Die Salzburger Festspiele haben eine wichtige Personalentscheidung für die kommende Saison bekannt gegeben. Die österreichisch-französische Schauspielerin Roxane Duran wird die Rolle der Buhlschaft im traditionsreichen „Jedermann“ auf dem Domplatz übernehmen. Sie tritt damit die Nachfolge von Deleila Piasko an und wird an der Seite von Philipp Hochmair spielen, der weiterhin die Titelrolle verkörpert.
Die 32-jährige Duran, die durch ihre Rolle in Michael Hanekes Film „Das weiße Band“ international bekannt wurde, wurde am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien offiziell vorgestellt. Für die zweisprachig aufgewachsene Schauspielerin wird es die erste deutschsprachige Theaterrolle ihrer Karriere sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Buhlschaft: Die 32-jährige Schauspielerin Roxane Duran übernimmt die Rolle der Buhlschaft.
- Jedermann bleibt: Philipp Hochmair spielt auch in der kommenden Saison die Hauptrolle.
- Weitere Neubesetzungen: Daniela Ziegler wird Jedermanns Mutter, Sylvie Rohrer übernimmt eine Doppelrolle.
- Premiere: Die Neubesetzung wird im Sommer bei den Salzburger Festspielen auf dem Domplatz zu sehen sein.
Eine überraschende und ehrenvolle Berufung
Für Roxane Duran kam das Angebot unerwartet. Bei der Pressekonferenz erzählte sie, dass Regisseur Robert Carsen ihr die Rolle vor einigen Wochen bei einem Treffen in Mailand angetragen habe. Sie zeigte sich „sehr geehrt“ über diese Möglichkeit.
Obwohl ihre Mutter Österreicherin ist und sie ihre Sommer in der Schulzeit oft in Österreich verbrachte, die „von den Salzburger Festspielen geprägt“ waren, hatte sie sich selbst nie in dieser Rolle gesehen. Den „Jedermann“ habe sie zwar nie live auf dem Domplatz erlebt, aber die Bedeutung des Stücks war ihr immer bewusst.
„Ich habe nie gedacht, dass man das als Halbfranzösin machen dürfte.“
Diese persönliche Verbindung zu Salzburg und die neue Herausforderung, erstmals auf Deutsch auf einer Theaterbühne zu stehen, machen das Engagement für sie zu etwas Besonderem.
Weitere prominente Neuzugänge im Ensemble
Neben der Buhlschaft wurden zwei weitere wichtige Frauenrollen neu besetzt. Die renommierte Schauspielerin Daniela Ziegler wird die Rolle von Jedermanns Mutter von Andrea Jonasson übernehmen. Sylvie Rohrer, bekannt vom Wiener Burgtheater, wird die Doppelrolle „Ein armer Nachbar/Werke“ verkörpern, die zuletzt von Kathleen Morgeneyer gespielt wurde.
Ein selbstbewusstes Engagement
Die Besetzung der Mutterrolle kam auf ungewöhnliche Weise zustande. Die 77-jährige Daniela Ziegler gab freimütig zu, dass sie über ihre Agentur aktiv für die Rolle angefragt hatte. Sie fühlte sich „alt genug“ für die Partie, nachdem sie zuletzt zahlreiche Preise für ihr Lebenswerk erhalten hatte.
Nach einem intensiven Videogespräch bot ihr Regisseur Carsen die Rolle an, gestand aber, dass er in seiner Inszenierung den letzten Auftritt der Mutter gestrichen habe. Ziegler erbat sich Bedenkzeit und versuchte vergeblich, den Regisseur umzustimmen. „Nach drei Tagen habe ich gesagt: Ja, ich mach’s! Ich mache es jetzt so, wie es ist – und freue mich darauf“, erklärte sie selbstbewusst bei der Präsentation.
Auch Sylvie Rohrer erzählte, dass sie „nicht zum ersten Mal gefragt“ worden sei. Bei früheren Anfragen hätten sich die Pläne jedoch überschnitten.
Die Tradition des „Jedermann“
Seit der Gründung der Salzburger Festspiele im Jahr 1920 ist Hugo von Hofmannsthals „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ ein fester Bestandteil des Programms. Die Aufführungen auf dem Domplatz vor der Kulisse des Salzburger Doms prägen das Bild des Festivals weltweit. Die Besetzung der Hauptrollen, insbesondere des Jedermann und der Buhlschaft, wird jedes Jahr mit großer Spannung erwartet.
Die Rollen von Jedermann und Buhlschaft im Wandel der Zeit
Die Besetzung der beiden zentralen Rollen im „Jedermann“ folgt seit jeher eigenen Gesetzen. Die Verweildauer der Darsteller hat sich über die Jahrzehnte verändert, was die stetige Weiterentwicklung der Inszenierung widerspiegelt.
Historisch gesehen blieb ein Jedermann-Darsteller im Durchschnitt vier Jahre in seiner Rolle, während die Buhlschaft im Schnitt knapp zweieinhalb Jahre besetzt wurde. Seit 1999 hat sich dieser Rhythmus beschleunigt. Die durchschnittliche Amtszeit eines Jedermann beträgt seither drei Jahre, die einer Buhlschaft zwei Jahre. Deleila Piasko, Durans Vorgängerin, füllte die Rolle ebenfalls zwei Jahre lang aus.
Rekordhalter auf dem Domplatz
- Längste Buhlschaft: Dagny Servaes verkörperte die Rolle zwischen 1926 und 1937 in zwölf Saisonen am häufigsten.
- Längster Jedermann: Walter Reyer spielte die Titelrolle von 1960 bis 1968 neun Saisonen lang.
- Eine Ära geprägt: Peter Simonischek war von 2002 bis 2009 für acht Saisonen der Jedermann und ist vielen Zuschauern bis heute in Erinnerung.
Ein frischer Wind für ein traditionsreiches Stück
Mit der Neubesetzung von drei wichtigen Frauenrollen setzt Regisseur Robert Carsen neue Akzente in seiner Inszenierung. Während Philipp Hochmair als etablierter Jedermann für Kontinuität sorgt, bringt das neue weibliche Trio frischen Wind auf die Bühne am Domplatz.
Die Kombination aus einer international erfahrenen, aber auf deutschen Bühnen neuen Hauptdarstellerin wie Roxane Duran und zwei hochkarätigen Theaterveteraninnen wie Daniela Ziegler und Sylvie Rohrer verspricht eine spannende Dynamik für die kommende Festspielsaison. Das Publikum darf gespannt sein, wie sich das Ensemble im Sommer 2026 präsentieren wird.





