In Salzburg startet eine neue Konzertreihe, die sich ganz den Werken von Komponistinnen widmet. Unter dem Titel „Frauenstimmen“ will die Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft Künstlerinnen eine Bühne geben, die in der Musikgeschichte lange Zeit übersehen oder an den Rand gedrängt wurden. Die Initiative möchte das musikalische Erbe dieser Frauen neu beleuchten und einem breiteren Publikum zugänglich machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die neue Konzertreihe „Frauenstimmen“ startet in Salzburg.
- Veranstalter ist die Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft, die sich der Förderung von Komponistinnen widmet.
- Im Fokus stehen Werke von Frauen, die historisch oft im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen.
- Ergänzend zu den Konzerten findet eine Tagung statt, die die Rolle der Frau in der Musikgeschichte wissenschaftlich aufarbeitet.
Eine Bühne für vergessene Talente
Die Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft, vertreten durch Christoph Promberger und die Musikforscherin Eva Neumayr, hat die Konzertreihe „Frauenstimmen“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die oft überhörten, aber qualitativ herausragenden Kompositionen von Frauen zu präsentieren. „Viel zu lange wurde das kreative Schaffen von Frauen in der Musikgeschichte ignoriert oder als weniger wertvoll abgetan“, erklärt Eva Neumayr bei der Vorstellung des Programms.
Die Reihe soll nicht nur ein musikalisches Erlebnis bieten, sondern auch ein Bewusstsein für die systematische Benachteiligung von Künstlerinnen in vergangenen Epochen schaffen. Oft wurde ihnen das Talent abgesprochen oder ihre Werke wurden unter männlichen Namen veröffentlicht, um überhaupt eine Chance auf Anerkennung zu haben.
Historischer Kontext: Die unsichtbaren Komponistinnen
Jahrhundertelang wurde Frauen der Zugang zu einer professionellen musikalischen Ausbildung verwehrt. Komponieren galt als unweiblich und intellektuell zu anspruchsvoll. Selbst hochtalentierte Frauen wie Fanny Hensel (geb. Mendelssohn) oder Clara Schumann standen im Schatten ihrer berühmten männlichen Verwandten. Ihre Werke wurden oft als „zu gut, um von einer Frau geschrieben zu sein“ abgetan – ein Vorurteil, das ihre Karrieren massiv behinderte.
Maria Anna Mozart und Rebecca Clarke im Fokus
Ein zentrales Anliegen der Gesellschaft ist die Aufarbeitung des Lebenswerks von Maria Anna Mozart, der hochtalentierten Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart. Ihr Schicksal steht beispielhaft für viele Frauen ihrer Zeit. In jungen Jahren als musikalisches Wunderkind gefeiert, musste sie ihre eigene Karriere aufgeben, als sie ins heiratsfähige Alter kam.
Eva Neumayr sieht den jüngsten Trend, das Leben von Maria Anna in TV-Serien, Musicals und Dokumentationen aufzugreifen, als positives Signal. „Es zeigt, dass ein Umdenken stattfindet. Ihre Geschichte wird endlich erzählt, und das ist ein wichtiger Schritt, um die Geschichtsschreibung zu korrigieren“, so die Musikforscherin.
Ein weiterer Höhepunkt der Konzertreihe ist die Ehrung der britischen Komponistin und Bratschistin Rebecca Clarke (1886–1979). Anlässlich ihres Geburtstages werden ihre Werke aufgeführt. Clarke war eine der ersten professionellen Musikerinnen in einem Orchester und schuf ein beeindruckendes Œuvre, das erst in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt wird.
„Es geht darum, diesen Frauen die Stimme zurückzugeben, die ihnen die Geschichte genommen hat. Ihre Musik verdient es, gehört und als integraler Bestandteil unseres Kulturerbes anerkannt zu werden.“
Wissenschaftliche Aufarbeitung begleitet die Konzerte
Neben den musikalischen Darbietungen legt die Initiative großen Wert auf die wissenschaftliche Fundierung. Eine begleitende Tagung wird sich intensiv mit den Rollen von Frauen in der Musikgeschichte auseinandersetzen. Hier sollen nicht nur Komponistinnen, sondern auch Interpretinnen, Mäzeninnen und Musikpädagoginnen beleuchtet werden.
Die Veranstalter wollen damit eine Lücke schließen. „Wir müssen die Strukturen verstehen, die Frauen daran gehindert haben, ihr volles Potenzial zu entfalten“, betont Christoph Promberger. Die Tagung soll Forscherinnen und Forschern eine Plattform bieten, um neue Erkenntnisse zu diskutieren und die Narrative der Musikgeschichte zu hinterfragen.
Wussten Sie schon?
Untersuchungen von Konzertprogrammen großer Orchester zeigen, dass Werke von Komponistinnen auch heute noch stark unterrepräsentiert sind. Oft liegt ihr Anteil bei unter 5 %. Initiativen wie „Frauenstimmen“ sind daher entscheidend, um eine nachhaltige Veränderung im Repertoire zu bewirken.
Ein Beitrag zur kulturellen Vielfalt in Salzburg
Die Konzertreihe „Frauenstimmen“ bereichert die Salzburger Kulturlandschaft um eine wichtige Facette. Sie stellt die traditionelle, männlich dominierte Sicht auf die klassische Musik infrage und lädt das Publikum ein, neue Klangwelten zu entdecken. Die Initiative ist mehr als nur eine Reihe von Konzerten; sie ist ein Statement für mehr Gleichberechtigung und Anerkennung in der Kunst.
Die Organisatoren hoffen, dass die Reihe nicht nur Musikliebhaber anspricht, sondern auch ein jüngeres Publikum erreicht und zum Nachdenken anregt. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, dass die Werke von Komponistinnen selbstverständlicher Teil des Konzertlebens werden – nicht als Kuriosität, sondern aufgrund ihrer musikalischen Qualität.





