Rund 1.300 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kultur und Sport trafen sich diese Woche in der Salzburger Felsenreitschule zum 28. Neujahrsempfang des Raiffeisenverbandes Salzburg. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand ein Thema, das viele in Österreich bewegt: der Bürokratieabbau. Die Meinungen über mögliche Wege zur Entlastung der Wirtschaft gingen dabei auseinander, doch die Dringlichkeit war allen Anwesenden klar.
Wichtige Erkenntnisse
- Der 28. Neujahrsempfang des Raiffeisenverbandes Salzburg versammelte 1.300 Gäste aus verschiedenen Bereichen.
- Zentrales Thema war der Bürokratieabbau und dessen Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft.
- RVS-Generaldirektor Heinz Konrad sieht das argentinische Modell eines radikalen Bürokratieabbaus als nicht umsetzbar in Österreich.
- Ökonom Franz Schellhorn fordert eine schrittweise Senkung der Staatsausgaben auf 45 Prozent der Wirtschaftsleistung.
- Die Wirtschaft in Österreich zeigt weiterhin ein schwaches Wachstum, eine schnelle Besserung wird nicht erwartet.
Argentinien als umstrittenes Vorbild
Ein Blick über die Landesgrenzen nach Argentinien sorgte für Gesprächsstoff. Dort hat Präsident Javier Milei mit einem radikalen Vorgehen gegen die Bürokratie für Aufsehen gesorgt. In seinem ersten Amtsjahr wurden zahlreiche Verwaltungsstellen, Gesetze und Regulierungen gestrichen. Dieses Modell, das oft mit einer „Kettensäge gegen die Bürokratie“ verglichen wird, fand unter den Salzburger Gästen jedoch nicht uneingeschränkte Zustimmung.
„Dort war halt die Möglichkeit aufgrund eines doch weitestgehend autoritären Führungsstils von Javier Milei gegeben. Ich glaube, sowas ist für uns in Österreich in dieser Form nicht umsetzbar. So ein radikaler Sparkurs, ich glaube, das wäre nicht machbar.“
Heinz Konrad, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg
Heinz Konrad, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg (RVS), äußerte sich skeptisch. Er betonte, dass die Umsetzbarkeit eines solchen radikalen Sparkurses in Österreich aufgrund des politischen Systems begrenzt sei. Ein autoritärer Führungsstil, wie er in Argentinien zu beobachten war, sei hierzulande nicht denkbar. Die österreichische Wirtschaftslandschaft erfordert andere Ansätze.
Faktencheck Bürokratie
Bürokratie ist oft ein zweischneidiges Schwert: Sie sorgt für Ordnung und Rechtssicherheit, kann aber durch übermäßige Regulierung und langwierige Prozesse das Wirtschaftswachstum hemmen. In Österreich wird seit Jahren über die Notwendigkeit eines Abbaus diskutiert, um Unternehmen zu entlasten und Innovationen zu fördern.
Forderungen nach konkreten Reformen
Ehrengast des Abends war Ökonom Franz Schellhorn von der Denkfabrik Agenda Austria. Er plädierte für konkrete Reformen und eine deutliche Reduzierung der Staatsausgaben. Schellhorn betonte, dass nur so eine nachhaltige Entlastung der Bevölkerung und eine Kontrolle des Zinsendienstes möglich seien. Seine Forderungen stießen bei vielen Anwesenden aus der Wirtschaft auf offene Ohren.
„Die Staatsausgaben müssen schrittweise auf 45 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nur so wächst uns der Zinsendienst nicht über den Kopf, nur so ist eine Entlastung der geschröpften Bevölkerung möglich“, so Schellhorn am Donnerstagabend. Diese Zahl von 45 Prozent der Wirtschaftsleistung ist ein klares Ziel, das eine grundlegende Verschlankung des Staatsapparates impliziert. Viele Unternehmer sehen in der aktuellen Bürokratie das größte Hemmnis für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Österreich.
Wirtschaftliches Wachstum bleibt schwach
Die aktuelle wirtschaftliche Situation in Österreich bereitet vielen Sorgen. Heinz Konrad sieht kurzfristig keine Besserung. „Die Wirtschaft wächst nach wie vor sehr schwach und wird auch im heurigen Jahr nicht wirklich in Schwung kommen. Wir werden im Schlussfeld sein von allen europäischen Staaten und das ist natürlich nicht erfreulich“, prognostizierte Konrad. Diese Einschätzung deckt sich mit den Erfahrungen vieler Unternehmer, die täglich mit den Auswirkungen der schwachen Konjunktur zu kämpfen haben.
Hintergrund: Österreichs Wirtschaft
Österreichs Wirtschaft ist traditionell stark exportorientiert und leidet unter globalen Unsicherheiten. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel und eine komplexe Bürokratie werden oft als Gründe für das verhaltene Wachstum genannt. Im Vergleich zu anderen EU-Staaten hinkt Österreich derzeit hinterher, was den Reformdruck zusätzlich erhöht.
Andreas Glatz, Geschäftsführer der Gmundner Keramik Manufaktur, teilt diese Ansicht. Er führt das international schlechte Abschneiden Österreichs auf die vielfältigen Krisen der letzten Jahre zurück. Die kumulierten Effekte von Pandemie, Inflation und geopolitischen Spannungen hinterlassen deutliche Spuren in der heimischen Wirtschaft.
Trotz Herausforderungen: vorsichtiger Optimismus
Trotz der düsteren Prognosen blickten einige Wirtschaftstreibende mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Uniqa-Vorstand Peter Humer sieht insbesondere im Tourismus noch viel Potenzial. „Ich denke, wir haben noch einiges vor. Und wenn ich mir den Tourismus anschaue und die Entwicklung gerade in Westösterreich betrachte, dann blicke ich positiv in die Zukunft“, erklärte Humer. Der Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftszweig für Salzburg und Westösterreich, könnte ein Motor für die Erholung sein.
Dieser vorsichtige Optimismus zeigt, dass die Hoffnung auf bessere Zeiten besteht, auch wenn der Weg dorthin steinig sein mag. Alle Gäste waren sich einig, dass es in den kommenden Jahren noch viel zu tun gibt, um die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu stärken und die Bürokratie spürbar zu reduzieren. Die Diskussionen beim Neujahrsempfang des Raiffeisenverbandes Salzburg markieren einen wichtigen Schritt, um diese Themen weiter in den Fokus zu rücken und Lösungsansätze zu finden.
- 1.300 Gäste waren beim Neujahrsempfang anwesend.
- Der RVS-Generaldirektor Heinz Konrad lehnt das argentinische Modell ab.
- Ökonom Franz Schellhorn fordert 45% Staatsausgaben im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.
- Die Wirtschaft in Österreich wird im Schlussfeld der europäischen Staaten erwartet.
- Der Tourismus wird als Hoffnungsträger für die Zukunft gesehen.





