Die Salzburger Kultur- und Medienszene trauert um eine ihrer prägnantesten Stimmen. Der langjährige Kulturredakteur und renommierte Musikkritiker Ernst Peter Strobl ist am Samstag nach unerwarteter, schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren verstorben. Über vier Jahrzehnte prägte er mit seinem scharfsinnigen und pointierten Stil die Berichterstattung über klassische Musik.
Das Wichtigste in Kürze
- Der bekannte Kulturjournalist Ernst Peter Strobl ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
- Er war vier Jahrzehnte als Musikkritiker tätig, unter anderem für die „Salzburger Volkszeitung“ und die „Salzburger Nachrichten“.
- Strobl war für seinen scharfen, aber kenntnisreichen Stil bekannt und wurde 2001 mit dem Kritikpreis der Stadt Salzburg ausgezeichnet.
- Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2018 berichtete er weiterhin aus seiner Wahlheimat Wien über das Operngeschehen.
Ein Leben für die klassische Musik
Für Ernst Peter Strobl waren die großen Opern- und Konzerthäuser Österreichs mehr als nur ein Arbeitsplatz – sie waren sein zweites Wohnzimmer. Über 40 Jahre lang begleitete er das musikalische Geschehen des Landes mit seiner Feder, analysierte Premieren, entdeckte Talente und ordnete Inszenierungen für ein breites Publikum ein.
Geboren 1953 in Spittal an der Drau, legte Strobl den Grundstein für seine Karriere mit einem Studium der Germanistik und Musikwissenschaft in Wien. Diese akademische Basis verband er mit einer tiefen Leidenschaft für die Musik, die in jeder seiner Kritiken spürbar blieb.
Von Wien nach Salzburg
Nach seiner Übersiedlung nach Salzburg fand er schnell Anschluss an die Kulturszene. Zunächst war er als Veranstaltungsreferent an der Hochschule Mozarteum tätig, bevor er seine journalistische Laufbahn bei der „Salzburger Volkszeitung“ (SVZ) begann. Sein Talent und seine Expertise führten dazu, dass er 1990 die Leitung des Kulturressorts der SVZ übernahm.
Im Jahr 2006 folgte der Wechsel zu den „Salzburger Nachrichten“, wo er als Kulturredakteur seine Arbeit fortsetzte und zu einer festen Größe in der österreichischen Medienlandschaft wurde. Auch der Ruhestand ab 2018 bedeutete für ihn kein Ende seiner Tätigkeit. Aus seiner Wahlheimat Wien versorgte er die Leser weiterhin mit Berichten und Kritiken von den wichtigen Opernpremieren der Hauptstadt.
Vier Jahrzehnte Kulturberichterstattung
Ernst P. Strobls Karriere umspannte eine Epoche großer Veränderungen in der Welt der klassischen Musik. Er erlebte den Aufstieg und Wandel des Regietheaters, begleitete Generationen von Sängern und Dirigenten und war ein unbestechlicher Chronist der Salzburger Festspiele.
Ein Kritiker mit scharfer Feder und großer Liebe zur Musik
Strobl war für seinen pointierten und oft unerbittlichen Stil bekannt. Er scheute sich nicht, auch umstrittene oder misslungene Produktionen klar zu benennen. Besonders mit den Vertretern des modernen Regietheaters ging er oft hart ins Gericht, was ihm eine treue Leserschaft einbrachte, die seine klaren Worte schätzte.
Trotz seiner manchmal schneidenden Kritik war die Grundlage seiner Arbeit stets eine tiefe und aufrichtige Liebe zur Musik. Diese Leidenschaft schien selbst in seinen schärfsten Verrissen durch und machte seine Texte authentisch und lesenswert. Er verstand es, die komplexe Welt der Hochkultur einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ohne dabei an fachlicher Tiefe zu verlieren.
Ausgezeichnete Kritik
Im Jahr 2001 erhielt Ernst P. Strobl den renommierten Kritikpreis der Stadt Salzburg. Diese Auszeichnung würdigte seine herausragende journalistische Arbeit und seine Fähigkeit, kritische Debatten anzustoßen.
Der legendäre „Fledermaus“-Verriss
Seine wohl bekannteste und meistzitierte Kritik verfasste er 2001 noch während seiner Zeit bei der SVZ. Es war sein „herzhafter Verriss“ der legendären „Fledermaus“-Inszenierung von Hans Neuenfels bei den Salzburger Festspielen. Die Rezension trug den bezeichnenden Titel „Glücklich ist, wer vergisst“ – eine klare Anspielung auf das berühmte Walzerlied aus der Operette.
Mit seiner Kritik an der Neuenfels-„Fledermaus“ sprach Strobl vielen aus der Seele und bewies Mut zur klaren Haltung, was ihm letztlich den Kritikpreis der Stadt einbrachte.
Diese Episode steht beispielhaft für seinen journalistischen Ansatz: furchtlos, präzise in der Analyse und immer im Dienste der Kunst und des Publikums. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der österreichischen Kulturberichterstattung, die nur schwer zu füllen sein wird.





