Die Salzburger Musik- und Kulturszene trauert um eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Der Musiker, Keyboarder und Medienkünstler Gianni Stiletto ist im Alter von 72 Jahren verstorben. Er war nicht nur eine treibende Kraft hinter erfolgreichen Bands wie „Josh und die Emotionen“, sondern auch ein Wegbereiter der elektronischen Klangkunst und maßgeblich an der Gründung der Fachhochschule Salzburg beteiligt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Salzburger Musiker und Medienkünstler Gianni Stiletto ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
- Als Keyboarder der Band „Josh und die Emotionen“ landete er 1992 mit „Nimm mich mit zur Donau“ einen Hit in den Ö3-Charts.
- Stiletto galt als Pionier der elektronischen Musik und war Mitbegründer der FH Salzburg.
- Er prägte die Salzburger Musikszene seit den frühen 1980er-Jahren nachhaltig.
Ein Leben für die Musik
Gianni Stilettos musikalischer Weg war vielfältig und stilprägend. Bereits in den frühen 1980er-Jahren machte er sich in der Salzburger Szene einen Namen. An der Seite von Josef „Josh“ Oppacher war er Teil der Art-Rock-Formation Gina Rale, die sich durch ihre experimentellen und künstlerisch anspruchsvollen Klänge auszeichnete.
In einer Zeit, in der die österreichische Musiklandschaft von Austropop dominiert wurde, suchten Stiletto und seine Mitmusiker nach neuen Ausdrucksformen. Sie verbanden komplexe Harmonien mit unkonventionellen Songstrukturen und schufen so einen Sound, der sich vom Mainstream abhob und eine treue Fangemeinde fand.
Der Sprung in die Charts
Der größte kommerzielle Erfolg gelang ihm jedoch ein Jahrzehnt später. Mit der Band „Josh und die Emotionen“ traf er den Nerv der Zeit. Ihr kraftvoller Bluesrock, gepaart mit poetischen Texten, führte 1992 zum Durchbruch.
„Nimm mich mit zur Donau, tauch mich in das Wasser - und wasch mich rein“
Mit diesen eindringlichen Zeilen aus ihrem bekanntesten Lied eroberte die Band die österreichischen Radiostationen. Der Song wurde zu einem Hit in den Ö3-Charts und machte Gianni Stiletto am Keyboard einem breiteren Publikum bekannt. Es war der Beweis, dass anspruchsvolle, handgemachte Musik auch kommerziell erfolgreich sein konnte.
Chart-Erfolg 1992
Der Song „Nimm mich mit zur Donau“ der Band „Josh und die Emotionen“ platzierte sich 1992 in den offiziellen österreichischen Charts (Ö3-Charts) und wurde zu einem der bekanntesten Lieder der Band. Gianni Stilettos Keyboard-Spiel prägte den Sound des Hits maßgeblich.
Pionier der elektronischen Klangkunst
Doch Gianni Stiletto war weit mehr als nur ein erfolgreicher Rock- und Bluesmusiker. Seine wahre Leidenschaft galt der Erforschung elektronischer Klänge. Er wurde oft als „Gelehrter der elektronischen Klangkunst“ bezeichnet, eine Beschreibung, die seine tiefe Auseinandersetzung mit Synthesizern, Samplern und neuen digitalen Technologien unterstreicht.
Schon früh experimentierte er mit Klängen, die für viele damals noch fremd und futuristisch wirkten. Er verstand es, Technologie nicht nur als Werkzeug, sondern als eigenständiges kreatives Medium zu nutzen. Seine Arbeit half, die elektronische Musik in Salzburg zu etablieren und inspirierte eine neue Generation von Musikern und Künstlern.
Sein Einfluss reichte über seine eigenen Projekte hinaus. Er war ein gefragter Ansprechpartner und Mentor für junge Talente, die sich in der Welt der elektronischen Musik orientieren wollten. Sein Wissen und seine Offenheit für neue Ideen machten ihn zu einer zentralen Figur der lokalen Avantgarde-Szene.
Wegbereiter für Bildung und Medienkunst
Stilettos Wirken beschränkte sich nicht auf die Bühne oder das Tonstudio. Er erkannte früh die Notwendigkeit, kreative und technologische Kompetenzen in einer formalen Ausbildung zu bündeln. Dieses Engagement war eine treibende Kraft hinter einem der wichtigsten Bildungsprojekte in der Geschichte Salzburgs.
Er war maßgeblich an der Konzeption und Gründung der Fachhochschule Salzburg beteiligt. Insbesondere im Bereich der Medienkunst und -technologie brachte er seine Vision und Expertise ein. Er verstand, dass die Zukunft der Kreativwirtschaft in der Verbindung von Kunst, Design und digitaler Technologie liegt.
Gründung der FH Salzburg
Die Fachhochschule Salzburg wurde 1995 gegründet und hat sich seitdem zu einer zentralen Bildungs- und Forschungseinrichtung in der Region entwickelt. Gianni Stilettos Beteiligung in der Gründungsphase unterstreicht seine Vision, Kunst und Technologie miteinander zu verbinden und jungen Menschen eine zukunftsorientierte Ausbildung zu ermöglichen.
Durch seinen Einsatz half er, Studiengänge zu etablieren, die heute hochqualifizierte Fachkräfte für die Medien- und Kreativbranche ausbilden. Sein Beitrag zur FH Salzburg ist ein bleibendes Vermächtnis, das weit über seine Musik hinauswirkt und die Bildungslandschaft der Region nachhaltig geprägt hat.
Ein bleibendes Erbe
Der Tod von Gianni Stiletto hinterlässt eine große Lücke in der Salzburger Kulturszene. Er war ein Künstler, der sich nie mit dem Status quo zufriedengab. Ob im Art Rock der 80er, im Bluesrock der 90er oder in seinen tiefgreifenden Erkundungen der elektronischen Musik – er war stets ein Suchender, ein Innovator und ein Meister seines Fachs.
Sein musikalisches Erbe lebt in den Aufnahmen seiner Bands und in den Werken derer weiter, die er inspiriert hat. Sein visionärer Beitrag zur Gründung der FH Salzburg sichert seinen Platz in der Geschichte der Stadt als jemand, der nicht nur Kunst schuf, sondern auch die Strukturen für zukünftige Generationen von Kreativen mitaufbaute. Salzburg hat einen wahren Pionier verloren.





