und Gluck: Ein schlüssiges Programm
Die Wahl, Werke von Christoph Willibald Gluck und Wolfgang Amadeus Mozart zu kombinieren, erwies sich als dramaturgisch brillant. Gluck, der ältere der beiden Komponisten, war ein entscheidender Reformer der Oper im 18. Jahrhundert. Er strebte nach einer Musik, die dem dramatischen Ausdruck diente und auf überflüssige Verzierungen verzichtete.
Diese Ideen beeinflussten auch den jungen Mozart, der Glucks Werke in Wien kennenlernte. Savalls Programmgestaltung machte diese Verbindung hörbar und spürbar. Die Gegenüberstellung der Kompositionen zeigte die Entwicklungslinien innerhalb der Wiener Klassik auf und schuf einen faszinierenden Dialog zwischen den beiden Meistern.
„Musik ist die universelle Sprache, die keine Grenzen kennt. Sie verbindet uns mit unserer Vergangenheit und gibt uns Hoffnung für die Zukunft.“
Diese oft zitierte Haltung Savalls spiegelte sich im Programm wider. Es war keine bloße Aneinanderreihung von Stücken, sondern eine sorgfältig kuratierte Reise durch eine entscheidende Phase der Musikgeschichte. Das Publikum folgte dieser Reise mit gespannter Aufmerksamkeit und belohnte die Musiker am Ende mit langanhaltendem Applaus.
Jordi Savall in Zahlen
- Alter: 84 Jahre
- Karrierebeginn: In den frühen 1970er-Jahren
- Gegründete Ensembles: Hespèrion XXI (1974), La Capella Reial de Catalunya (1987), Le Concert des Nations (1989)
- Diskografie: Über 230 Aufnahmen als Solist und Dirigent
Die Bedeutung für die Mozartwoche
Für die Mozartwoche, eines der weltweit führenden Festivals für die Musik Mozarts, war der Auftritt von Jordi Savall ein unbestrittener Höhepunkt. Er passte perfekt in das Konzept des Festivals, Mozarts Werk nicht isoliert zu betrachten, sondern es in den Kontext seiner Zeitgenossen und Einflüsse zu stellen.
Konzerte wie dieses zeigen, dass klassische Musik lebendig und relevant ist, wenn sie mit Intelligenz, Leidenschaft und historischem Bewusstsein präsentiert wird. Savall und Le Concert des Nations boten dem Salzburger Publikum nicht nur eine makellose musikalische Darbietung, sondern auch eine tiefgründige Lektion in Musikgeschichte. Es war ein Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird und die Bedeutung Salzburgs als Zentrum der klassischen Musik einmal mehr unterstrich.





