Eine aktuelle Untersuchung der Ernährungsinitiative SIPCAN zeigt erhebliche Mängel beim Mittagessen in Salzburger Volksschulen. Die Speisepläne sind oft unausgewogen, enthalten zu häufig süße Hauptspeisen und zuckerhaltige Getränke. Zudem ist der Anteil an aufgewärmter Tiefkühlkost in Salzburg österreichweit am höchsten.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine SIPCAN-Umfrage kritisiert die Qualität des Mittagessens in Salzburger Volksschulen.
- Süße Hauptspeisen stehen zu oft auf dem Speiseplan, teilweise an jedem zweiten Tag.
- In rund 20 % der Schulen werden zuckerhaltige Sirupgetränke zum Essen gereicht.
- Salzburg hat mit rund 25 % den höchsten Anteil an aufgewärmten Tiefkühlspeisen in Österreich.
- Experten fordern ein landesweites Programm für gesunde Schulküche, wie es in anderen Bundesländern bereits existiert.
Alarmierende Ergebnisse für Salzburgs Schulen
Die Gesundheit unserer Kinder beginnt oft mit dem, was auf ihrem Teller landet. Eine österreichweite Umfrage der Initiative SIPCAN (Sicheres und gesundes Essen in der Schule) hat nun die Qualität des Mittagessens an mehr als 350 Volksschulen untersucht und für Salzburg bedenkliche Ergebnisse zutage gefördert. Während rund sieben von zehn Volksschulen im Bundesland einen warmen Mittagstisch anbieten, lässt die ernährungsphysiologische Qualität der servierten Mahlzeiten oft zu wünschen übrig.
Die Analyse zeigt, dass es vor allem an einer ausgewogenen Zusammenstellung der Speisen mangelt. Eine gesunde Mischung aus Kohlenhydraten, Proteinen und Gemüse ist nicht immer gewährleistet. Stattdessen dominieren häufig Gerichte, die den ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen für Kinder nicht entsprechen.
Das süße Problem auf dem Speiseplan
Ein zentraler Kritikpunkt der Untersuchung ist der übermäßige Einsatz von Süßspeisen. Laut Manuel Schätzer, dem Bundeskoordinator von SIPCAN, ist es keine Seltenheit, dass innerhalb von zehn Schultagen an jedem zweiten Tag eine süße Hauptspeise auf dem Menüplan steht. Gerichte wie Kaiserschmarrn, Palatschinken oder Grießkoch sind zwar beliebt, sollten aber die Ausnahme und nicht die Regel sein.
"Süße Hauptspeisen dürfen durchaus Teil eines ausgewogenen Speiseplans sein, aber die Häufigkeit ist entscheidend", erklärt Schätzer. Problematisch wird es, wenn diese süßen Mahlzeiten zusätzlich mit einer süßen Nachspeise kombiniert werden. Dies führt zu einer übermäßigen Zuckerzufuhr, die sich negativ auf die Konzentrationsfähigkeit und die allgemeine Gesundheit der Kinder auswirken kann.
Zuckerfalle Sirupgetränk
In etwa jeder fünften Salzburger Volksschule wird zum Mittagessen verdünnter Sirup angeboten. Viele Eltern und Betreuer glauben, dies sei eine gesündere Alternative zu Limonaden. Tatsächlich enthält ein Glas verdünnter Sirup jedoch in der Regel eine ähnliche Menge an Zucker wie ein Glas herkömmliche Limonade.
Fehlende landesweite Standards
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie Oberösterreich, das mit dem Projekt „Gesunde Küche“ klare Qualitätsstandards für die Gemeinschaftsverpflegung setzt, fehlt in Salzburg ein vergleichbares landesweites Programm. Diese Lücke führt dazu, dass die Qualität des Essens stark vom jeweiligen Anbieter und der Schule abhängt. Es gibt keine einheitlichen Richtlinien, die eine gesunde und ausgewogene Ernährung für alle Schulkinder sicherstellen.
Diese fehlende Steuerung führt zu großen Unterschieden in der Qualität. Während einige Schulen bereits vorbildliche Konzepte umsetzen, besteht an vielen anderen Standorten dringender Handlungsbedarf, um die Ernährungssituation für die Schüler zu verbessern.
Tiefkühlkost: Salzburg an der Spitze
Ein weiteres auffälliges Ergebnis der Studie ist der hohe Anteil an aufgewärmten Tiefkühlspeisen in Salzburg. Mit rund einem Viertel aller servierten Mittagessen liegt das Bundesland im österreichweiten Vergleich an der Spitze. Dieser hohe Wert wirft Fragen zur Frische und Zubereitung der Mahlzeiten auf.
„Aus ernährungsphysiologischer Sicht muss der Einsatz von Tiefkühlkost nicht ausschließlich negativ bewertet werden. Professionell zubereitete und schockgefrostete Speisen können durchaus nährstoffschonend sein“, so Manuel Schätzer von SIPCAN.
Er gibt zu bedenken, dass bei Speisen, die über einen langen Zeitraum warmgehalten werden, wichtige Vitamine verloren gehen können. In solchen Fällen kann eine fachgerecht zubereitete Tiefkühlspeise die bessere Alternative sein. Dennoch bleibt der hohe Anteil ein Indiz dafür, dass an vielen Standorten nicht frisch vor Ort gekocht wird, was oft mit einer geringeren Qualität und weniger Flexibilität bei der Menügestaltung einhergeht.
Was macht eine gesunde Schulmahlzeit aus?
Eine ausgewogene Mahlzeit für Kinder sollte laut Ernährungsexperten aus mehreren Komponenten bestehen, um den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Dazu gehören:
- Gemüse und Salat: Sollte den größten Teil des Tellers ausmachen und liefert Vitamine und Ballaststoffe.
- Eiweißquelle: Pflanzliches Eiweiß (z.B. Linsen, Bohnen) oder tierisches Eiweiß (z.B. mageres Fleisch, Fisch, Eier).
- Kohlenhydratbeilage: Vorzugsweise Vollkornprodukte wie Vollkornnudeln, Naturreis oder Kartoffeln.
- Getränk: Wasser oder ungesüßter Tee sind die idealen Durstlöscher.
Die Umsetzung dieser einfachen Regeln würde bereits einen großen Beitrag zur Verbesserung der aktuellen Situation in den Schulen leisten.
Der Ruf nach Veränderung
Die Ergebnisse der SIPCAN-Studie sind ein klarer Weckruf für die Bildungspolitik in Salzburg. Es bedarf einer konzertierten Anstrengung von Land, Gemeinden und Schulen, um verbindliche Qualitätsstandards für das Schulessen zu etablieren. Die Gesundheit der nächsten Generation hängt maßgeblich von den Gewohnheiten ab, die sie in jungen Jahren erlernt.
Eine gesunde Ernährung fördert nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern ist auch eine wesentliche Voraussetzung für den schulischen Erfolg. Kinder, die ausgewogen essen, können sich besser konzentrieren und sind leistungsfähiger. Die Investition in eine bessere Schulverpflegung ist daher eine Investition in die Zukunft Salzburgs.





