Der Lehrlingsmarkt im Bundesland Salzburg steht vor großen Herausforderungen. Während die Zahl der Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, zunimmt, sinkt die Zahl der verfügbaren Ausbildungsplätze. Besonders im Zentralraum wird die Situation für viele Schulabgänger immer schwieriger, was sowohl bei Experten als auch bei Betrieben für Besorgnis sorgt.
Diese Entwicklung führt zu einem wachsenden Wettbewerb um die verbleibenden Plätze und stellt das duale Ausbildungssystem auf die Probe. Gleichzeitig kämpft die Lehre weiterhin mit einem Imageproblem, obwohl sie nachweislich gute Karriere- und Verdienstmöglichkeiten bietet.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Zahl der offenen Lehrstellen in Salzburg ist in drei Jahren um fast die Hälfte gesunken.
- Im Gegensatz dazu steigt die Anzahl der Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen.
- Absolventen einer Lehre verdienen oft mehr als Maturanten von höheren Schulen.
- Trotzdem leidet das Ansehen der Lehre, und es gibt weiterhin Beschwerden über Arbeitsbedingungen.
Ein angespannter Markt für die nächste Generation
Die Situation auf dem Salzburger Lehrlingsmarkt hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Aktuell gibt es knapp 800 offene Lehrstellen im gesamten Bundesland. Vor drei Jahren waren es zum selben Zeitpunkt noch fast doppelt so viele. Diese Verknappung des Angebots trifft auf eine steigende Nachfrage.
Julia Kröll, die Leiterin des Arbeitsmarktservice (AMS) Salzburg, betont die Bedeutung einer fundierten Ausbildung. „Wir sehen, dass eine Lehrlingsausbildung vor Beschäftigungslosigkeit über längere Zeit schützt“, erklärt sie. Ein erfolgreicher Lehrabschluss sei heute nahezu eine Jobgarantie.
Besonders im und um das Stadtgebiet von Salzburg wird es für Jugendliche immer schwieriger, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Große, international tätige Unternehmen haben es dabei oft leichter, qualifizierte Bewerber zu finden, während klassische Klein- und Mittelbetriebe zunehmend Schwierigkeiten bei der Rekrutierung haben.
Gründe für die Zurückhaltung der Betriebe und Jugendlichen
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielschichtig. Martina Plaschke, Leiterin der Stabstelle Lehre bei der Wirtschaftskammer Salzburg, sieht mehrere Faktoren. „Das hat demographische Gründe. Wir haben weniger Jugendliche“, stellt sie fest. Gleichzeitig sei die Lehre in den vergangenen Jahrzehnten bildungspolitisch vernachlässigt worden.
„Andererseits wurde in den vergangenen Jahrzehnten die Hochschulausbildung so forciert und glorifiziert und die Lehrausbildung wurde eher stiefmütterlich behandelt“, so Plaschke weiter. Dieses Ungleichgewicht in der öffentlichen Wahrnehmung trägt dazu bei, dass sich viele Eltern und Jugendliche gegen eine Lehre und für einen schulischen Weg entscheiden.
Lehre mit Matura als Brücke
Das Modell „Lehre mit Matura“ wurde eingeführt, um die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu erhöhen. Es ermöglicht Lehrlingen, parallel zu ihrer Ausbildung die Matura abzulegen, was ihnen den Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen eröffnet. Trotzdem hat dieses Modell die gesellschaftliche Wahrnehmung der Lehre noch nicht grundlegend verändert.
Das Imageproblem der Lehre
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist der Ruf der Lehrausbildung. Trotz zahlreicher Initiativen zur Aufwertung kämpft sie mit Vorurteilen. Berichte über unfaire Arbeitsbedingungen tragen zu diesem negativen Bild bei.
Heimo Typplt von der Rechtsabteilung der Arbeiterkammer bestätigt, dass jedes Jahr hunderte Beschwerden eingehen. Die Probleme reichen von nicht korrekter Bezahlung über unzulässige Überstunden bis hin zu schlechter Behandlung durch Vorgesetzte und Kollegen.
„Das geht quer durch alle Branchen, wobei einige schon hervorstehen, etwa die Gastronomie“, sagt Typplt. Es handle sich dabei nicht nur um einige wenige „schwarze Schafe“, sondern um ein wiederkehrendes Problem, das das Vertrauen in die Ausbildung untergräbt.
Finanzielle Vorteile und Vorzeigeunternehmen
Trotz der Herausforderungen bietet eine Lehre klare Vorteile, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Eine Analyse zeigt, dass Lehrlinge nach Abschluss ihrer Ausbildung oft besser dastehen als Absolventen von berufsbildenden höheren Schulen (BHS) oder allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS).
Einkommens-Ranking
„Lehrlinge führen das Einkommensranking nach Abschluss der Ausbildung an. Sie verdienen mehr als Absolventen von berufsbildenden höheren Schulen und viel mehr als der AHS-Maturant“, betont Martina Plaschke von der Wirtschaftskammer.
Dass eine Lehrausbildung auf höchstem Niveau funktionieren kann, zeigen Vorzeigebetriebe wie die Firma Palfinger. Das Unternehmen bildet in einem eigenen Campus mehr als 120 Lehrlinge aus und hat keine Nachwuchssorgen. Die hohe Qualität der Ausbildung spiegelt sich auch in der Mitarbeiterbindung wider: 92 Prozent der Lehrlinge bleiben nach ihrem Abschluss im Unternehmen.
Die Perspektive der Kleinbetriebe
Für kleinere Handwerksbetriebe gestaltet sich die Suche nach Nachwuchs oft mühsamer. Die Tischlerei Ferner in Koppl, ein Familienbetrieb in dritter Generation, nimmt nur alle zwei Jahre einen Lehrling auf. Inhaber Martin Ferner berichtet, dass es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden sei, geeignete Kandidaten zu finden.
Er sieht ein gesellschaftliches Problem: „Der abgeschlossene Lehrberuf mit einer Matura ist gesellschaftlich immer noch nicht vergleichbar.“ Obwohl Wirtschaftskammer und Innungen viel Informationsarbeit leisten, sei diese Botschaft „in der Bevölkerung noch nicht ganz angekommen“. Trotz der Schwierigkeiten gibt der Betrieb die Hoffnung nicht auf und sucht weiterhin nach einem motivierten Lehrling, um das Handwerk weiterzugeben.





