In Salzburg stehen tausende Zehnjährige vor einer entscheidenden Weiche in ihrer Bildungslaufbahn: der Wahl zwischen Mittelschule und Gymnasium. Mit den Semesterzeugnissen beginnt die Anmeldephase, die für viele Familien von Hoffnung, aber auch von erheblichem Leistungsdruck geprägt ist. Besonders Schulen mit speziellen Schwerpunkten verzeichnen einen großen Andrang.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Drittel der Salzburger Volksschüler wechseln in eine Mittelschule, ein Drittel ins Gymnasium.
- Die Anmeldephase für weiterführende Schulen beginnt nach den Semesterferien und läuft bis April.
- Schulen mit Spezialisierungen wie Sport oder Musik sind besonders gefragt und oft schnell ausgebucht.
- Eltern berichten von einem spürbaren Leistungsdruck auf die Kinder in der vierten Klasse Volksschule.
Die große Entscheidung nach der vierten Klasse
Für viele Kinder in Salzburg ist das Semesterzeugnis der vierten Klasse mehr als nur eine Leistungsübersicht. Es ist die Eintrittskarte für den nächsten großen Lebensabschnitt. Die Entscheidung, ob der Weg in eine Mittelschule oder ein Gymnasium führt, beschäftigt derzeit zahlreiche Familien im gesamten Bundesland.
Statistisch gesehen entscheiden sich rund zwei Drittel der Absolventen für eine Mittelschule, während ein Drittel den Weg ins Gymnasium wählt. Doch hinter diesen Zahlen verbergen sich individuelle Geschichten, Hoffnungen und oft auch Sorgen.
Der zehnjährige Maximilian Thaler aus St. Johann im Pongau blickt seiner neuen Schule mit Vorfreude entgegen. „Es war eine große Entscheidung, eigentlich das erste Mal, dass das Kind selbst mitentscheiden kann, in welche Richtung es geht“, erklärt seine Mutter, Perin Thaler. Die Familie habe das „Gesamtpaket“ gemeinsam ausgewählt, um die beste Lösung für Maximilian zu finden.
Der Übergang von der Volksschule
In Österreich markiert der Abschluss der vierten Klasse Volksschule im Alter von etwa zehn Jahren den ersten wichtigen Bildungssplit. Die Wahl zwischen Allgemeinbildender Höherer Schule (AHS-Unterstufe, also Gymnasium) und Mittelschule (MS) legt oft den Grundstein für den weiteren Bildungsweg und spätere Berufschancen. Die Aufnahme in ein Gymnasium ist in der Regel an gute Noten in den Hauptfächern gebunden.
Leistungsdruck und die Suche nach dem richtigen Platz
Die Notwendigkeit eines guten Zeugnisses für den Übertritt ins Gymnasium erzeugt bei vielen Kindern einen spürbaren Druck. „Die Grundvoraussetzung für die Aufnahme in Gymnasien ist ein gutes Zeugnis, was in der vierten Klasse Volksschule einen gewissen Leistungsdruck für die Kinder erzeugt“, bestätigt Stefanie Wolf, eine Mutter aus der Stadt Salzburg. Viele Eltern versuchen, ihre Kinder bestmöglich zu unterstützen, ohne den Druck weiter zu erhöhen.
Die Schulen selbst sind sich dieser Herausforderung bewusst und versuchen, den Übergang so sanft wie möglich zu gestalten. Maria Ramsauer, Direktorin der Mittelschule in Salzburg-Taxham, erklärt einen Ansatz ihrer Schule: „Ab September bieten wir Talentetage an, an denen Eltern mit Kindern kommen können und sehen, was sie brauchen. Damit ist der Druck nicht ganz so groß.“ Solche Angebote helfen, die Stärken und Interessen der Kinder jenseits der reinen Noten zu erkennen.
Spezialisierung als Magnet
Ein klarer Trend zeigt sich bei der Schulwahl: Schulen mit speziellen Schwerpunkten sind besonders begehrt. Ob Musik, Sport, Sprachen oder Naturwissenschaften – ein klares Profil zieht Schüler und Eltern an. Dies gilt sowohl für Mittelschulen als auch für Gymnasien.
Ansturm auf profilierte Schulen
Das Erzbischöfliche Privatgymnasium Borromäum in der Stadt Salzburg verzeichnet in diesem Jahr bereits jetzt mehr Anmeldungen als in den Vorjahren. „Allerdings sind wir eine kleine Schule und auf 80 bis 90 Aufnahmen begrenzt“, so Direktorin Maria Weikinger. Die Schule, die insgesamt 550 Schülerinnen und Schüler zählt, muss daher eine Auswahl treffen.
Dieser Andrang zeigt, dass Eltern gezielt nach einem Umfeld suchen, das die Talente ihrer Kinder fördert. Die Standard-Stundentafel allein reicht vielen nicht mehr aus.
Regionale Unterschiede und große Einzugsgebiete
Die Nachfrage ist nicht nur in der Stadt Salzburg hoch. Auch in den Bezirken sind bestimmte Schulen wichtige Bildungszentren für eine ganze Region. Das Gymnasium in St. Johann im Pongau ist ein solches Beispiel. Es nimmt jährlich rund 100 Schülerinnen und Schüler in vier neuen ersten Klassen auf.
„Wir haben Schüler aus der Umgebung, aus Bischofshofen, Schwarzach und aus den umliegenden Tälern wie Kleinarl, Großarl, Wagrain oder dem Gasteinertal. Also ein ziemlich großes Einzugsgebiet.“
Für Familien in ländlicheren Gebieten bedeutet die Schulwahl oft auch die Planung von langen Schulwegen und die Organisation des Transports. Die Attraktivität einer Schule kann daher entscheidend dafür sein, welche Mühen in Kauf genommen werden.
Was Eltern jetzt wissen müssen
Die Anmeldefrist für die weiterführenden Schulen in Salzburg läuft noch bis April. Eltern und Erziehungsberechtigte haben somit noch Zeit, sich zu informieren und die finale Entscheidung zu treffen. Wichtige Schritte für Familien sind:
- Informationsveranstaltungen nutzen: Viele Schulen bieten Tage der offenen Tür oder spezielle Informationstage an.
- Das Kind einbeziehen: Die Interessen und Wünsche des Kindes sollten eine zentrale Rolle bei der Entscheidung spielen.
- Realistische Einschätzung: Die schulischen Leistungen und die Persönlichkeit des Kindes sollten zur gewählten Schulform passen.
- Alternativen bedenken: Es ist ratsam, sich nicht nur auf eine einzige Wunschschule zu versteifen, sondern auch einen Plan B zu haben.
Die kommenden Wochen werden für viele Salzburger Familien entscheidend sein. Die Wahl der richtigen Schule ist mehr als eine administrative Notwendigkeit – sie ist eine Weichenstellung für die Zukunft, die das Potenzial hat, die Freude am Lernen für die kommenden Jahre zu prägen.





