Die Führung der Salzburger Festspiele steht vor einer Zerreißprobe. Am Dienstagabend trat das Kuratorium zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um über die Zukunft von Intendant Markus Hinterhäuser zu beraten. Auslöser ist ein eskalierender Konflikt um die Neubesetzung der Schauspielleitung, bei dem Hinterhäuser das vereinbarte transparente Auswahlverfahren untergraben haben soll.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Kuratorium der Salzburger Festspiele hielt eine Sondersitzung zur Causa Markus Hinterhäuser ab.
- Grund ist Hinterhäusers Vorgehen bei der Suche nach einer neuen Schauspielleitung, das als Umgehung des offiziellen Verfahrens kritisiert wird.
- Der Intendant nannte öffentlich Karin Bergmann als Favoritin, obwohl diese sich nicht beworben hatte.
- Die Diskussion über eine mögliche vorzeitige Vertragsauflösung steht im Raum.
Ein Alleingang sorgt für Unmut
Die Spannungen bei den Salzburger Festspielen haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Nachfolge für die Position der Schauspielleitung, die nach der umstrittenen Trennung von Marina Davydova im November 2024 neu besetzt werden muss. Auf Drängen des Kuratoriums wurde erstmals ein offenes und transparentes Bewerbungsverfahren eingeleitet – ein klarer Bruch mit der bisherigen Praxis, bei der der Intendant die alleinige Entscheidungsgewalt hatte.
Insgesamt 23 Personen bewarben sich für die prestigeträchtige Position. Vergangene Woche fanden die Hearings mit den aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten statt. Doch kurz darauf sorgte Intendant Markus Hinterhäuser für einen Eklat: In einem Zeitungsinterview nannte er die ehemalige Direktorin des Wiener Burgtheaters, Karin Bergmann, als seine persönliche Wunschkandidatin.
Das Problem mit der Wunschkandidatin
Das Vorgehen Hinterhäusers sorgte aus zwei Gründen für massive Irritationen im Kuratorium. Erstens hatte sich Karin Bergmann offiziell gar nicht für die Stelle beworben. Zweitens nahm sie folglich auch nicht am Hearing teil. Ihr Name wurde somit in einen Prozess eingebracht, der genau solche intransparenten Personalentscheidungen verhindern sollte. Bergmann selbst äußerte sich auf Anfrage zurückhaltend, dementierte die Vorgänge aber nicht.
„Es ist schon irritierend, wenn das Kuratorium den Auftrag gibt, ein transparentes Hearing zu veranstalten, und dann erfährt das Kuratorium aus den Medien, wer es werden soll.“
– Bernhard Auinger, Bürgermeister von Salzburg
Mit diesem Schritt hat Hinterhäuser das Aufsichtsgremium, in dem Vertreter von Bund, Land, Stadt Salzburg und dem Tourismusfonds sitzen, offenbar brüskiert. Die umgehend einberufene Sondersitzung am Dienstagabend im Chiemseehof fand bezeichnenderweise ohne die Geschäftsführung der Festspiele – also ohne Präsidentin Kristina Hammer, den kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz und Intendant Hinterhäuser selbst – statt.
Hintergrund des Konflikts
Die Forderung nach einem transparenten Auswahlverfahren war eine direkte Konsequenz aus der Trennung von der früheren Schauspielchefin Marina Davydova. Das Kuratorium hatte Intendant Hinterhäuser damals verpflichtet, die Stelle öffentlich auszuschreiben und die Entscheidung nicht mehr im Alleingang zu treffen.
Wie geht es weiter mit dem Intendanten?
Die zentrale Frage, die am Dienstagabend hinter verschlossenen Türen diskutiert wurde, lautet: Wie kann die Zusammenarbeit mit Markus Hinterhäuser in Zukunft noch funktionieren? Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), der die Stadt im Kuratorium vertritt, fand bereits im Vorfeld klare Worte. Er wies darauf hin, dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art sei und dass es klare Regeln gebe, die im neuen Vertrag des Intendanten festgelegt wurden.
Diese Regeln sollen nun zur Sprache kommen. Beobachter schließen nicht aus, dass sogar eine vorzeitige Auflösung des Vertrags von Hinterhäuser ein Thema sein könnte. Sein neuer Vertrag tritt erst im September dieses Jahres in Kraft und läuft eigentlich bis 2031, enthält jedoch eine beidseitige Ausstiegsoption für das Jahr 2029.
Wiederholte Kritik am Führungsstil
In der Vergangenheit gab es immer wieder Kritik am Führungsstil von Markus Hinterhäuser. So äußerte sich beispielsweise der ehemalige „Jedermann“-Regisseur Michael Sturminger kritisch. Auch das Verhältnis zu Festspielpräsidentin Kristina Hammer gilt seit Längerem als angespannt. Der aktuelle Vorfall könnte das Fass für einige Kuratoriumsmitglieder zum Überlaufen gebracht haben.
Machtkampf um die künstlerische Hoheit
Der aktuelle Konflikt ist mehr als nur eine Personalfrage. Es geht um die grundsätzliche Machtverteilung bei einer der wichtigsten Kulturinstitutionen der Welt. Während der Intendant traditionell die künstlerische Autonomie für sich beansprucht, pocht das Kuratorium zunehmend auf seine Kontroll- und Aufsichtsfunktion.
Theoretisch könnte Hinterhäuser laut Geschäftsordnung die Schauspielleitung immer noch eigenmächtig besetzen. Praktisch jedoch muss das Gehalt für eine derart hochrangige Position vom Kuratorium genehmigt werden. Damit besitzt das Gremium ein effektives Vetorecht und kann Personalentscheidungen, die nicht seinem Willen entsprechen, blockieren.
Die nächsten Schritte
Die Sitzung des Kuratoriums dauerte am Dienstagabend länger als erwartet, was auf intensive Debatten hindeutet. Eine offizielle Stellungnahme über die Ergebnisse der Beratung wird erwartet. Die Entscheidung wird nicht nur die Besetzung der Schauspielleitung betreffen, sondern auch die Weichen für die zukünftige Führung und Ausrichtung der Salzburger Festspiele stellen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Intendant Hinterhäuser seinen Posten behalten kann oder ob die Festspiele vor einem personellen Neuanfang stehen.





