Der Rücktritt von Harald Mahrer als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) löst auch in Salzburg intensive Diskussionen aus. Führende Vertreter der Salzburger Wirtschaft sehen in diesem Schritt eine notwendige Konsequenz aus Fehlern der Vergangenheit und zugleich eine Chance für einen grundlegenden Neuanfang. Die Forderungen nach Reformen und einer Neuausrichtung der Interessenvertretung werden lauter.
Aus der Salzburger Wirtschaftskammer kommen klare Worte. Insbesondere die Kommunikation der letzten Zeit wird kritisiert, was das Vertrauen innerhalb der Organisation erschüttert habe. Nun richtet sich der Blick nach vorne: Wie kann die WKO das Vertrauen ihrer Mitglieder zurückgewinnen und sich für die Zukunft rüsten?
Das Wichtigste in Kürze
- Harald Mahrer ist als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich zurückgetreten.
- Aus Salzburg kommt Kritik an "fundamentalen Kommunikationsfehlern".
- Manfred Rosenstatter, Vizepräsident der WKS, fordert einen Weg für Reformen.
- Die Entscheidung wird als Chance für eine Neuausrichtung der Interessenvertretung gesehen.
Salzburger Stimme fordert Konsequenzen
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Rücktritts meldete sich Manfred Rosenstatter, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS), zu Wort. Er sprach von einer unausweichlichen Entwicklung. „Es sind fundamentale Kommunikationsfehler passiert, die einige Dinge ins Rollen gebracht haben“, erklärte Rosenstatter. Diese Fehler hätten nicht nur das Ansehen der Organisation beschädigt, sondern auch zu großer Verunsicherung bei Mitarbeitern und Funktionären geführt.
Rosenstatter, der von 2019 bis zum Beginn der Corona-Pandemie selbst Präsident der Salzburger Kammer war, betonte, dass der Rücktritt Mahrers nun den Weg für notwendige Veränderungen freimache. Es sei jetzt entscheidend, die Weichen für eine transparente und mitgliederorientierte Zukunft zu stellen.
„Der Rücktritt war die logische Konsequenz. Er macht den Weg frei für wichtige Reformen, die wir jetzt angehen müssen.“ – Manfred Rosenstatter, Vizepräsident der WKS
Die Bedeutung der Kommunikation
Die Kritik an der Kommunikation zielt auf eine Reihe von Vorfällen ab, die in den letzten Monaten für Unmut sorgten. Interne Entscheidungen und öffentliche Äußerungen wurden als distanziert und nicht im Sinne der breiten Unternehmerschaft wahrgenommen. Für viele Mitglieder, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die das Rückgrat der Salzburger Wirtschaft bilden, fühlte es sich an, als ob die Führung in Wien den Kontakt zur Basis verloren hätte.
Diese Wahrnehmung ist für eine Organisation, die auf der Pflichtmitgliedschaft aller Unternehmen beruht, besonders problematisch. Das Vertrauen der Mitglieder ist ihr höchstes Gut. Ist dieses beschädigt, leidet die gesamte Struktur.
Was der Rücktritt für Salzburgs Unternehmer bedeutet
Die Wirtschaftskammer ist für die Salzburger Betriebe mehr als nur eine gesetzliche Pflicht. Sie ist Dienstleister, Netzwerkplattform und die wichtigste politische Stimme der Wirtschaft. Ein Führungswechsel an der Spitze in Wien hat daher direkte Auswirkungen auf die Region.
Die Rolle der Wirtschaftskammer
Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) ist die gesetzliche Interessenvertretung der gesamten österreichischen Wirtschaft. Sie vertritt über 540.000 Mitgliedsbetriebe. Ihre Aufgaben umfassen die Vertretung der Unternehmerinteressen gegenüber der Politik, Serviceleistungen wie Rechts- und Wirtschaftsberatung sowie die Verantwortung für Teile des Bildungssystems, etwa die Lehrausbildung.
Salzburger Unternehmer erhoffen sich von einer neuen Führung eine stärkere Fokussierung auf die regionalen Bedürfnisse. Themen wie der Fachkräftemangel, die Belastung durch Bürokratie und die hohen Energiekosten werden als besonders drängend empfunden. Man erwartet, dass die neue Kammerspitze diese Anliegen mit Nachdruck in Wien vertritt.
Forderungen aus der Salzburger Wirtschaft
In Gesprächen mit Unternehmern aus dem ganzen Bundesland kristallisiert sich ein klarer Forderungskatalog heraus:
- Mehr Transparenz: Entscheidungen müssen nachvollziehbar und klar kommuniziert werden.
- Stärkerer Fokus auf KMU: Die Anliegen von Klein- und Mittelbetrieben müssen Priorität haben.
- Bürokratieabbau: Die Kammer soll sich noch stärker für die Vereinfachung von Vorschriften einsetzen.
- Regionale Stärkung: Die Landesorganisationen wie die WKS müssen mehr Autonomie und Gehör finden.
Eine Chance für einen echten Neustart
Trotz der turbulenten Umstände sehen viele Beobachter die aktuelle Situation als große Chance. Ein Führungswechsel bietet die Möglichkeit, verkrustete Strukturen aufzubrechen und die Organisation neu auszurichten. Es geht darum, die WKO wieder zu dem zu machen, was sie sein soll: ein moderner und schlagkräftiger Dienstleister für alle Unternehmer des Landes.
Wirtschaftsstandort Salzburg
Salzburg ist ein starker Wirtschaftsstandort mit einer vielfältigen Unternehmenslandschaft. Rund 99 % der Betriebe sind Klein- und Mittelunternehmen. Starke Branchen sind der Tourismus, der Handel, das Gewerbe und die Industrie. Die Exportquote ist traditionell hoch, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region unterstreicht.
Die Salzburger Wirtschaftskammer unter der Führung von Präsident Peter Buchmüller und Vizepräsident Manfred Rosenstatter wird in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen. Sie wird die Interessen der heimischen Betriebe in die bundesweiten Diskussionen über die Nachfolge und die zukünftige Ausrichtung einbringen müssen.
Wie geht es weiter?
In den kommenden Wochen wird der Wirtschaftsbund, die dominierende Fraktion innerhalb der WKO, über die Nachfolge von Harald Mahrer beraten. Der Name der Generalsekretärin der WKO, Mariana Kühnel, wird als mögliche Kandidatin gehandelt, aber auch andere Namen sind im Gespräch. Für Salzburg ist entscheidend, dass die neue Führung einen kooperativen Stil pflegt und die Anliegen der Bundesländer ernst nimmt.
Der Rücktritt Mahrers ist mehr als nur ein personeller Wechsel. Er ist ein Signal, dass die Zeit für grundlegende Veränderungen in der größten Interessenvertretung des Landes gekommen ist. Die Salzburger Wirtschaft wird diesen Prozess aufmerksam und kritisch begleiten.





