In Salzburg analysierten Experten des Bankhauses Spängler die aktuellen Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten für das Jahr 2026. Trotz eines stabilen Starts ins Börsenjahr warnen sie vor geopolitischen Spannungen und hohen Bewertungen. Gleichzeitig bieten Künstliche Intelligenz und ein nachlassender Inflationsdruck neue Chancen für Anleger.
Bei einer Fachveranstaltung im Sattler Forum gaben Vorstandsmitglied Nils Kottke und Asset Manager Markus Dürnberger einen detaillierten Ausblick auf die kommenden Monate. Sie beleuchteten die unterschiedlichen Zinspfade in Europa und den USA, den anhaltenden Gold-Boom und die zentralen Risikofaktoren für die Weltwirtschaft.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Inflation in der Eurozone und den USA hat sich deutlich abgeschwächt, was die Notenbanken entlastet.
- Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Zinssenkungszyklus vorerst gestoppt, während in den USA weitere Lockerungen erwartet werden.
- Künstliche Intelligenz (KI) ist ein starker Wachstumstreiber, führt aber auch zu hohen Bewertungen an den Aktienmärkten.
- Der Goldpreis erreichte ein neues Rekordhoch von über 4.800 US-Dollar, da Zentralbanken ihre Reserven aufstocken.
- Geopolitische Spannungen, Staatsverschuldung und eine mögliche Rückkehr der Inflation gelten als größte Risiken für 2026.
Ein unsicherer Start ins neue Börsenjahr
Zu Beginn des Jahres 2026 zeigten sich die internationalen Aktienmärkte robust. Mehrere wichtige Indizes erreichten neue Höchststände, angetrieben von der Hoffnung auf eine sich stabilisierende Wirtschaft und nachlassenden Inflationsdruck. Doch diese positive Stimmung steht auf einem wackeligen Fundament, wie Experten des Bankhauses Spängler bei ihrem Kapitalmarktausblick in Salzburg betonten.
Im voll besetzten Sattler Forum am Makartplatz analysierten Vorstandsmitglied Nils Kottke und Asset Manager Markus Dürnberger die komplexe Gemengelage. „Wir befinden uns in einer Phase der Unsicherheit“, erklärte Kottke. „Die Märkte müssen beweisen, dass die positive Entwicklung des letzten Jahres nachhaltig ist und nicht von politischen oder wirtschaftlichen Schocks zunichtegemacht wird.“
Das vergangene Jahr 2025 war trotz globaler Krisen ein solides Anlagejahr. Ein schwächerer US-Dollar dämpfte jedoch die Renditen für europäische Anleger, die in US-Werte investiert hatten. Nun stellt sich die Frage, ob die Gewinne der Unternehmen weiter wachsen und die aktuellen Bewertungen rechtfertigen können.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 2026
Das Basisszenario des Bankhauses Spängler geht von einem moderaten globalen Wirtschaftswachstum aus. Die Inflation in Europa soll unter Kontrolle bleiben, und die Unternehmensgewinne dürften leicht ansteigen. Dieses Szenario ist jedoch anfällig für externe Schocks.
Inflation und Zinsen: Zwei Kontinente, zwei Wege
Ein zentrales Thema der Analyse war die Entwicklung von Inflation und Geldpolitik. Sowohl in der Eurozone als auch in den USA ist die Teuerungsrate zuletzt deutlich zurückgegangen. Hauptgründe dafür sind gesunkene Energiepreise und ein verlangsamter Anstieg der Löhne.
„Die deutlich gestiegenen US-Zölle haben bisher keinen spürbaren zusätzlichen Inflationsdruck ausgelöst“, führte Markus Dürnberger aus. Dies gebe den Notenbanken mehr Spielraum. Allerdings verfolgen die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) derzeit unterschiedliche Strategien.
Die EZB hat ihren Zyklus der Zinssenkungen vorerst beendet und wartet weitere Wirtschaftsdaten ab. In den Vereinigten Staaten hingegen könnten im Laufe des Jahres weitere Lockerungsschritte folgen, um die Konjunktur zu stützen. Diese Divergenz hat direkte Auswirkungen auf die Währungsmärkte und die Anlagestrategien.
„Die unterschiedliche Geldpolitik in Europa und den USA wird die Kapitalflüsse in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen. Anleger müssen diese Entwicklung genau im Auge behalten.“
Die treibenden Kräfte am Markt: KI und Gold
Zwei Themen dominieren derzeit die Diskussionen an den Börsen: Künstliche Intelligenz (KI) und der Goldpreis. Die KI-Revolution sorgt für enorme Dynamik, insbesondere im Technologiesektor. Unternehmen, die als Gewinner dieses Trends gelten, verzeichneten massive Kursgewinne.
Diese Entwicklung birgt jedoch auch Risiken. „Die Bewertungen im KI-Sektor sind teilweise sehr hoch“, warnte Dürnberger. Er betonte jedoch, dass sie sich im historischen Vergleich noch auf einem moderaten Niveau bewegen. Die entscheidende Frage sei, ob die Unternehmen die hohen Erwartungen in Form von steigenden Gewinnen erfüllen können. KI wird als entscheidender Faktor für zukünftige Produktivitätssteigerungen gesehen.
Gold auf Rekordjagd
Während der US-Dollar zuletzt an Stärke verlor, setzte sich der Höhenflug des Goldpreises fort. Das Edelmetall erreichte mit über 4.800 US-Dollar pro Feinunze ein neues Allzeithoch. Zuvor war bereits die Marke von 3.000 Dollar gefallen. Dieser Anstieg wird stark von den Käufen der Zentralbanken getragen.
Viele Notenbanken, insbesondere in Schwellenländern, bauen ihre Goldreserven systematisch aus. Ihr Ziel ist es, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren und ihre Währungsreserven zu diversifizieren. Für private Anleger bleibt Gold damit ein wichtiger Baustein zur Absicherung des Portfolios in unsicheren Zeiten.
Chancen und Risiken für Anleger im Jahr 2026
Für die kommenden Monate identifizierten die Experten des Bankhauses Spängler klare Chancen, aber auch erhebliche Risiken. Anleger sollten daher eine ausgewogene und breit diversifizierte Strategie verfolgen.
Potenziale für die Märkte
Auf der positiven Seite stehen mehrere Faktoren, die die Märkte stützen könnten:
- Sinkende Energiekosten: Günstigere Energie entlastet sowohl Unternehmen als auch private Haushalte und kurbelt den Konsum an.
- Stärkeres Wirtschaftswachstum: Sollte die Weltwirtschaft stärker wachsen als erwartet, würde dies die Unternehmensgewinne beflügeln.
- Produktivität durch KI: Die fortschreitende Integration von Künstlicher Intelligenz könnte zu einem deutlichen Produktivitätsschub in vielen Branchen führen.
Die größten Gefahren
Gleichzeitig müssen Anleger sich auf mögliche negative Entwicklungen vorbereiten:
- Geopolitische Spannungen: Anhaltende Konflikte und neue politische Krisen bleiben die größte Unbekannte und können jederzeit für Volatilität sorgen.
- Rückkehr der Inflation: Sollte die Teuerung unerwartet wieder anziehen, wären die Notenbanken zu restriktiveren Maßnahmen gezwungen.
- Steigende Staatsschulden: Die hohe Verschuldung vieler Industriestaaten schränkt den finanzpolitischen Spielraum ein und stellt ein langfristiges Risiko dar.
- Hohes Bewertungsniveau: Die aktuell hohen Kurse an den Aktienmärkten machen diese anfällig für Korrekturen, falls die Gewinnerwartungen enttäuscht werden.
Die Experten rieten den anwesenden Gästen, nicht auf kurzfristige Marktschwankungen zu reagieren, sondern einen langfristigen Anlagehorizont beizubehalten. Eine sorgfältige Auswahl von Qualitätsaktien und eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen und Regionen seien der Schlüssel zum Erfolg in einem anspruchsvollen Marktumfeld.





